Damit kommt es zum ersten Bruderduell seit Wiedereinführung der DTM im Jahr 2000. Bruder Kelvin van der Linde, der bei Abt Sportsline anheuerte, feiert DTM-Premiere.Genialer Schachzug von Rowe Racing und BMW. Mit Sheldon van der Linde wirft der Rennstall aus dem saarländischen St.Ingbert ein heißes Eisen ins Feuer. Denn der 21 Jahre alte Südafrikaner bekommt es im BMW M6 GT3 in seinem dritten DTM-Jahr erstmals mit seinem knapp drei Jahre älteren Bruder Kelvin van der Linde (Abt Sportsline) zu tun, der neu in die Serie einsteigt.

Damit treten die „VDL-Brothers“ erstmals in einer ganzen Saison im direkten 1:1-Duell gegeneinander an, BMW gegen Audi. „Wir haben beide damals immer davon geträumt, irgendwann mal in der DTM zu fahren“, sagt Sheldon van der Linde. „Dass wir jetzt wirklich ab Juni gegeneinander in der größten Tourenwagenserie der Welt fahren werden, ist einfach unglaublich“, freut sich van der Linde, der bereits einen DTM-Sieg auf seinem Konto verbuchen konnte.

„Erst einmal freue ich mich riesig darauf, in der DTM weiter in einem BMW am Start zu sein. Nach zwei Jahren und vielen Höhepunkten dort ist es mein Ziel, die gesammelten Erfahrungen zu nutzen.

Ich möchte dabei zu helfen, sowohl mich als auch das Team zu stärken. Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil des Projektes Rowe Racing zu sein, und bedanke mich beim Team für das Vertrauen, das alle dort in mich setzen. Auf der anderen Seite freue ich mich mega, dass Kelvin es jetzt auch in die DTM geschafft hat“, sagte der Rowe-Pilot.

Rowe Racing tritt in diesem Jahr erstmals in der DTM an und setzt den BMW M6 GT3 ein, mit dem die Saarländer bereits seit fünf Jahren zahlreiche Erfolge feierten. 2016 gewann Rowe Racing damit die 24 Stunden von Spa, im vorigen Jahr das ADAC 24h‑Rennen auf dem Nürburgring.

Rowe- Teamchef bekommt Wunschkandidaten

Teamchef Hans-Peter Naundorf hat seinen Wunschkandidaten für die DTM bekommen.  „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Sheldon van der Linde in unsere erste DTM-Saison gehen werden“, so Naundorf. „Wir haben uns ganz bewusst für ihn entschieden, weil er einerseits noch ein junger Fahrer ist, andererseits aber dennoch schon viel Erfahrung in der DTM gesammelt und dort seine Klasse unter Beweis gestellt hat. Er passt sehr gut zu unseren Vorstellungen und Ideen für den DTM-Einstieg und wird uns helfen, unser Konzept umzusetzen und die bestmögliche Performance zu erreichen.

Dass es dabei zum ersten DTM-Bruderduell in diesem Jahrtausend kommen wird, ist für uns ein schöner Nebeneffekt. Denn ich gehe davon aus, dass es für Sheldon noch eine Extra-Motivation sein wird, immer vor seinem großen Bruder ins Ziel zu kommen“, freut sich der Rowe-Teamchef auf die Zusammenarbeiten mit dem in Kempten beheimateten Südafrikaner.

Und eines ist gewiss: das Rowe-Team genießt die hohe mediale Aufmerksamkeit schon vor Saisonbeginn. Ob Rowe Racing einen weiteren BMW-Piloten einsatzt, wurde nicht kommuniziert.

Sheldon van der Linde

Sheldon van der Linde war 2019 und 2020 als BMW-Werksfahrer in der DTM am Start und stellte sein fahrerisches Können eindrucksvoll unter Beweis. Bei seinem Debüt war van der Linde mit 19 Jahren und 356 Tagen der zweitjüngste Fahrer und der erste Südafrikaner in der Historie der 1984 gegründeten Serie. Bereits in seinem vierten Rennen im belgischen Zolder startete der BMW-Pilot zum ersten Mal von der Pole Position. In der Saison 2020 gelang ihm in Assen in den Niederlanden sein erster Sieg, erneut als erster Pilot aus Südafrika. Insgesamt stehen für ihn bislang 36 DTM-Rennen zu Buche, in denen er zudem einen weiteren Podiumsplatz, eine schnellste Rennrunde und 31 Führungsrunden erzielte.

Kelvin van der Linde,9h Kyalami 2019 ©Audi

Da wird sich Bruder Kelvin, der vom ADAC GT Masters in die DTM wechselt, als Rookie strecken müssen, um an die Erfolge von Sheldon heranzukommen. Wie sein Bruder Kelvin startete der in Johannesburg geborene Sheldon van der Linde seine Rennfahrer-Karriere bereits im Alter von sechs Jahren im Kart, nachdem die beiden Brüder schon innerhalb der Familie mit dem Motorsport-Virus angesteckt worden waren. Schon ihr Großvater Hennie fuhr als erfolgreicher Tourenwagen-Pilot zahlreiche Titel in Südafrika ein. Vater Shaun feierte unter anderem in BMW-Tourenwagen Erfolge in der Heimat, aber auch in Europa. Ihr Onkel Etienne war ebenfalls in unterschiedlichen nationalen und internationalen Rennserien unterwegs. Man sieht, das Rennfahrerblut steckt in den Gener der beiden van der Lindes.

Über den Audi TT Cup und die ADAC TCR Germany führte der Weg von Sheldon van der Linde schon 2018 in den GT3‑Sport. Beide van der Lindes wurden im ADAC GT Masters 2018  Vizemeister, danach schaffte Sheldon van der Linde den Sprung in die DTM. Im letzten Jahr zeigte der Südafrikaner beim 24h-Rennen Nürburgring im Ex-BMW-Team Schnitzer seine Klasse und erreichte mit Platz 3 einen Podestplatz. Der 21-Jährige, der übrigens perfekt deutsch spricht, kann sich über mangelnde Arbeit in diesem Jahr nicht beklagen.

Neben seiner Rolle als Formel-E-Ersatzfahrer für BMW i Andretti Motorsport fungiert van der Linde als Test- und Entwicklungsfahrer des neu entwickelten BMW M4 GT3, der den BMW M6 GT3 ab 2022 ablösen soll.