Zum Inhalt springen

DTM: Nico Müller wahrt Titelchance, die Stimmen aus Hockenheim

Nico Müller,DTM Hockenheimring, 2020 ©DTM

Nico Müller hat mit einem hart erkämpften Sieg im ersten der beiden Finalrennen auf dem Hockenheimring seine Chance auf seinen ersten DTM-Titel gewahrt.

„Das Rennen war megaspannend“, bestätigte Sieger Müller. „Ich habe es im Auto genossen, obwohl sehr viel auf dem Spiel stand“, so der Schweizer.

Titelverteidiger Rene Rast wurde Zweiter und geht mit 13 Punkten Vorsprung in das alles entscheidende letzte Rennen (Sonntag ab 13 Uhr live auf SAT.1).

„Ich hoffe, den Fans daheim vor den Bildschirmen hat das Spektakel genauso gefallen“, meinte der Abt-Pilot. „Ich bin sehr glücklich, dass ich auf der Ziellinie das bessere Ende für mich hatte. Es war ein Tag, wie wir ihn gebraucht haben.

Das Team hat dabei eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Nach dem zweiten Safety-Car wussten wir nicht genau, ob es noch vier oder fünf Runden gehen würde. Sie haben mir gesagt, dass es extrem knapp wird und ich ganz genau hinsehen sollte. Zu wissen, dass es die letzte Runde ist, war heute sehr wichtig“, erklärte der 28-Jährige.

Müller gegen Rast,DTM Hockenheimring, 2020 ©DTM,Audi

Knallhartes Titelduell mit dem besseren Ende für Müller

Müller und Rast lieferten sich ein knallhartes Titelduell. Die beiden Audi-Piloten schenkten sich nichts, lieferten sich im 15. und vorletzten Saisonrennen in Hockenheim einen nervenaufreibenden Zweikampf um den Sieg – letztlich setzte sich Müller hauchdünn gegen Rast durch.

Mit 48 Tausendstelsekunden Vorsprung sicherte sich Rast die Pole-Position, Müller gelang von Platz zwei der bessere Start und ein Überholmanöver in der ersten Kurve, bei dem Rast von der Strecke gedrängt wurde.

Es war nur ein Vorgeschmack auf den weiteren Rennverlauf, in dem sich die beiden Audi-Piloten immer wieder gegenseitig überholten und mehrmals leicht berührten.

Nach dem Pflichtstopp zum Reifenwechsel fiel Rast kurzzeitig auf Platz vier zurück, doch der 34-Jährige kämpfte sich eigenständig bis ans Müller-Heck zurück. Rast wollte alles in die letzte Runde legen, doch er verpasste die Anzeige der letzten Runde – und dann kam auch schon die Zielflagge, ohne das Rast die geplante Attacke durchführen konnte, was den Mindener nicht nur überraschte, sondern auch ärgerte. Am Ende überquerte Müller die Ziellinie 0,622 Sekunden vor Rast als Sieger.

„Ich denke, wir hätten gewinnen können, hätte ich gewusst, dass es die letzte Runde ist“, ärgerte sich Rast ein wenig. „Als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe ich auf die Anzeige geschaut. Die sagte: noch zwei Runden.

Ich wollte mir den Angriff mit Push-to-Pass und DRS für die letzte Runde aufheben und war schockiert, dass das Rennen vorbei ist. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist – aber das hat uns heute den Sieg gekostet“, sagte der Titelverteidiger achselzuckend.

Audi-Boss Dieter Gass zeigte sich begeistert ob des Duells seiner beiden Schützlinge.“Das war ein unglaubliches Rennen“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Der Kampf zwischen Nico und Rene war hart und das eine oder andere Mal vielleicht etwas am Limit, aber aus meiner Sicht noch okay.

Für das morgige Finale war es ein perfektes Ergebnis. Die Meisterschaft ist weiter offen. Rene und Nico können beide noch immer den Titel gewinnen. Ich freue mich sehr auf einen weiteren Kampf wie diesen morgen“, freut sich Gass auf das entscheidende Rennen am Sonntag.

DTM Hockenheimring, 2020 ©DTM

Rast immer noch im Vorteil

Rast führt mit nun 325 Punkten vor Müller mit 312 Zählern, kann im letzten Rennen aus eigener Kraft Meister werden und seinen Titel verteidigen.

Während Jamie Green und Loic Duval  mit den Plätzen drei und vier Audi einen Vierfacherfolg bescherten, war der Südafrikaner Jonathan Aberdein als Fünfter bester BMW-Pilot. Mit Rang sieben hat sich der Niederländer Robin Frijns (Audi) endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet.

Rasts Teamkollege Jamie Green wurde Dritter. Zwischenzeitlich schien es, als wenn der Brite Rast, seinem Teamkollegen zur Hilfe eilen könnte, immerhin schloss der 38-Jährige zur Spitze auf. 

„Das war ein sehr gutes Rennen“, sagte Green, der sein erstes Podium seit dem Saisonstart in Spa erzielte. „Wer in Führung lag, konnte sich nicht absetzen. Es gab vor mir viele Überholmanöver und es war cool, das anzusehen. Ich konnte vor dem zweiten Safety-Car zu Rene und Nico aufschließen, wollte aber kein Party-Crasher sein“, so der Rosberg-Pilot.

Sheldon vasn der Linde Hockenheim ©BMW

Zwei Restarts nach Safety-Car-Phasen ohne Überraschungen

Zweimal musste das Safety-Car ausrücken. Gleich beim Start berührten sich Marco Wittmann (BMW) sowie Robert Kubica (BMW) und Harrison Newey (Audi) – für Wittmann und Newey endete das Rennen bereits in Kurve eins. Später verabschiedete sich noch Timo Glock (BMW) in der Sachs-Kurve ins Kiesbett, abermals musste das Safety-Car ausrücken.

Für die Restarts rückte das Feld wieder dicht zusammen in die obligatorische Indy-Formation, Überraschungen blieben aber aus.

Jonathan Aberdein hat als bestplatzierter BMW-Pilot das Rennen auf Platz fünf beendet. Aberdein, der im Qualifying die drittschnellste Zeit eingefahren hatte, musste nach einer Strafversetzung von Position sechs ins Rennen gehen und lag lange Zeit im hinteren Teil des Feldes in Lauerstellung.

Nach der zweiten Safety-Car-Phase kurz vor Rennende gelang ihm jedoch der Sprung nach vorn. Der Südafrikaner kam als Sechster ins Ziel und rückte nachträglich aufgrund einer Strafe für Mike Rockenfeller (Audi) noch vor auf Rang fünf. 

Robert Kubica schaffte im BMW-Kundenteam ART Grand Prix Platz acht und damit erneut eine Top-Ten-Platzierung.

Vielversprechend sah es lange Zeit für Sheldon van der Linde aus, der vom vierten Startplatz zunächst Kontakt zur Spitze hielt, gegen Rennende aber zurückfiel. Eng verteidigte indes das gesamte Rennen über seine Position in den Top-Ten und überquerte die Ziellinie am Ende als Neunter.

Insgesamt spielten die Münchner nur die zweite Geige in Hockenheim, Audi zeigte wie schon die ganze Saison über eine dominierende Performance.

Hier weitere Stimmen aus dem Audi- und BMW-Lager:

Jens Marquardt (BMW):
„Ein ereignisreiches Rennen, das muss man wirklich sagen. Nach dem Qualifying heute morgen mit den kalten Temperaturen waren wir eigentlich ganz gut aussortiert, mit den Autos auf den Positionen vier, fünf und sechs.

Aber man hat schon am Anfang des Rennens gesehen: Das wird ein echter Kampf mit dem Reifenleben. Es tut mir für Jonathan Aberdein und Sheldon van der Linde wirklich leid, weil sie ein besseres Rennresultat verdient hätten als die Plätze fünf und zehn.

Dass wir Philipp Eng noch davor platzieren konnten, ist sicher positiv, aber da hat natürlich auch das Safety Car einiges durcheinandergewirbelt. Man merkt einfach, dass es bei den kalten Temperaturen schwierig ist, die Reifen am Leben zu halten.

Daher haben wir hier das Maximum herausgeholt. Morgen müssen wir sehen, dass wir im Qualifying weiter vorne sind. Dann geben wir noch einmal Vollgas.“

Markus Duesmann, Vorstandsvorsitzende von Audi:

„Es war eine tolle Show, die unsere Fahrer heute geboten haben, ich freue mich riesig auf das Finale morgen.“

Robin Frijns, Audi:

„Mein Qualifying war schlecht und im Rennen war ich zu langsam. Mit einem frühen Reifenwechsel bin ich weit nach vorn gekommen, aber meine Reifen waren zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende.“

Marco Wittmann (BMW):

„Ich hatte einen guten Start und konnte vor der ersten Kurve zwei, drei Positionen gutmachen. Dann habe ich hinten links einen Schlag abbekommen, der mich nach links weggedreht hat, und bin zusammen mit Harrison Newey in die Bande eingeschlagen.

Der Schlag kam total unerwartet. Deshalb muss ich mir erst mal auf den TV-Bildern anschauen, was überhaupt passiert ist. Aber es ist natürlich sehr schade, dass das Rennen für mich schon so früh zu Ende war.“
 
Timo Glock (BMW):
„Der Start war wirklich gut, ich konnte Plätze gewinnen. Nach dem Re-Start war ich sogar um die Top-Sechs platziert. Ich habe mich am Anfang gut gefühlt, aber dann hat mein Reifen eigentlich ziemlich schnell abgebaut.

Das Auto war nicht wirklich in der Balance, einfach vom Reifen her. Ich hatte so viel Graining, dass ich nichts machen konnte. Und am Ende mit dem zweiten Reifensatz ging gar nichts. Das war derselbe Reifensatz, den wir auch im Qualifying aufgezogen hatten, der leider überhaupt nicht funktioniert hat.

Wir hatten im ganzen Stint null Grip. Dann hat das Auto angefangen, vorne links extrem zu springen und ist nicht mehr wirklich um die Kurve gefahren, speziell in allen Rechtskurven. Und das Auto hat einfach extrem gepumpt auf der Bremse, und irgendwann habe ich das Auto in die Sachs-Kurve nicht verzögern können, und dann ging es geradeaus ins Kiesbett.“
 
Lucas Auer (BMW):
„Die letzten Rennen waren generell schwierig. Im Qualifying heute war die Balance gut, wir müssen uns aber noch genau anschauen, wie wir uns generell verbessern können. Es war das vorletzte DTM-Rennen mit dieser Generation von Autos, und ich versuche, das alles zu genießen.“
 
Philipp Eng (BMW):
„Das Qualifying war super, obwohl ich mit Abstand das langsamste Auto auf der Geraden bin. Das müssen wir uns wirklich für morgen ansehen, denn die Balance und das Set-up des Autos waren perfekt.

Mir stand das vielleicht beste Qualifying-Auto zur Verfügung, das ich je hatte in dieser Saison. Im Rennen war es dann natürlich schwer mit dem Top-Speed-Nachteil den ich hatte, auch gegenüber meinen BMW Fahrerkollegen.

Ich habe, glaube ich, das Beste herausgeholt. Am Ende gab es dann einen super Strategie-Call, als ich während der Safety-Car-Phase an die Box kam – und wir trotz allem keinen Platz verloren haben.“
 
Jonathan Aberdein (BMW):
„Ein wirklich interessantes Rennen, das muss ich schon sagen. Leider habe ich eine unglückliche Grid-Strafe bekommen und wurde auf Platz sechs zurückversetzt.

Es gab einige harte Momente im Rennen, bei denen ich einige Positionen verloren habe und mich zurückkämpfen musste. Aber alles in allem war es eine starke Performance.

Leider habe ich am Ende zwei Positionen verloren, denn ich denke, Platz vier wäre sicher möglich gewesen. Dennoch war es insgesamt ein gutes Resultat.“
 
Sheldon van der Linde (BMW):
„Es gibt nicht viel zu sagen zu diesem Rennen. Der Start war wirklich gut, der Re-Start auch. Ich lag auf Platz drei. Jamie Green hat mich dann später im Rennen überholt. Dann gab es ein weiteres Safety Car.

Nach dem zweiten Re-Start bin ich wie auf Eis gefahren. Wir müssen in die Daten schauen, ich will jetzt nicht vorschnell etwas dazu sagen, aber sicher ist, dass etwas nicht gepasst hat. Ich hatte null Grip. Wir sind in zwei Runden von Rang vier auf zehn zurückgefallen. Wie dem auch sei, weiter geht’s.“
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweikampf vom Start bis ins Ziel: Mehrere Führungswechsel, mehrere Kontakte

Rast versus Müller – das Duell prägte den gesamtebn Samstag. Rast eroberte am kühlen Morgen seine sechste Pole-Position, Müller war nur unwesentlich langsamer und stellte seinen weiß-grünen Audi neben das rot-weiße Pendant von Rast in die erste Startreihe. Heiß wurde es dann im Rennen. Beide Kontrahenten schenkten sich nichts, lieferten sich über die gesamte Distanz einen erbitterten Zweikampf, teils mit Haken und Ösen. Müller gewann beim Start den Sprint zur ersten Kurve, war neben Rast – und beide Audi berührten sich zweimal, so dass Rast ausweichen musste und Müller sich an die Spitze setze. Mehrfach wechselte die Führung durch taktisch klug ausgeführte Manöver, aber auch mit der weiteren Berührungen. Das Duell wurde hart geführ, aber letztlich fair.

Zwischenzeitlich schien es, als wenn Jamie Green Rast, seinem Teamkollegen aus dem Audi Sport Team Rosberg, zur Hilfe eilen könnte, immerhin schloss er zur Spitze auf. Nach dem Pflichtstopp zum Reifenwechsel fiel Rast kurzzeitig auf Platz vier zurück, doch der 34-Jährige kämpfte sich eigenständig bis ans Müller-Heck zurück. Rast wollte alles in die letzte Runde legen, doch er verpasste die Anzeige der letzten Runde – und dann kam auch schon die Zielflagge, ohne das Rast die geplante Attacke durchführen konnte, was den Mindener nicht nur überraschte, sondern auch ärgerte. Müller, Rast und Green überquerten die Ziellinie innerhalb einer Sekunde.

 

Aber erst einmal steht am Sonntag die Titelentscheidung im Fokus. Rast oder Müller – das ist die alles entscheidende Frage am Sonntagnachmittag (Start: 13:30 Uhr, live auf SAT.1 ab 13:00 Uhr).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: