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DTM: Rene Rast lässt Feuer am Start kalt, Hitchcock-Krimi in der Meisterschaft

Rene Rast gewinnt Start DTM 2020, Zolder I ©Audi

Rene Rast sorgt für Hochspannung in der DTM. Zweimal siegte der Titelverteidiger im belgischen Zolder in absoluter Meistermanier und rückte Tabellenführer Nico Müller gehörig auf die Pelle.

„Das war ein verrücktes Rennen, in dem viele Dinge passiert sind“, schmunzelte Rast.
„Das Feuer in der Startaufstellung“, so der Mindener. Vor dem Rennen schlugen wegen einer Verpuffung plötzlich Flammen aus dem Motorraum seines Audi RS 5 DTM. „Das hat mir schon Sorgen bereitet“, gestand Rast nachher ein. Bange Momente für das Rosberg-Team.

Doch Rast schaffte es, das Rennen zu starten und legte los wie die Feuerwehr. Nicht um seinen Schwellenbrand zu löschen, sondern die Konkurrenz nass zu machen.

Rene Rast,DTM 2020, Zolder I ©Audi

Aus der zweiten Startreihe legte der Audi-Pilot einen Raketenstart hin und quetschte sich mitten durch zwischen Pole-Setter Timo Glock und Sheldon van der Linde (beide BMW). „Am Start von drei auf eins noch vor der ersten Kurve. Das Safety-Car. Wir haben heute die richtigen Entscheidungen getroffen und hatten erneut ein perfektes Auto“, bewies der 33-Jährige Nervenstärke.

Die Entscheidung des Rosberg-Teams, Rast in Runde zwölf zum Reifenwechsel an die Box zu holen, erwies sich als goldrichtig. Nur eine Runde später kam das Safety-Car auf die Strecke.

Titelaspirant Robin Frijns crasht die Leitplanken

Was war geschehen? Titelaspirant und Markenkollege Robin Frijns, der in der Anfangsphase von Startplatz acht bis auf Platz drei nach vorne eilte, patzte nach seinem Reifenwechsel in der Boxenausfahrt. Der Niederländer unterschätzte die noch kalten Reifen auf der noch feuchten Stelle ausgangs der Ausfahrt und prallte gegen die Leitplanken.

Das bittere Aus für den Abt-Piloten, der seinen Faux-Pas ganz offen zugab. „Das war ganz alleine mein Fehler, der mir für mich, vor allem aber auch für mein Team sehr leidtut“, ärgerte sich Frijns. „Der Ausfall tut weh, aber noch werden über 100 Punkte vergeben – es ist weiter alles möglich“, gibt sich der Niederländer kämpferisch.

Noch ist nichts für Frijns und Teamkollege Müller verloren, doch Rast nutzte mit seinem vierten Saisonsieg eiskalt die kleine Schwächeperiode des Abt-Teams. „Ich habe immer gesagt, dass ein oder zwei Rennen alles entscheiden und sich die Dinge ganz schnell wieder drehen können“, so Rast. „Man hat heute gesehen, was alles passieren kann“, fügt der Titelverteidiger hinzu. Der Rosberg-Pilot hat nur noch zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer Nico Müller, ein Hitchcock-Krimi könnte nicht spannender sein.

Tabellenführer Nico Müller nach Safety-Car chancenlos

Das Safety-Car sorgte nämlich dafür, dass Frijns Teamkollege Müller nicht mehr um den Sieg eingreifen konnte. All jene Fahrer waren nämlich chancenlos, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der Box gewesen waren – darunter eben auch Tabellenführer Müller.

„Rene und Mike (Rockenfeller) haben die Boxentafel bekommen, noch ehe Gelbe Flaggen draußen waren“, grollte Müller nach seinem enttäuschenden neunten Platz. „Die beiden hatten das Glück, noch vor dem Safety-Car zu stoppen“, so der Schweizer.

Der Frust saß tief beim Tabellenführer, der sich besonders über die Rennleitung aufregte. „Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass bei einem Safety-Car-Risiko alle Piloten im Feld die Chance erhalten, die Box anzusteuern, um für Fairness zu sorgen und keiner bevorteilt wird“, sagte Müller auf Nachfrage von ‚bildpresse2010.blog‘, weshalb er nicht rechtzeitig zum Reifenwechsel die Abt-Box aufsuchte.

Müller spricht damit das Samstagsrennen auf der Nürburgring-Sprintstrecke an, als das Safety-Car nach Loic Duvals Ausritt sehr spät erst ausrückte, sodass unter anderem Rene Rast noch rechtzeitig zum Pflichtboxenstopp hereinkommen konnte. „Das hat mich heute mindestens 13 Punkte gekostet und kann die Meisterschaft entscheiden“, erzürnte sich der Abt-Pilot.

Nico Müller,DTM 2020, Zolder I ©Audi

Trotz der mageren Punkteausbeute des Abt-Teams in Zolder schaffte es die Truppe um Thomas Biermeier vorzeitig die Teammeisterschaft nach Kempten zu holen. „Das war für uns ein harter Tag, und wir sind heute sehr enttäuscht“, sagte Biermaier. „Ich bin trotzdem sehr stolz, dass wir schon vier Rennen vor Schluss die Teammeisterschaft gewonnen haben. Die Mannschaft hat das ganze Jahr eine tolle Leistung gezeigt. Und jeder, der uns kennt, weiß: Wir werden stark zurückkommen“, so der bayerische Teamchef.

Mike Rockenfeller macht seine Kinder happy

Im Schatten des dramatischen Titelkampfes sorgte Audi-Pilot Mike Rockenfeller mit Platz Zwei für sein bisher bestes Saisonergebnis. „Ein zweiter Platz ist gut und ich freue mich über den Pokal, den ich mit nach Hause zu meinen Kindern nehmen darf“, sagte „Rocky“.

Mike Rockenfeller,DTM 2020, Zolder I ©Audi

Der DTM-Champion von 2013 legte beim Start ähnlich los wie Rast und schob sich hinter Rast auf Platz zwei. Doch dem davoneilenden Rast konnte auch Rockenfeller nicht aufhalten. Die ausschlaggebende Rennphase war für den Phoenix-Piloten das Safety-Car.

„Natürlich war es heute entscheidend, vor dem Safety-Car an die Box zu kommen“, sagte Rockenfeller, der seinem Team ein Extralob erteilte. „Da haben wir alles richtig gemacht, danke an mein Team. Nicht ganz happy bin ich, dass ich nicht mit Rene mithalten konnte. Ich glaube, wir wissen, wo wir uns verbessern müssen, und hoffe, nächstes Wochenende näher an ihm dran zu sein“, so der 36-Jährige.

Dieter Gass nicht rundum zufrieden

„Das war auch heute wieder ein erfolgreicher Tag für Audi“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Ein Doppelsieg ist ein sehr gutes Ergebnis. Vor allem, nachdem wir erstmals seit langer Zeit kein Auto in der ersten Startreihe hatten. Nach 20 Pole-Positions in Folge ist uns das heute nicht gelungen. Trotzdem einen Doppelsieg zu schaffen, ist toll“, so Gass.

Und dennoch sah Gass einige Unzulänglichkeiten bei seinen Schützlingen. „Insgesamt bin ich aber nicht hundertprozentig zufrieden. In den Audi-Reihen habe ich heute etwas zu viele Fehler gesehen, das müssen wir bis zum nächsten Rennen verbessern“, sagte der Audi-Verantwortliche.

Dagegen Riesenjubel in Audis Kundenteam WRT Team. Mit Fabio Scherer, Harrison Newey und Ferdinand Habsburg auf den Plätzen fünf, sechs und sieben punktete das belgische Privatteam bei seinem Heimspiel in Zolder mit allen drei Autos. Für Scherer waren es überhaupt die ersten Punkte in der DTM.

Fabio Scherer,Wrt,DTM 2020, Zolder I ©WRT

„Es war ein wirklich gutes Wochenende, und ich freue mich sehr für die Mannschaft“, jubelte Scherer. „Die Qualifying-Sessions mit dem Regen waren nicht einfach, wir hatten eine neue Pace-Abstimmung, die auf trockener Strecke gut funktionierte, aber weniger auf nasser.

Ich hoffe, wir können es nächste Woche voll nutzen. Dennoch war das Rennen heute ausgezeichnet, mit diesem 5.-6.-7. Ergebnis, das die Mannschaft für so harte und gute Arbeit belohnt. Es war dieses Jahr nicht leicht für das Team, mit zwei Neulingen, während andere Teams Fahrer haben, die manchmal schon seit zehn Jahren dabei sind, aber es beginnt zu funktionieren“, zeigte sich der Schweizer erleichtert ob seiner ersten Platzierung in den Top Ten.

Am kommenden Wochenende stehen erneut in Zolder zwei weitere DTM-Rennen auf dem Programm. Ob da der Hitchcock-Krimi fortgeführt wird…

 

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