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DTM: Premierensieger Götz mit schnellsten Boxenstopp, Drama um Kelvin van der Linde, die Stimmen aus der Lausitz

Sieger Max Götz, HRT, ©Gruppe C Photography

Wer hat noch nicht, wer will noch mal. Die DTM hat am Lausitzring ihren vierten Sieger im vierten Rennen gekürt. Maximilian Götz (Haupt Racing Team)  hieß der strahlende Sieger beim Sonntagsrennen in der Lausitz.

„Ich bin sehr happy, es war sehr emotional im Auto“, sagte Götz nach seinen Premierensieg in der DTM. „Der erste DTM-Sieg ist immer was Besonderes, ich habe ihn schon lange erhofft.“

Kaum dürfen Zuschauer wieder auf den Tribünen Platz nehmen, schlägt der Franke im Mercedes-AMG GT3 richtig zu. „Dass es heute geklappt hat ist umso schöner, noch dazu der erste Sieg für das Haupt Racing Team in der DTM, das ist ein toller Abschluss des Wochenendes“, strahlte der Sieger, dessen Fanklub aus Salzburg extra in die Lausitz angereist war und den Erfolg entsprechend feiern durfte. Für das junge Mercedes-AMG-Team HRT von Hubert Haupt war es überhaupt der erste Triumph in der DTM.

Am Samstag war die Stimmung im Haupt-Lager noch bedrückt, beide Mercedes fielen aus, am Sonntag das fulminante Comeback. „Gestern war´s nicht ganz so gut, aber der Sieg macht alles wett, was wir gestern nicht geschafft haben. Jetzt werden wir mit dem Team feiern, dass wir wieder dabei sind und werden hoffentlich auch beim nächsten Rennen wieder Punkte gewinnen“, so der Meisterschaftsvierte.

Die Premiere der Steilkurve war ein absoluter Gewinn für Fahrer und Fans. „Ich war mir nicht sicher, wir es mit Turn 1 laufen würde“, so Götz, „aber es ist absolut prima gelaufen und hat von Runde zu Runde mehr Spaß gemacht. Es ist anspruchsvoll. Ich bin sicher, dass es auch den Fans gefallen hat.“

Sieger Max Götz, HRT, ©Gruppe C Photography

Entsprechender Jubel im Haupt-Lager, allen voran Geschäftsführer Ulrich Fritz. „Es war eine tolle Steigerung und ein super Abschluss fürs ganze Team“, freute sich Fritz. „Zuerst lief es überhaupt nicht nach Plan, nachdem gestern beide Autos ausgefallen sind. Bereits im heutigen Qualifying konnten wir den Aufwärtstrend erkennen.

Max hat ein starkes fehlerfreies Rennen gefahren und die Pitstop-Crew hat heute super gearbeitet. Der schnellste Stopp im ganzen Feld war die Basis, um sich zu positionieren. Natürlich war heute auch das Quäntchen Glück auf unserer Seite. Wir werden hart arbeiten, um das bald zu wiederholen. Das Team hat sich den ersten Sieg absolut verdient“, erklärte der ehemalige DTM-Mercedes-Chef.

Drama um Kelvin van der Linden, Liam Lawson im Würgegriff des Ferrari

Auf dem Lausitzring, auf dem zum ersten Mal die Steilkurve in Turn 1 in das Streckenlayout integriert wurde, brachte der schnellste Boxenstopp des Rennens den HRT-Piloten Götz in Richtung Siegerstrasse. Dazu profitierte der Deutsche von technischen Problemen des bis dahin führenden Kelvin van der Linde (Abt Sportsline) und einen Fehler des zweitplatzierten Ferrari-Piloten Liam Lawson.

Der 19-jährige Neuseeländer kam nach acht Runden zum Pflichtreifenwechsel an die Box, würgte beim Losfahren den Motor des Ferrari 488 GT3 EVO ab und verlor dadurch entscheidend Zeit. „Ich kann mich beim Team für diesen Fehler nur entschuldigen“, ärgerte sich Lawson, der dadurch seinen zweiten Saisonsieg verpasste. „Nach meinem guten Start habe ich an den Sieg geglaubt, dann aber beim Boxenstopp das Auto abgewürgt.“

Liam Lawson,Ferrari, Lausitzring 2021 © Gruppe C Photography

Danach folgte das Drama um Tabellenführer Kelvin van der Linde. „Das Auto ging aus, ich musste einen kompletten Reset durchführen. Zum Glück habe ich nur zwei Plätze verloren“, notierte van der Linde von den Schrecksendunden. Der Abt-Pilot war ganz klar auf Siegeskurs, als an seinem Audi R8 LMS in der 27. von 33 Runden plötzlich der Motor ausging – und das ausgerechnet bei Tempo 250 im gefürchteten Banking von Turn 1.

Glück im Unglück: Van der Linde wusste sich zu helfen. Hauptschalter umlegen, einen kompletten Reset der Elektronik machen, fünf Sekunden warten und dann den Motor neu starten – das alles wohlgemerkt bei über 200 km/h.

Die Nervenstärke des Audi-Piloten wurde mit einem Stockerlplatz belohnt, dennoch überwog die Enttäuschung. „Ich glaube, ich war nach einem Podium noch nie so enttäuscht wie nach dem Rennen am Sonntag“, so van der Linde.

„Ich hatte einen guten Start. Das Team hat einen perfekten Boxenstopp gemacht. Ich habe das Tempo kontrolliert und meine Reifen geschont. Wir dachten, wir hätten das Rennen in der Tasche, als das Auto in Turn 1 plötzlich ausging. Ich musste einen kompletten Reset machen. Zum Glück habe ich nur zwei Plätze verloren und bin noch ins Ziel gekommen.“

Weil dem Audi-Piloten das Risiko zu hoch war, gegen Lawson um P2 zu fighten, entschied sich der Tabellenführer, lieber Platz drei sicher nach Hause zu fahren. Wichtige Zähler im Kampf um den DTM-Titel.

Vor dem DTM-Gastspiel vom 06. bis 08. August im belgischen Zolder führt unverändert Kelvin van der Linde mit 69 Punkten die DTM-Fahrerwertung vor Liam Lawson (65) an. Dahinter folgen Philip Ellis (Team WINWARD) mit 48 und Maximilian Götz mit 46 Punkten.

Two wide, three wide

Es war ein packendes Rennen mit vielen Positionskämpfen. Mit Tempo 250 donnerte das Feld durch Turn 1. Philip Ellis, der Sieger vom Samstag, verteidigte zunächst von Startplatz eins aus die Führung, doch noch vor Ende der ersten Runde presste Lawson seinen Ferrari mit einem sehenswerten Manöver am Mercedes-AMG von Ellis vorbei. Auch Kelvin van der Linde kam Ellis immer näher und zog in Runde drei vorbei. Mehrfach jagten DTM-Rennwagen nebeneinander um den Kurs, „two wide“, wie das die Amerikaner nennen, und manchmal auch „three wide“, also zu dritt nebeneinander.

DTM am Lausitzring R2 ©Gruppe C Photography

Mike Rockenfeller im ABT-Audi und Vizemeister Nico Müller im Rosberg-Audi führten das Feld lange an, bis sie spät in die Boxengasse abbogen, um neue Reifen montieren zu lassen. Götz war nun auch real der Führende vor Lawson und Kelvin van der Linde. Dahinter hetzte ein flotter Zug mit sieben GT3-Autos dem Trio hinterher, angeführt von Ellis, gefolgt vom drängelnden Sheldon van der Linde (ROWE-Racing) vor BMW-Markenkollege Marco Wittmann (Walkenhorst Motorsport), Daniel Juncadella (Mercedes-AMG, Team GruppeM) und Mike Rockenfeller. Die Top 10 komplettierten Lucas Auer (Team WINWARD) und Nico Müller.

Hier weitere Stimmen aus der Lausitz:

Philip Ellis, P4, Winward, Mercedes:

Mir war klar, dass es im Rennen mit dem Zusatzgewicht schwierig werden würde. Ich musste früh zwei Konkurrenten vorbeilassen und habe an der Box eine weitere Position verloren. Weil das hohe Gewicht natürlich auch die Reifen zusätzlich strapazierte, war es eine Heidenaufgabe, den drängelnden BMW hinter mir zu halten.

Der vierte Rang ist insofern ein perfektes Ergebnis, als er uns viele Punkte bringt, wir aber im nächsten Rennen wieder ohne Zusatzgewicht fahren dürfen. Und was ich natürlich mit nach Hause nehme, ist dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, mein erstes DTM-Rennen gewonnen zu haben.

Philip Ellis, Winward © Gruppe C Photography

Sheldon van der Linde, P5, ROWE Racing, BMW:

Diese Wochenende am Lausitzring war ein weiterer Schritt nach vorne, auch wenn mir zu meinem Ziel, in diesem Jahr ein Rennen zu gewinnen, noch ein bisschen etwas fehlt. Ich habe mich aber schon riesig über die Pole am Samstag gefreut, die erste für ROWE Racing  und meine zweite überhaupt.

Schade, dass es dann durch die Zeitstrafe leider nicht mit dem Podium im Rennen geklappt hat. Das zweite Rennen am Sonntag war auch sehr gut, ich hatte ein paar wirklich gute Kämpfe auf der Strecke und es war unheimlich heiß im Auto. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Rennen.

Marco Wittmann, P6, Walkenhorst, BMW:

Tolle Kämpfe mit einem Haufen Jungs da draußen, sechs Positionen in der Eröffnungsrunde geholt und am Ende des Rennens auf P6 beendet.

Mike Rockenfeller, P8, Abt Sportsline, Audi:

Mit einem dritten Platz am Samstag und einem achten am Sonntag lief es für mich deutlich besser als in Monza. Ich habe viel gelernt und weiß nun viel besser, wie ich das Auto fahren muss. Das Team hat einen super Job gemacht.

Das Podium am Samstag war toll. Es hat aber auch Spaß gemacht, am Sonntag mit den frischeren Reifen noch vom 13. auf den achten Platz nach vorn zu fahren. Ich freue mich schon auf Zolder.

Lucas Auer, P9, Winward, Mercedes:

Ein schwieriges Rennen. Der Start und die ersten Runden gingen super. Leider hat der Boxenstopp einen Tick zu lange gedauert, und im zweiten Teil des Rennens konnte ich auch die Pace der Spitze nicht mehr mitgehen. Warum das so war, müssen wir in Ruhe analysieren.

Nico Müller, P10, Rosberg, Audi:

Unsere Pace war heute nicht schlecht, aber im Nachhinein hätten wir den Boxenstopp wohl etwas eher absolvieren sollen. Wenn man jedoch meine Ausgangssituation mit Startposition 15 bedenkt, dann ist Platz zehn eigentlich ein ordentliches Resultat. Ich hatte gute Zweikämpfe, habe einige Rivalen überholen können und immerhin einen Punkt geholt.

Alex Albon, P11, Alpha Tauri, Ferrari:

Es war definitiv kein einfaches Wochenende. Wenn wir freie Fahrt hatten, dann hat die Pace gestimmt. Aber im Verkehr war es eine echte Herausforderung. Im ersten Rennen war ich im Grunde durchgängig auf Rang fünf unterwegs. Zu überholen war für uns kaum möglich. In Rennen zwei lief dann der Boxenstopp nicht nach Plan.

Arjun Maini, P12, GetSpeed, Mercedes:

Das Ergebnis ist für uns etwas enttäuschend und zeigt nicht, was wir eigentlich können. Das Auto hat eine gute Pace und das Team hat einen guten Job gemacht. Wir haben seit Monza einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das ganze Wochenende hat aber Spaß gemacht. Es war gutes und hartes Racing.

Timo Glock, P13, ROWE Racing, BMW:

Im Rennen am Samstag hatten wir Probleme mit dem Reifenabbau, das haben wir am Sonntag deutlich besser im Griff gehabt. Leider wurde ich dann in der ersten Runde zweimal ins Kiesbett gedrückt und war dann am Ende des Feldes. Wir haben dann eine andere Strategie probiert und ich hatte einen sehr guten zweiten Stint.

Wir nehmen einfach das Positive aus diesem Wochenende mit. Der Speed im Qualifying hat gepasst, und in der zweiten Rennhälfte dann auch. Wir müssen jetzt Geduld haben, bis die richtigen Ergebnisse kommen.

Vincent Abril, P14, Haupt, Mercedes:

Zunächst einmal muss ich dem Team für den ersten Sieg gratulieren, das war wohlverdient und ich freue mich für Max. Für mich lief es weniger glücklich. Ich hatte das ganze Wochenende das Gefühl, dass das Potenzial da war, um konkurrenzfähig zu sein, aber es hat nicht geklappt dies umzusetzen.

Ich bin mir sicher, dass wir herausfinden werden, woran es gelegen hat. Es war ein sehr hartes mentales Rennen für mich – aber wir werden uns wieder aufrappeln. Ich hoffe nun auf ein starkes 24-Stunden-Rennen in Spa, bevor wir zum nächsten DTM-Lauf nach Zolder fahren.

Sophia Flörsch P15, Abt Sportsline, Audi:

Ich habe auf jeden Fall einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Im Vergleich zu Monza und auch zum Freien Training am Freitag war meine Pace in Qualifying 1 richtig gut. Dann hatten wir leider etwas Pech mit technischen Problemen im ersten Rennen und im zweiten Qualifying.

Das kann im Motorsport passieren. Die Mechaniker haben den Fehler vor dem zweiten Rennen zum Glück gefunden. Vom letzten Startplatz war es ein schweres Rennen. Aber ich bin 15. geworden und happy, wenn es weiter in die richtige Richtung geht.

Esmee Hawkey, P16, T3 Motorsport, Lamborghini:

Der Lausitzring war an diesem Wochenende nicht so freundlich zu uns, aber wir resien ab und nehmen das Positive mit. Wir hatten während des gesamten Rennens eine gute Pace, nur in T1 fehlte uns etwas – meine Angst-Kurve.

Dev Gore, P17, Rosberg, Audi:

Nach dem zweiten Qualifying hatte ich noch den Eindruck, dass es heute besser laufen könnte, aber im Rennen hatte ich keine Chance. Im ersten Sektor mit der überhöhten Kurve passte die Balance des Autos zwar gut, in den anderen beiden Sektoren aber leider nicht. Zudem habe ich mich noch einmal gedreht, weil ich zu viel wollte.

Maximilian Buhk, P18, Mücke Motorsport (Mercedes):

Am Sonntag muss ich die Startstrafe auf meine Kappe nehmen. Aber wir haben gesehen, dass wir im Vergleich zu Monza deutlich dichter an den anderen Mercedes dran sind. Von daher bin ich positiv gestimmt.

Turn 1 ist eine Herausforderung, weil es eben nicht nur Vollgas ist und Du viel Mut brauchst. Die Kurve ist sehr schnell und Fehler tun sehr weh in der Betonmauer. Natürlich arbeitet man sehr viel in der Kurve und auch die Hinterachse ist nervös, aber das Space Drive System hat das locker kompensiert.

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