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DTM: Sheldon van der Linde macht sie alle nass- Premierensieg in Assen, die Stimmen

Sheldon van der Linde ,DTM Assen 2020 ©BMW,HOCH ZWEI / Thomas Suer

„Ja ist denn heut schon Weihnachten?“, musste sich Sheldon van der Linde nach seinem Meisterstück in Assen gedacht haben.

Der 21-jährige van der Linde feierte völlig unerwartet seinen Premierensieg in der DTM, der erste Sieg eines Südafrikaners überhaupt in der DTM.

„Ein Traum ist wahr geworden“, jubelte der BMW-Pilot, der seine ganzen Emotionen rausschrie. Ein Stein oder gleich mehrere fielen van der Linde vom Herzen, endlich ganz oben auf dem Siegespodest zu stehen.

„Von Platz 14 gestartet und das Rennen gewonnen – eigentlich unglaublich“, so der Südafikaner.

„Es zeigt, dass in der DTM einfach alles möglich ist. Das Wetter hat uns natürlich in die Karten gespielt. Riesendank an das ganze Team und an BMW.

Unsere Truppe hat großartig gearbeitet, auch das Auto hat sich super angefühlt. Assen ist eine gute Strecke, um die Grenzen auszutesten, was hier sehr gut funktioniert hat. Der Restart war ein bisschen tricky, aber wir haben alles im Griff gehabt. Ich bin überglücklich“, zeigte sich der BMW-Pilot glücklich.

Für BMW war es nach dem Desaster vom Samstag – ein Fünffachsieg von Audi- Labsal auf die Wunden.

Reifenpoker der Schlüssel zum Erfolg

Reifen-Casino in Assen war angesagt, van der Linde und sein BMW-Team RBM Fahrer nutzten den Regen und die schwierigen Streckenverhältnisse perfekt aus. Im Qualifying gelang van der Linde nur Platz 14, daher entschieden die Münchner um Teamchef Bart Mampaey den Südafrikaner früh für den Pflichtboxenstopp reinzuholen- und weiter auf Regenreifen zu setzen.

Van der Linde zeigte dank fehlerfreier Fahrt und perfekter Strategie seines Teams eine unfassbare Aufholjagd von Startplatz 14 bis an die Spitze. Während der bis dahin führende Audi-Pilot Robin Frijns und seine hartnäckigen Verfolger Loic Duval, Nico Müller und Rene Rast (alle Audi) erst in Runde 22 die Box ansteuerten, da man im Audi-Lager nicht sicher war, welche Wetterkapriolen sich weiter fortsetzen würde, zog van der Linde bereits nach zehn Runden neue Regenreifen auf- perfekt gepokert und gewonnen.

Van der Linde vor Frijns und Müller ©BMW

Teamchef Bart Mampaey: ‚Dabei etwas gedacht‘

„Wir haben eine alternative Strategie gewählt, uns dabei aber auch etwas gedacht“, verriet Teamchef Bart mampaey. „Wir haben ein komplett nasses Rennen erwartet. Dann hat es während des Rennens abgetrocknet, aber wir haben gesehen, dass das schlechte Wetter zurückkommen würde.

Mit zwei unserer Autos standen wir auf dem Grid weiter hinten. Sie hatten zwar die Pace, sind aber nicht weiter nach vorn gekommen. Sheldon van der Linde ist nach seinem frühen Reifenwechsel dann schnelle Zeiten gefahren und hat die anderen, die nicht auf unsere Strategie reagiert haben, überholt.

Dann kam der Regen zurück, und beim Restart war es noch einmal richtig spannend. Aber ich denke, wir haben das sehr gut gemacht. Die Stopps waren gut, der Reifendruck auch, und Sheldon hat das großartig gemacht. Ich bin sehr glücklich“, so der belgische Teamchef.

Robin Frijns,Audi,DTM Assen 2020 ©Audi

Audi, die bis zum Pflichtboxenstopp alles unter Kontrolle hatten, hatten den Südafrikaner mit seiner alternativen Strategie nicht auf dem Radar. So schauten Frijns & Co nach dem Boxenstopp nicht schlecht, als van der Linde einen Vorsprung von über fünf Sekunden herausfuhr. Auch als der Schweizer Fabio Scherer mit einem heftigen Unfall für einen Rennabbruch sorgte, ließ sich der BMW-Pilot nicht beirren und fuhr seinem ersten Sieg sicher nach Hause.

Timo Glock: bis zum Re-Start ein Feuerwerk abgebrannt

Van der Lindes Markenkollege Timo Glock ließ im Regen gegen die Audi-Übermacht ebenfalls ein Feuerwerk abbrennen. Bis zum Rennabbruch lag Glock dank einer famosen Aufholjagd auf Platz zwei, ehe der Wahlschweizer vom Unfall des Schweizers Scherer eingebremst wurde.

„Im Regen lief es eigentlich ganz gut“, sagte Glock. „Ich hatte ein gutes Gefühl für das Auto, musste nur ein wenig warten, bis die Reifen auf Temperatur kamen. Dann konnte ich aber einen richtig guten Speed gehen und bis auf Platz zwei vorfahren. Bis zur roten Flagge war ich echt happy“, erklärte der BMW-Pilot.

Bei Re-Start verlor Glock allerdings vier Positionen gegenüber der Audi-Armada und musste sich am Ende mit Platz sechs zufriedengeben. „Ich wusste nicht so genau, was um mich herum abläuft und wer schon in der Box war. Vielleicht kann man darüber diskutieren, ob man zu einem anderen Zeitpunkt hätte stoppen können. Aber man wusste nie so richtig, was wettertechnisch passiert.

Deshalb kann ich verstehen, dass man die Strategie gesplittet hat. Beim Restart hatte ich das Problem, dass zu viel Wasser auf der Strecke war, und ich zu viel Gischt hatte. In der Phase habe ich ein paar Plätze verloren. Herzlichen Glückwunsch an Sheldon. Ich freue mich sehr, dass wir für BMW den Sieg einfahren konnten“, fügte  Glock hinzu.

Hier weitere Stimmen aus dem BMW- und Audi-Lager:

Rudolf Dittrich, Leiter BMW):

„Was für ein fantastischer Sieg für Sheldon van der Linde. Glückwunsch an ihn und das BMW-Team RBM zu einer Glanzleistung bei diesen schwierigen Bedingungen.

Der frühe Boxenstopp in Verbindung mit der fehlerfreien Fahrt von Sheldon hat sich perfekt ausgezahlt. Er hatte freie Fahrt und konnte so viel Zeit und Plätze gutmachen. Den Restart hat er als Führender auch extrem souverän hinbekommen und sich den ersten Sieg seiner DTM-Karriere mehr als verdient.

Auch Timo Glock hat ein großartiges Rennen gezeigt. Ihm zuzusehen, wie er im Regen durch das Feld gepflügt ist, war ein großer Genuss. Generell sind unsere Fahrzeuge, Teams und Fahrer mit den heutigen Verhältnissen gut zurechtgekommen und haben sie nahezu fehlerfrei ausgenutzt.

Insgesamt war es schön, in Assen wieder vor Fans gefahren zu sein, mit denen wir jetzt diesen Sieg kurz feiern, bevor es nächstes Wochenende gleich weitergeht.“

Marco Wittmann, P8:

„Es waren heute schwierige Bedingungen. Im ersten Stint hatten wir ein bisschen zu kämpfen, der zweite war deutlich besser. Dann kam das Safety Car, und letztendlich ist es Platz acht geworden.

Das ist natürlich nicht ganz das, was man sich erhofft hat, da man gedacht hat, dass es bei den wechselhaften Bedingungen vielleicht etwas weiter nach vorn geht.

Aber im Endeffekt hat es bei mir an diesem Wochenende etwas an Pace und Performance gefehlt. Wir müssen jetzt schauen, dass wir es nächste Woche am Nürburgring besser machen. Herzlichen Glückwunsch an Sheldon zu seinem ersten Sieg. Bei ihm ist heute alles aufgegangen. Er hatte im zweiten Stint eine mega Pace und hat absolut verdient gewonnen.“

Lucas Auer, P10:

„Das Qualifying lief nicht optimal. Die Änderungen, die wir von gestern auf heute vorgenommen haben, haben sich nicht ausgezahlt. Das müssen wir uns noch mal genauer anschauen.

Aber jetzt noch einen Punkt mitzunehmen, ist definitiv nicht schlecht. Wir müssen schauen, was man noch hätte besser machen können. Insgesamt war es ein schwieriges Rennen, und mit dem Ergebnis können wir recht zufrieden sein.“

Philipp Eng, P9:

„Erst einmal hat es mega Spaß gemacht, bei diesen Bedingungen mit dem Auto auf die Strecke zu gehen. Wir hatten ein wenig Pech, weil wir relativ spät gestoppt haben.

Das war eine alternative Strategie, da wir dachten, dass es eventuell doch noch etwas mehr abtrocknet. Dann hätte es ganz anders ausgesehen. Dann kam noch mal der Regen, der uns natürlich nicht geholfen hat. Trotzdem freue ich mich sehr für Sheldon, für das BMW Team RBM und für BMW. Das war heute ein wichtiger Sieg.“

Jonathan Aberdein, P13:

„Mit Platz sechs hatten wir eine gute Startposition. Im ersten Stint hat es mir ganz offensichtlich an Pace gefehlt. Ich bin nicht ganz sicher, woran es gelegen hat.

Dann kam die rote Flagge, und ich konnte anschließend nicht mehr wirklich Boden gutmachen. Insgesamt war es ein hartes Rennen. Aber ich freue mich riesig für meinen Landsmann Sheldon, der heute seinen ersten DTM-Sieg gefeiert hat.“

Müller vor Rast,DTM Assen 2020 ©Audi

Dieter Gass, Audi-Motorsportchef:

„Es war wieder ein spannendes DTM-Rennen. Mit dem Regen am Start waren es sehr schwierige Bedingungen. Es war nicht ganz sicher, ob die Strecke abtrocknen würde oder weitere Regenschauer kommen würden. Dazu gab es unterschiedliche Informationen.

Wir haben verschiedene Reifenstrategien gesehen. Im Nachhinein war ein früher Stopp heute die glückliche Strategie. Auch der Rennabbruch hat eine Rolle gespielt, denn ich glaube, ohne den Abbruch hätten unsere Fahrer Sheldon am Ende noch geschnappt. Aber that’s racing! Platz zwei, drei, vier und fünf ist insgesamt eine gute Teamleistung. Nun freuen wir uns schon auf den Nürburgring.“

Thomas Biermeier, Audi-Teamchef Abt:

„Ich bin ziemlich happy, beide Fahrer in beiden Rennen auf dem Podium zu haben. Ich glaube, wir können als Team happy sein. Bis zur Roten Flagge haben wir alles richtig gemacht. Um ehrlich zu sein, die Rote Flagge war das Problem. Wir waren ziemlich sicher, Sheldon überholen zu können, um möglicherweise Platz eins und zwei zu erreichen.

Aus Teamsicht und von der Strategie her war eigentlich alles ziemlich OK und gut. Ich bin ziemlich happy über das Wochenende.

Ein Regenrennen von der Box aus zu dirigieren, ist immer schwierig. Es ist schwierig für die Fahrer, auf der Strecke zu bleiben und das Maximum zu geben. Das Gleiche gilt für die Ingenieure und auch für uns. Es gab viel Hektik und viel Kommunikation, die sehr wichtig ist. Es war gut von Nico nachzufragen, ob er in die Box kommen kann. Beide Fahrer haben gute Arbeit geleistet.“

Robin Frijns, P2:

„Nach dem Abbruch waren die Bedingungen sehr gefährlich. Es stand extrem viel Wasser auf der Strecke. Es wäre dumm gewesen, zu viel zu riskieren und den zweiten Platz wegzuwerfen. Mit meinem Sieg gestern und Platz zwei heute ist mir vor meinen heimischen Fans ein tolles Wochenende gelungen.“

Rene Rast, P5:

„Das Rennen verlief aber wieder nicht nach unseren Vorstellungen. Es gab bei diesen Bedingungen viele Entscheidungen zu treffen. Manchmal lagen wir richtig, manchmal nicht.

Dazu hatten wir ein kleines technisches Problem am Auto, das Leistung gekostet hat. Ich habe wieder viele Punkte auf Nico und Robin verloren. Aber wir kämpfen weiter – es kann in dieser Saison noch viel passieren.“

Loic Duval, P4:

„Wir müssen herausfinden, warum wir das Tempo der ersten Runden nicht halten konnten, sonst hätte ich heute locker gewonnen. Als mir mein Team beim Boxenstopp wieder Regenreifen gegeben hat, hielt ich das erst für einen Fehler. Doch es war genau richtig, denn es begann wieder zu regnen.“

Nico Müller, P3:

„Nach einem guten Start war ich hinter Loic und Robin eingeklemmt. Dass ich in der ersten Runde erneut mehrere Plätze verloren habe, war ärgerlich.

Durch die schlechte Sicht im Regen war die Aufholjagd sehr schwierig. Trotzdem ist es mir gelungen, mich auf Platz zwei hinter Robin nach vorn zu arbeiten.

BMW ist mit dem frühen Boxenstopp für Sheldon ein ziemlich smarter Move gelungen. Die Rote Flagge hat ihnen natürlich zusätzlich geholfen. Der dritte Platz ist ein gutes Ergebnis, aber wir haben hier nicht das Maximum herausgeholt. Der Siegeshunger wird definitiv wieder größer.“

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