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Formel E: Deutsche Teams mit Valencia-Tests zufrieden- echte Standortbestimmung erst in Chile

Mercedes EQ FE-Team,S7_Valencia_Test, Samstag, 28. November 2020 @Mercedes,Sebastian Kawka

Viel los momentan in der Formel E. Und für den deutschen Motorsport mit einer großen Ausnahme (Mick Schumacher fährt Formel 1)  keine gute Woche. Audi und BMW gaben ihren Rückzug aus der Elektro-Rennserie bekannt, ziehen den Stecker nach der Saison 2021.

Die Saisonvorbereitungen der Formel E wurden mit dreitägigen Testfahrten im Valencia abgeschlossen. Der Startschuss zu Saison 7 erfolgt am 16.1./17.1.2021 mit einem ‚Doubleheader‘ in Santiago de Chile. Die vier deutschen Formel-E-Teams ziehen insgesamt ein positives Fazit nach den Tests in Spanien.

BMW:

BMW setzte wie schon im Vorjahr die Bestzeit hin. Maximilian Günther im BMW iFE.21 drehte die schnellste Runde auf dem 3,099 Kilometer langen Circuit Ricardo Tormo in Valencia und geht bestens vorbereitet auf die weite Reise nach Chile, wo der 23-jährige Deutsche mit BMW seinen Premierensieg in der abgelaufenen Saison feierte. „Ich denke, wir haben einen sehr guten Job gemacht“, so Günther über BMW’s Testvorbereitungen.

Max Guenther BMW i Andretti ©BMW

Für die Münchner wird die neue Formel-E-Saison, die erstmals als Weltmeisterschaft ausgetragen wird, eine Abschiedstournee sein. Am Mittwoch gab der Münchner Autohersteller sein Aus aus der Formel E bekannt. Ob und wie Teampartner Andretti weitermacht, steht bis dato noch nicht fest.

Mercedes:

Bei Mercedes zeigte sich Teamchef Ian James mit den Testfahrten seiner beiden Schützlinge Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries zufrieden. Im Verlauf des umfangreichen Tests legte Mercedes 509 Runden respektive 1.597 km mit dem neuen Mercedes-Benz EQ Silver Arrow 02 zurück. Im Zeitentableau waren Vandoorne auf Platz 18 und Teamkollege Nyck de Vries auf Platz 21 zu finden. Doch für Teamchef Ian James kein Grund zur Sorge.

 Ian James, Mercedes@LAT Images,Mercedes

„Es ist sehr schwierig, hier in Valencia ein Gefühl dafür zu bekommen, wo wir im Vergleich zu unserer Konkurrenz stehen“, sagte der Brite. „Alle Teams haben ihre eigenen Programme verfolgt, weshalb wir erst in Santiago erfahren werden, wo wir stehen. Aber alles in allem sind wir mit den hier erzielten Fortschritten zufrieden“, resümierte James.

Dabei stand das neue Einsatzgerät, der Mercedes-Benz EQ Silver Arrow 02, im Fokus der Saisonvorbereitungen. Zuverlässigkeit und Effizienz des neuen Antriebsstranges wurden genau unter die Lupe genommen. „Besonders geschaut haben wir auf Arbeiten an der Zuverlässigkeit, um alle Kinderkrankheiten am Auto zu beseitigen, und überprüften auch, wie es in Sachen Performance aussieht“, erklärte der Mercedes-Teamchef.

Dessen Vorgesetzter Toto Wolff hat nach der Bekanntgabe des Rückzugs von Audi und BMW klargestellt, dass Mercedes in der Formel E verbleibt und sich zur Elektro-Rennserie bekennt. „Wir haben die Botschaft vernommen, werden unsere Lehren daraus ziehen und [die Formel E] von nun an stärker machen“, sagte der 48-jährige Österreicher im Gespräch bei ‚motorsport.com‘.

Porsche:

Im Porsche-Lager waren die Team-Verantwortlichen mit den letzten Testvorbereitungen sehr zufrieden. Mit dem in Weissach in vielen Bereichen weiterentwickelten Porsche 99X Electric und dem neuen vollelektrischen Antriebsstrang legten Andre Lotterer und Neuzugang Pascal Wehrlein insgesamt 1.522 Kilometer zurück.

„Für uns war das ein sehr positiver Test“, meinte Amiel Lindesay, Porsches Einsatzleiter. „Die Herausforderungen, die gegen die starke Konkurrenz auf uns warten, sind enorm. Aber wir haben uns gut vorbereitet und sind bereit“, sagte der Franzose.

Amiel LINDESAY PORSCHE @Porsche

Den Optimismus zog Porsches Einsatzleiter aus der Erkenntnis, dass Lotterer gleich zu Beginn der Testfahrten Tagesbestzeit fuhr. „Unsere Bestzeit am ersten Testtag war ein guter Einstand und eine zusätzliche Motivation“, freute sich der Deutsche. „Doch in erster Linie ging es für uns darum, noch mehr über unser Auto zu lernen und zu sehen, wo wir im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Für uns ist jeder Kilometer auf der Rennstrecke wichtig. Das Ziel in unserer Debütsaison waren Podiumsplätze. Das haben wir erreicht.

Jetzt wollen wir Rennen gewinnen. Der Schlüssel zum Erfolg in der Formel E ist, gut vorbereitet an die Strecke zu kommen und dann alles abzurufen, was es für einen erfolgreichen Renntag braucht. Dazu gehört, auch auf unvorhersehbare Situationen schnell und richtig zu reagieren. Das wird in der neuen Saison die große Herausforderung für uns sein. Nach Valencia sind wir darauf gut vorbereitet“, fasste der 39-jährige gebürtige Duisburger zusammen. An den drei Testtagen spulte Lotterer insgesamt 774 Kilometer herunter und unterzog damit dem weiterentwickelten Porsche 99X Electric einen echten Härtetest. Im Zeitentableau aller 24 Piloten erreichte Lotterer Platz 17.

Teamkollege Pascal Wehrlein war beim Fahren nicht minder fleissig und drehte an den drei Tagen zusammen 748 Testkilometer. Und scheinbar hat Wehrlein schon ein gutes Gespür für sein neues Arbeitsgerät bekommen, denn der 26-jährige Deutsche schaffte den Sprung in die Top Ten und schaffte die sechstschnellste Zeit.

Porsche 99X Electric 2020 Test ©Porsche,Hoch Zwei

„Als Neuling im Team war dieser Test für mich sehr wichtig“, sagte Wehrlein. „Ich habe ein noch besseres Gefühl für das Auto bekommen und konnte verschiedene Dinge auszuprobieren. Wir haben in Valencia ein umfangreiches Programm abgearbeitet, was mir sehr entgegenkam.

Ich kenne die Formel E zwar schon, doch jedes Team arbeitet anders. Darauf muss ich mich als Fahrer einstellen. Generell haben wir alles, um erfolgreich zu sein. Doch um Rennen zu gewinnen – was in der neuen Saison das erklärte Ziel ist – müssen wir einen gemeinsamen Weg finden, um das Maximum aus unseren Möglichkeiten herauszuholen und am Renntag alles auf den Punkt zu bringen. Eine spannende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, sprühte der Porsche-Neuzugang vor Optimismus.

Audi:

Das Audi-Team ist bereit für den Saisonauftakt. Drei Tage lang haben Lucas di Grassi und Rene Rast in Valencia wertvolle Daten gesammelt und an der Abstimmung ihres neu entwickelten Audi e-tron FE07 gefeilt. Der neue Antriebsstrang wurde dabei erstmals in Eigenregie entwickelt.

Rast und di Grassi,Formula E, Valencia Test 2020 ©Audi

Das brasilianisch-deutsche Duo absolvierte dabei insgesamt 889 Runden, im Zeitentableau waren beiden Audi-Piloten im hinteren Feld zu treffen. Rast kam auf Position 20, di Grassi musste sich mit dem letzen Platz aller 24 Fahrer begnügen.

„Berlin fühlte sich wie mein Vorstellungsgespräch an“, sagte Rast nach seinen ersten gemeinsamen Testfahrten mit der Formel E. „Es war alles neu. Die ersten drei Rennen haben sich wie ein Punchingball angefühlt und ich habe gelernt, was die Formel E auf die harte Tour ist. Diese Rennen waren für mich entscheidend, um bereit zu sein und alle nützlichen Erkenntnisse in die nächste Saison mitzunehmen“, sagte der DTM-Champion von 2020.

Die Strecke in Valencia ist nicht repräsentativ für die Stadtkurse, die im Rennkalender der Formel E auftauchen. Daher war es allen Teams wichtig, ihr eigenes Testprogramm zu absolvieren und ihre Hausaufgaben durchzuführen.

René Rast,Formula E, Valencia Test 2020 ©Audi

Die Mega-Schlagzeilen am Montag schrieb Audi, als der Hersteller mit den vier Ringen ihren Rückzug nach der siebten Saison bekanntgaben. „Dafür gibt es Gründe, die wir alle akzeptieren“, sagte Rast. Der Deutsche, der seine erste volle Formel-E-Saison in Angriff nimmt, nahm den Rückzug Audis mit Galgenhumor auf.

„Es ist nicht das erste Mal, dass ein Programm während meiner Zeit beendet wird, ich amüsiere mich darüber“, sagte Rast, der damit auch Audis Ausstieg aus der DTM anspielte.

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