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DTM: Serienchef Gerhard Berger:'“Nachhaltigkeit und Umweltschutz zentrale Rolle des Motorsports“, Ausblick auf die neue Saison

Gerhard Berger DTM ©DTM

Die Vorbereitungen der DTM auf die anstehende Saison laufen auf Hochtouren. Letzte Woche haben die zehn Teams die ersten offiziellen Testfahrten am Hockenheimring abgespult.

Am Rande der Übungsfahrten nahm sich Serienchef Gerhard Berger in einer digitalen Medienrunde die Zeit, einen Ausblick auf die bevorstehende Saison zu geben. 

Über 31 Pressevertreter lauschten den Ausführungen des Tirolers, der das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Mittelpunkt seines 70-minütigen Plädoyers stellte.

Ferner bedauerte Berger die Absage von Jenson Button und dem RJN-Team und den gescheiterte Deal mit Jacques Villeneuve. In den Augen des Österreichers gilt Lucas Auer als heißer Titelkandidat und stellt den Auftritt von Audi-Pilotin Sophia Flörsch als sehr große Bereicherung für die DTM dar.

Berger über die Corona-Pandemie:

„Ich hätte nie geglaubt, dass wir an erster Stelle die Pandemie diskutieren. Wir stecken immer noch voll in der Pandemie und kämpfen mit diesen Umständen. In Voraussicht haben wir den Kalender sehr spät angelegt.

Wir fangen nicht vor Juni an, um sicher zu gehen, das wir wieder mit Zuschauern zu den Rennen gehen können. Leider ist das mit einem Fragezeichen zu versehen, vor allem beim ersten Rennen in Monza. Es wird schwer werden, Zuschauer an die Strecke zu bringen.   

Wir wissen in der Zwischenzeit, wie wir Rennen ohne Zuschauer veranstalten und werden das auch gut hinbekommen. Wir haben einen starken Rennkalender, ein attraktives Programm, gute Strecken und ein extrem starkes Starterfeld, was Qualität der Fahrer und Teams anbelangt. Wir haben die Markenvielfalt, die wir uns gewünscht haben.

Ferrari,DTM Test Hockenheimring ©DTM

Berger über seine Wunschvorstellung Markenvielfalt:

Der Wunsch ist im großen und ganzen in Erfüllung gegangen, wir haben die Markenvielfalt. Die Pflicht haben wir erfüllt, die Kür würden wir noch gerne daraufsetzen. Das GT3-Reglement hat dazu beigetragen, dass wir die Markenvielfalt bekommen haben.

Berger über die größten Schwierigkeiten als DTM-Chef:

Die Pandemie ist für die Sportarten sehr, sehr schwierig, insbesondere für die Veranstalter sehr schwierig zu managen. Eine wesentlicher Einkommensquelle sind die Zuschauer. Wenn wir keine Zuschauer haben, ist das ein direkter Abgang und finanziell sehr schwer zu kompensieren. 

Aktuell ist es schwer, von der Automobilindustrie unterstützt zu werden. Die Nachhaltigkeit rückt ins Zentrum, die auch vom Motorsport gefordert wird.

Die technische Transformation auf der Strasse hat auf der Rennstrecke noch nicht so ideal Fuß gefasst hat. Auf der anderen Seite wird gefordert, dass der Motorsport auch seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit bringt. Das heißt für uns Neuland. Wir müssen uns alle damit beschäftigen und unsere Produkte an neue Technologien anpassen. Diese zwei große Themen haben wir ständig am Tisch. Wir sind überzeugt, das Automobilland Deutschland braucht den Motorsport. Das ist eine ziemliche Herausforderung.

Ich gehe davon aus, dass wir noch ein bis zwei schwierige Jahre aus dieser Mischung aus Pandemie und neue Technologien vor uns haben werden. Dann pendelte sich das alles wieder ein. Diese zwei Jahre werden für den Motorsport nicht so einfach werden.

Berger über die DTM-Pläne zum Thema Nachhaltigkeit:

Aus technischer Sicht muss es das klare Ziel sein, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das wollen wir auch mit neuen Produkten schaffen, wir bringen ein voll elektrisches Produkt auf die Plattform.

Langfristig wollen wir die Plattform CO2-neutral gestalten, in allen Bereichen. Dazu zählt nicht nur synthetischer Kraftstoff, sondern auch die Bereiche Logistik, Fans und Catering. Es gilt, den CO2-Fussabdruck zu verringern.

Einerseits haben wir ein elektrisches Produkt, andererseits  versuchen wir den Verbrennungsmotor entweder mit Hybrid oder synthetischen Kraftstoffen auszustatten, um parallel beide Schienen zu fahren. Es kann durchaus sein, dass sich in der Zeit Wasserstoff als geeignete Form anpasst, dann haben wir die Möglichkeit zu switchen.

In erster Linie arbeiten wir mit dem Verbrenner, mit synthetischen Kraftstoffen und werden demnächst mit unserem E-Projekt die nächsten Schritte präsentieren, an dem wir sehr intensiv an unseren Prototypen arbeiten.  

Berger über die Zukunft des Motorsports:

Die Nachhaltigkeit und der Umweltschutz muss eine zentrale Rolle spielen. Das ist nicht ganz einfach, aber da führt kein Weg vorbei.

Der Motorsport muss sich dahingehend verändern, um den Nachhaltigkeits-Standard besser darstellen zu können. Der Motorsport muss mit den neuen Technologien für die Hersteller und die technischen Partner wieder eine zentrale Rolle einnehmen, um die Entwicklung im Bereich Effizienz, Nachhaltigkeit und  Stabilität zu beschleunigen können.

Berger über Free-TV und SAT.1 als Fernsehpartner:

Mit SAT.1 haben wir einen sehr starken TV-Partner auf unserer Seite. Gutes Motorsport-Programm im Free-TV zu anzubieten ist Grundvorraussetzung. Wir haben auch eine eigene Plattform mit ‚DTM-Grid‘, somit sind wir via Streaming zu empfangen. Wir sind in diesen Bereichen sehr gut aufgestellt und bin sehr zuversichtlich, dass wir wieder extrem gute Reichweiten generieren können.

DTM Test HockenheimringMichelin Reifen ©DTM

Berger über den neuen DTM-Reifenpartner Michelin:

Seit meiner früheren Formel-3-Zeit bin ich immer sehr enger Partner von Michelin gewesen. Ich habe in meiner aktiven Formel-1-Zeit oder mit BMW in Le Mans und mit Williams in der F1 die Partnerschaft genossen. Sie sind sehr sehr professionell und mit einer derart hohen Qualität aufgetreten, das sich die Teams und Fahrer in der DTM-GT3 gewünscht haben. Für die DTM ist es eine weitere sehr starke Zugabe.

Berger über die Absage von Ex-Formel-1-Weltmeister Jenson Button:

Natürlich wäre es wunderschön gewesen, Jenson Button dabei zu haben. Leider war es nicht möglich, dass Budget dorthin zu bringen, dass er sich wohl gefühlt hätte, eine konkurrenzfähige DTM-Saison durchzuführen.

Wir waren sehr spät dran, bei einigen Teams waren die Budgets schon vergeben. Man kann nicht erwarten, dass sich jeden Tag drei neue Möglichkeiten auftun. Es ist die eine oder andere Marke nicht dabei, die ich auch gerne dabeigehabt hätte. Man kann jedoch am ersten Tag nicht alles erreichen.  

Wittmann,Rast.Rockenfeller und Button DTM-Finale Rennen1 ©EHirsch

Berger über den gescheiterten Deal mit Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve:

Ich war mit Jacques im Gespräch. Jacques würde wahnsinnig gern DTM fahren. Ich würde ihn gerne auf der Plattform haben, das wäre super.

Wir haben noch nicht den Platz gefunden, der zu Jacques passen würde und ihn in die richtige Wertigkeit bringt. Ich würde nicht ausschließen, dass wir zukünftig die richtige Lösung für ihn am Tisch haben.

Berger über DTM-Rookie Sophia Flörsch:

Sophia Flörsch ist in der DTM am Start, weil sie gute Motorsportleistungen gebracht und sich positioniert hat. Uns freut es sehr, weil wir es toll finden, wenn Frauen im Motorsport ihren Weg machen können.

Sophia Flörsch, Audi,DTM Test Hockenheimring ©DTM

Flörsch hat in der Formel 3 sehr gute Leistungen gezeigt. Ich gehe davon aus, dass sie in der DTM Fuß fassen wird, das wird nicht einfach, sie braucht ihre  Eingewöhnungsphase.

Ich traue ihr zu, gute Rennen zu fahren. Für die DTM war es immer ein besonders interessantes Thema, wenn eine Frau dort Leistungen abgeliefert hat. Flörsch hat eine große Fangemeinschaft, wie wir bei der Präsentation beobachten konnten. Das tut uns auf der Plattform auch gut.  

Lucas_Auer ©EHirsch

Berger über seinen Neffen Lucas Auer, der im Mercedes-AMG GT3 für das Team Winward Racing startet:

Normalerweise versuche ich den Druck von Lucas zu nehmen. Ich traue ihm zu, die Meisterschaft zu gewinnen, er muss sie gewinnen.

Er sitzt in einem Top-Team, er sitzt in einem Top-Fahrzeug und er hat in der Zwischenzeit hervorragende Erfahrungen in den verschiedensten Serien, vor allem in der DTM, gesammelt. Ich würde ihn auf alle Fälle als einen der Meisterschaftskandidaten zählen.

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