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DTM: Frijns und Rast machen Meisterschaft spannend, Technikteufel kostet Müller den Sieg, die Stimmen

Robin Frijns,DTM Nürburgring 2020 ©DTM,Hoch Zwei

‚Der fliegende Holländer‘ Robin Frijns hat eine Woche nach seinem DTM-Premierensieg in Assen erneut zugeschlagen. Am Nürburgring gewann der Niederländer vor Rene Rast und Mike Rockenfeller.

Der Abt-Pilot profitierte von einem Technikproblem seinen Teamkollegen Nico Müller, der lange Zeit des Rennens in einer eigenen Liga fuhr.

„Der Sieg heute fühlt sich ganz anders an als der in Assen“, sagte der Niederländer. „Du willst eigentlich nicht gewinnen, weil jemand vor dir ein technisches Problem bekommt. Das war heute leider bei Nico (Müller) der Fall. Trotzdem ist es ein Sieg.

Ich hatte schon gestern ein schnelles Auto. Heute waren Nico und ich am Anfang gleich schnell. Der Abstand blieb gleich. Nachdem er das Problem bekam und ich ihn überholt habe, war es für mich ganz einfach. Ich konnte mich darauf konzentrieren, meine Reifen zu schonen, und hatte alles unter Kontrolle“, fasste Frijns seinen zweiten DTM-Erfolg zusammen.

Start DTM Nürburgring 2020 ©DTM

Der Technikteufel schlug jedoch beim Schweizer erstmals in dieser Saison zu. Ein Temperatursensor bremste den Tabellenführer ein, der nach seinem Boxenstopp bis auf Platz fünf durchgereicht wurde.

Für Robin Frijns und Rene Rast kam das Malheur Müllers im Hinblick auf den Titelkampf zur rechten Zeit, um Boden gut zu machen.

Denn nach der One-Müller-Show am Samstag war auch am Sonntag zu befürchten, dass der Abt-Pilot alles in Grund und Boden fährt. Im Qualifying setzte sich Müller zum zweiten Mal an diesem Wochenende souverän durch, legte die Bestzeit hin.

Doch nach dem Reifenwechsel in Runde elf wurde Müller an der Spitze plötzlich immer langsamer, weil an seinem Auto die Ladelufttemperatur anstieg. „Offenbar ein Sensorproblem“, sagte der Schweizer. „Die Folge war jedenfalls ein ziemlich großer Leistungsverlust, der gegen Rennende immer schlimmer wurde. Ich habe nur gehofft, ins Ziel zu kommen, denn ein Ausfall hätte heute sehr wehgetan.

Zum Glück haben wir die Flagge gesehen. Leider war das Rennen zwei, drei Runden zu lang, sonst hätte es sogar noch zu einem Podium gereicht“, resümierte der Jungvater.

Von Müllers Pech profitierte auch Titelverteidiger Rene Rast als Zweiter. „Auch wenn es wieder nur ein zweiter Platz ist, so ist es doch ein gutes Ergebnis“, sagte der Rosberg-Pilot. „Positiv ist, dass wir schneller waren als gestern und ich meine Reifen gut managen konnte. Das stimmt mich zuversichtlich für das nächste Wochenende, denn wir wissen jetzt, in welche Richtung wir gehen müssen“, hofft Rast die beiden Abt-Piloten weiter unter Druck setzen zu können.

Ex-Meister Mike Rockenfeller (Audi) konnte beim Heimspiel seines Phoenix-Teams erstmals in dieser Saison auf das Siegespodest klettern- Platz drei. „Endlich kann ich meinen Kindern wieder einen Pokal mit nach Hause bringen“, sagte „Rocky“.

Mike Rockenfeller,DTM Nürburgring I 2020 ©Audi

„Ich freue mich auch für die Jungs in meinem Team, die schon das ganze Jahr extrem hart arbeiten. Nach dem Boxenstopp hatte ich sogar die Chance, Rene zu attackieren.

Aber das Überholen ist nicht einfach, und ich habe meine Reifen dabei etwas zu stark beansprucht. Ohne Nicos Problem wäre es heute ein vierter Platz geworden. Trotzdem freue ich mich über den Pokal“, so der Wahlschweizer.

Audi-Motorsportboss Dieter Gass zeigte sich sehr zufrieden mit seinen Schützlingen- wieder ein Fünffacherfolg für die Ingolstädter. „Wir hatten nach dem Qualifying heute erstmals in dieser Saison alle sechs Werksautos auf den ersten sechs Startplätzen, das war eine starke Leistung“, gab sich Gass zufrieden.

„Im Rennen lagen fünf Audi vorne, der sechste auf Platz sieben – das ist insgesamt ein sehr gutes Ergebnis und ein toller Start für uns in die zweite Saisonhälfte. Ich freue mich mit Robin über seinen zweiten Sieg in der DTM. Für Nico tat es mir heute leid. Er hatte ein Problem am Auto, das Leistung gekostet hat. Aber er ist ruhig geblieben und hat wertvolle Punkte gesammelt“, bilanzierte Gass.

Meisterschaft bleibt offen

In der Fahrermeisterschaft schrumpfte Müllers Vorsprung auf seinen Teamkollegen Frijns auf 29 Punkte. Rast liegt weitere 17 Punkte zurück auf Tabellenrang drei.

In der Teamwertung baute das Audi Sport-Team Abt Sportsline seine Führung weiter aus. In der Herstellermeisterschaft hat Audi nach zehn Rennen 400 Punkte Vorsprung auf BMW und könnte sich den Herstellertitel schon am kommenden Wochenende beim zweiten Event auf dem Nürburgring vorzeitig sichern.

Audi-Kundenteam WRT: ein Wochenende zum Vergessen

Für Fabio Scherer, Harrison Newey und Ferdinand Habsburg vom Audi-Kundenteam WRT verlief das Rennwochenende in der Eifel nicht nach Plan. Keine Punkte für die drei WRT-Piloten.

Wobei beim Samstagsrennen Habsburg im Qualifying mit Platz sechs aufhorchen ließ. Da der Österreicher eine Startrückversetzung um fünf Positionen aufgebrummt bekam, musste der Audi-Pilot von Startplatz elf ins Rennen gehen.

Letztendlich reichte es nur zu Platz 13. „Das Positive ist, dass wir in der Lage sind, gute Starts und sehr gute Sektoren in der Qualifikation zu absolvieren“, so der Salzburger. „Darauf müssen wir aufbauen, uns verbessern und nach vorne schauen“, sagte Habsburg.

Nicht besser erging es Newey, der über die Plätze 14 und 13 nicht hinauskam. „In Rennen 1 sah es so aus, als würden wir ein gutes Finish haben, aber dann gab es beim Boxenstopp ein unglückliches Problem mit einer Radmutter“, so Newey.

„In Rennen 2 hatten wir, obwohl wir von der Box aus starteten, eine ordentliche Pace, und dann beging ich einen Fahrfehler und bekam eine 5-Sekunden-Strafe. Ich hoffe, wir können nächste Woche stärker zurückkommen“, hofft der Brite auf Besserung.

Für den Schweizer Scherer lief am Wochenende gar nichts zusammen. Nicht nur technische Probleme machten Scherer zu schaffen, ein Ausritt am Ende des Schumacher-S hätte böse enden können.
„Es ist schwer zu sagen, was die positiven Seiten dieses Wochenendes waren“, so der WRT-Pilot. „Wir hatten während der gesamten Sessions Mühe, die Vorderreifen richtig zum Laufen zu bringen, und das ist uns nie gelungen. Wir hatten schreckliches Untersteuern“, erklärte der DTM-Rookie.

BMW: Nebendarsteller am Nürburgring, Sheldon van der Linde bester BMW-Pilot

Aus dem BMW-Lager zeigte der Südafrikaner Sheldon van der Linde die beste Leistung. Der Sieger vom Sonntagsrennen in Assen vor einer Woche überquerte die Ziellinie als Sechster und war damit bester Pilot eines BMW M4 DTM.

Sheldon van der Linde,DTM Nürburgring 2020 ©BMW

Gegen die Audi-Dominanz hatten die Münchner nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Das Qualifying ist die Achillesferse. BMW war bei den Audi-Festspielen leider nur Nebendarsteller. „Persönlich bin ich sehr glücklich“, sagte van der Linde nach dem Rennen, der von Startplatz sieben ins Rennen gegangen war.

„Ich denke, heute war es aus taktischer Sicht und aufgrund meiner Pace ein perfektes Rennen. Mein Start war nicht gut, ich habe zwei Positionen verloren, aber am Ende der Runde gleich wieder gutgemacht.

Ich bin glücklich über die Punkte, die ich heute mit Platz sechs und als bester BMW Fahrer geholt habe. Danke dafür an mein Team. Es tut dennoch weh, drei Audi auf dem Podium zu sehen. Wir müssen zusehen, die Lücke zu ihnen zu schließen, denn ich will bald wieder auf dem Podest stehen“, hofft der 21-jährige Südafrikaner auf Besserung.

Die Markenkollegen Timo Glock, Philipp Eng und Jonathan Aberdein hatten sich unterhaltsame Positionskämpfe im Mittelfeld geliefert, allerdings ohne zur Audi-dominierten Spitzengruppe aufschließen zu können.

Immerhin schafften neben van der Linde mit Jonathan Aberdein, Marco Wittmann und Philipp Eng, die geschlossen auf den Plätzen acht bis zehn ins Ziel kamen, drei weitere BMW-Piloten die Top Ten.

„Es ist ein bisschen enttäuschend, weil wir das ganze Wochenende Probleme mit der Kupplung hatten, und diese auch von gestern auf heute nicht gewechselt haben, was zu identischen Problemen am Start führte“. zeigte sich Wittmann, der am Samstag noch einen Podiumsplatz mit Platrz drei erzielte, enttäuscht.

„Es ist generell schwierig, wenn du am Start drei Plätze verlierst, diese wieder aufzuholen. Letztlich konnten wir uns ganz gut zurückkämpfen. Aber mit einem besseren Start wäre mehr drin gewesen, denn unsere Pace war generell okay“, sagte der Franke.

Bei Timo Glock, der als Vierzehnter ins Ziel kam, herrscht Ratlosigkeit. „Es war generell ein schwieriges Rennen für uns“, so Glock. „Ich weiß nicht genau, woran es lag. Wie gestern hing ich wieder ein paar Runden hinter Philipp Eng fest und habe ihn dann überholt.

Später hat er sich wieder an mir vorbeigeschoben. Ich weiß nicht, warum die Reifen so stark abgebaut haben. Wir müssen uns anschauen, woran es gelegen hat und was wir machen können, um uns zu verbessern“, erklärte der Deutsche.

Hier weitere Stimmen aus dem BMW-Lager:

 Jens Marquardt (BMW Group Motorsport Direktor):
„Das war ein schwieriges Rennen nach einem schwierigen Qualifying. Von den Startplätzen, auf denen wir standen, war es natürlich im Rennen ein hartes Stück Arbeit. Wir mussten bei der Strategie etwas probieren.

Sheldon van der Linde hat das wirklich gut gemacht und war an den Audis dran, aber es ist eben ein Unterschied, ob man dranbleibt oder überholen kann. Man macht sich beim Hinterherfahren unglaublich schnell die Reifen kaputt.

Hinter Sheldon hat auch Jonathan Aberdein ein starkes Rennen gezeigt. Schade, dass er am Ende im Duell mit Jamie Green noch eine Position verloren hat. Auch Marco Wittmann und Philipp Eng haben gepunktet, aber leider standen alle auf den falschen Startpositionen.

Wir wollen nicht um die Plätze fünf bis zehn, sondern ums Podium kämpfen. Um das zu schaffen, müssen wir vor allem die Lücke im Qualifying schließen. Alle BMW-Fahrer waren zwar eng beieinander, aber der Abstand zu Audi war größer als am Samstag. Den Grund dafür müssen wir verstehen.

Denn über den Startplatz kommst du ins Rennen rein. Die Renn-Pace passt einigermaßen, der Speed auf eine Runde nicht. Das müssen wir uns anschauen. Gratulation an Robin Frijns zum Sieg.“

Lucas Auer, P11:
„Für uns war es kein gutes Wochenende. Ich habe versucht, ein mögliches Safety Car zu covern. Das Reifenmanagement war gut, aber mit dieser Strategie – und dann ohne Safety Car – das geht sich nicht aus. Aber wir können generell viel verbessern, weshalb es nächste Woche okay sein sollte.“

Philipp Eng ©BMW

Philipp Eng, P10:
„Das Rennen heute war ein bisschen schwieriger als das gestern. Wir hatten generell mehr Untersteuern im Auto. Die Pace war nicht so gut. Aber von der Umsetzung war es okay.“

Jonathan Aberdein, P8:
„Von meiner Seite war das Rennen eigentlich okay. Ich bin von Position acht gestartet und habe diese Position gehalten. Meine Strategie hat gepasst, es hat einfach ein wenig an Pace gefehlt.“

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