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DTM: Abt-Geschäftsführer Thomas Biermeier im Interview: „Werden mit Sophia gemeinsam noch viel Spass haben“

 

Thomas Biermeier,Formula E, Bern E-Prix 2019 ©Audi

Am Montag überraschte Abt Sportsline die Motorsport-Welt mit der Verpflichtung von Sophia Flörsch für die DTM 2021. Für uns Grund genug, sich mit Abt-Geschäftsführer Thomas Biermeier darüber zu unterhalten.

Dabei nahmen wir die Gelegenheit wahr, sich über die ersten DTM-Testfahrten in Vallelunga auszutauschen und über das neue Abenteuer Extreme E. Zudem gibt es einen Rückblick auf den Formel-E-Saisonstart in Saudi-Arabien und eine Vorschau auf die Europapremiere in Rom.

Thomas, wie zufrieden warst du mit den dreitägigen Testfahrten des Audi R8 LMS GT3 in Vallelunga?

Thomas Biermeier: „Wir waren mit dem Audi GT3 zum ersten Mal nach langer Zeit wieder testen und der Test verlief ganz vernünftig. Das Wetter bescherte uns zwei Tage lang Regen, einen Tag gab es trockene Bedingungen. Im Regen haben wir schon etwas gelernt. Für trockene Bedingungen brauchen wir die nächsten Tests. Es war ein guter Rollout in die neue Saison.

Biermeier_Modlinger_HJ_Abt (c)ABT Sportsline

Nächste Gelegenheit bieten die offiziellen Testfahrten der ITR vom 7. bis 8. April in Hockenheim. Gibt es danach weitere Testfahrten?

Biermeier: Ja, das werden wir machen. Wir planen noch ein bis zwei unterschiedliche Tests.

Welches Feedback bei den ersten Testfahrten gaben dir die beiden Fahrer Mike Rockenfeller und Kelvin van der Linde?

Biermeier: Kelvin hat schon unheimlich viel Erfahrung im GT3-Auto. Er hat schon Tausende Kilometer auf dem Auto abgespult. „Rocky“ hat ebenfalls Erfahrung, natürlich etwas weniger. Es war ganz gut, dass sich beide Fahrer gegenseitig austauschen könnten.

Es war ein Kennenlernen von beiden Fahrern zum Team. Es war auch ein Kennenlernen unseres Teams hinsichtlich des GT3- Autos. Es gibt noch nicht zu viele Schlüsse, die man daraus ziehen kann. Das ist noch zu früh.

Mit Michelin kommt ein neuer Reifenpartner in die DTM. Wie waren die neuen Reifen zu handeln?

Biermeier: Wir haben die Michelin in Vallelunga im Gepäck gehabt. Jeder weiß, dass Michelin gute Reifen baut. Es ist schon eine Umstellung von Class1-Autos auf GT3 und der Wechsel von Hankook zu Michelin bedeutet eine weitere Umstellung. Es ist von daher gar nicht so einfach, einen aussagekräftigen Vergleich zu machen. Wir schauen, dass wir uns mit dem GT3 auf den Michelin-Reifen gut einschießen. Es ist die wichtigste Aufgabe, viel über die Reifen zu lernen.

Ist es richtig, dass Ihr die Michelin-Reifen in der DTM selbst finanzieren müsst?

Biermeier: Ja, das ist korrekt.

Vorgestern wurde die Verpflichtung von Sophia Flörsch als dritte Fahrerin für Abt Sportsline verkündet. Wie hast du den medialen Hype darüber empfunden?

Biermeier: Es war sehr positiv. Sophia war bei uns letzte Woche im Haus. Ich muss ehrlich sagen, dass die Beziehung Sophia und Abt für die Zukunft sehr gut funktionieren kann. Sophia ist eine sehr sympathische, junge und zielstrebige Frau. Wir sind mit ihr sehr happy und ich glaube, dass wir gemeinsam noch viel Spaß haben werden.

Thema Formel E: In Rom steht am 10. April der nächste Saisonlauf der Formel E an. Aktuell herrscht in Italien Lockdown. Gehst du davon aus, dass Ihr in Italien fahren könnt?

Biermeier: Es ist echt schwierig, das zu bewerten. Der Lockdown in Italien geht noch bis zum 6. April. Da bin ich zu weit weg, um das beurteilen zu können, ob es Sinn macht oder nicht, in Rom zu fahren.

Natürlich würden wir alle sehr gerne fahren, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Gesundheit der Mitarbeiter und Mitglieder der Formel-E-Familie gesichert ist. Wir werden wahrscheinlich in unserer eigenen „Bubble“ sein. Die Formel E hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie sehr, sehr gute Hygienekonzepte umsetzen.

Biermeier (Abt) und Dilbagh Gill (Mahindra) (c)EHirsch

Die strengen Hygienevorschriften bedeuten auch, weniger Kontakte zu anderen Personen und Mitmenschen rund um den Formel-E-Zirkus zu pflegen. Wie gehst du damit um?

Biermeier: Das macht ehrlich keinen Spaß. Es würde viel mehr Spaß machen, wenn die Fans wieder an die Strecke kommen dürften und man sich mit anderen Leuten treffen könnte.

Wir müssen jedoch froh und dankbar sein, dass wir in der heutigen Zeit unseren Beruf nachgehen und Rennen fahren können. Das ist das wichtigste und daher beschweren wir uns nicht. Aber Spaß macht es so natürlich nicht.

Audi hat zur Abschiedssaison einen neuen Antriebsstrang entwickelt. Wie schätzt du die Audi-Power nach dem Auftritt in Saudi-Arabien ein?

Biermeier: Das Auto ist siegfähig, wenn man sich alle vier Autos mit Audi und Virgin (Anmerkung der Redaktion: Kundenteam) ansieht. Das ist schon mal sehr gut. Jetzt müssen wir es als Team mit unseren Fahrern auf den Punkt bringen, in Rom ein gutes Resultat einzufahren.

Was Saudi-Arabien betrifft, haben wir natürlich etwas Pech gehabt, da wir im Qualifying in Gruppe 1 auf Zeitenjagd gehen mussten. Das war einfach ein großer Nachteil.

In Rom starten wir von Gruppe 2 und 3, wo wir uns ein gutes Ergebnis erhoffen. Eines ist klar: Wir wollen um Siege mitfahren, um die Meisterschaft mitkämpfen und da müssen wir jetzt anfangen, gut zu punkten.

Wie zufrieden warst du mit den beiden Auftaktrennen in Saudi-Arabien?

Biermeier: Es war ein durchschnittlicher Auftakt. Rene hat einen sehr sehr guten Job gemacht, das muss man echt sagen. Er hat im ersten Rennen ein wenig Pech mit den Safety-Car-Phasen und den Attack-Modes gehabt.  Wenn es ein wenig anders läuft, kämpft Rene um den Sieg.

Lucas, der in Quali-Gruppe 1 ran musste, hatte fast keine Chance mehr. Man sieht, wenn man kleine Fehler macht, die wirken sich enorm aus. Daher waren wir nur durchschnittlich zufrieden.

Ergibt sich dieser Konflikt nicht immer, wenn du um den Titel mitfährst, dass du automatisch in Gruppe 1 antreten musst?

Biermeier: Ja, das schon. Es gibt jedoch schon Unterschiede bei den Strecken. Wenn du in einem Land fährst, wo es sehr sandig und windig ist, hast du überhaupt keinen Grip in Gruppe 1. Oder ich fahre in einem Land, wo Gebäude die Strecke umgeben, da wird weniger Dreck und Staub aufgewirbelt. Die Gruppe 1 hat oft Nachteile, muss ich offen sagen.

Wird es in Rom von Nachteil sein, in Gruppe 1 zu starten?

Biermeier: Ja, aber der Nachteil ist nicht so groß wie zuletzt in Riad.

Audi fährt 2021 die Abschiedssaison in der Formel E, ist die Elektro-Rennserie danach noch ein Thema bei Euch?

Biermeier: Die Formel E ist immer ein Thema. Wir sind von Stunde Eins an Bord der Serie gewesen. Wir haben die Formel E um die Leute Alejandro Agag oder Alberto Longo lieben und schätzen gelernt, führen ein sehr, sehr enges Verhältnis mit Ihnen.

Wir versuchen hier Lösungen zu finden, um auch in der Zukunft dabei zu sein. Aktuell gibt es Null Komma null  Anzeichen oder Wege dafür. Wir arbeiten daran.

Ihr würdet also mit anderen Herstellern gern dabeibleiben?

Biermeier: Mal schauen, das Paket muss stimmen.

Abt, Cupra, Ekström,Agag ©Abt,HOCH ZWEI

Thema Extreme E: Die Abt-Mannschaft stürzt sich mit der neuen Elektro-Rennserie Extreme E in ein neues Abenteuer. Wie laufen die Vorbereitungen vor der Premiere in Saudi-Arabien Anfang April?

Biermeier: Der Winter war da noch interessant, da wir das Auto bei uns in Kempten gehabt haben. Gerade der November und Dezember war von sehr viel Arbeit geprägt. Seit Anfang Januar befindet sich alles auf dem Schiff, das Equipment, die Ersatzteile, die Fahrzeuge usw. Am Wochenende geht es für die Mannschaft Richtung Saudi-Arabien, angefangen mit den Quarantänen-Vorschriften. Wir freuen uns schon sehr auf das neue Abenteuer.

Nach Ostern geht es gleich Schlag auf Schlag, nach Extreme E stehen die DTM-Testfahrten auf den Hockenheimring an, zwei Tage später erfolgt die Europa-Premiere der Formel E in Rom. Bist du überall dabei?

Biermeier: Bei der Extreme E in Saudi-Arabien bin ich nicht dabei. Dort wird Florian Modlinger vor Ort sein, wir haben ein sehr schlankes Team dafür abgestellt.

Fünf Mann, dazu die beiden Fahrer: in, kümmern sich um den Einsatz. Ich bin in Saudi-Arabien nicht dabei, zumal die Mannschaft zehn Tage lang unterwegs sein wird. Wir haben dazu eine sehr, sehr gute Truppe aufgestellt, der wir 100 Prozent Vertrauen schenken. Ich werde dann in Hockenheim und in Rom vor Ort sein.

Apropos Saudi-Arabien: Wie hast du den Raketenangriff während des Formel-E-Gastspiels Ende Februar empfunden?

Biermeier: Da ich nicht vor Ort war, kann ich das aus der Ferne schwer beurteilen. Das Wichtigste war die Sicherheit unserer Mitarbeiter. Sie waren in keiner Weise in Gefahr. Es war für die Leute vor Ort schon ein mulmiges Gefühl und auch für uns zu Hause. Da macht man sich dann Sorgen. Wir sind sofort informiert worden. Gott sei Dank ist nichts passiert.

Gab es Gründe, weshalb du beim Formel-E-Auftakt selbst nicht vor Ort warst?

Biermeier: Wir müssen die Limitierung des Personals an der Strecke beachten. Durch die ‚Bubbles‘ und den Quarantänemaßnahmen waren die Jungs 12 Tage lang unterwegs. Wir haben im Haus noch unsere Tuning-Geschäft mit Abt Sportsline zu betreuen, das auch laufen muss. Von daher mache ich die ganz langen Reisen momentan nicht mit.

Laufen die drei Projekte DTM, Extreme E und Formel E im Hause Abt autark?

Biermeier: Sie laufen zu 80 Prozent autark, bei 20 Prozent gibt es bei ein paar Mitarbeitern wie Florian Modlinger oder ein bis zwei Mechaniker Überschneidungen, die in der Extreme E und in der DTM eingesetzt werden. Durch die Corona-Pandemie schiebt sich alles viel enger zusammen, du musst daher autarke Truppen haben. Das kostet immer mehr Geld, aber das leisten wir uns, da letztendlich die Qualität entscheidend ist.

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