Zum Inhalt springen

Formel E: Rene Rast vor Mammutprogramm: „Ist wie drei Kinder zu haben“

René Rast (c)GPIceRace

Der Showdown der Formel E rückt näher. In genau einer Woche erfolgt der Restart der Formel-E-Saison in Berlin mit dem ersten von insgesamt drei ‚Double-Herader‘.

Audi Sport ABT Schaeffler hat für das Heimspiel-Sixpack in der Hauptstadt große Ziele und will um Pokale und die Meisterschaft kämpfen.

Mittendrin statt nur dabei ist DTM-Champion Rene Rast, der an der Seite von Lucas di Grassi seine Premiere für Audi in der Elektro-Rennserie feiert.

Parallel zur Formel E startet Rast auch in der DTM und verteidigt dort mit Audi seinen Titel. Ein wahres Mammutprogramm erwartet den 33-jährigen Wahlösterreicher, der inzwischen mit Partnerin Diana und Sohn Liam in Brgenz lebt.

Zwischen dem 1. und 23. August absolviert der gebürtige Mindener zwölf Rennen in zwei völlig verschiedenen Autos – hier das rein elektrische Formelauto Audi e-tron FE06 und dort der Tourenwagen Audi RS 5 DTM mit vier Zylindern und 580 PS.

„Das sind zwei absolut verschiedene Welten mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen für einen Rennfahrer. Aber die sechs Formel-E-Rennen so kurz hintereinander sind ja ideal für eine schnelle Lernkurve …“, so Rast, der sich auf seine neuen Aufgaben mächtig freut.

Hilfestellung von Nico Müller und Robin Frijns

Doch Rast ist mit dem Monsterprogramm nicht allein, seine beiden DTM-Audi-Kollegen Nico Müller, der für Dragon fährt, und Robin Frijns, bei Audis Kundenteam Virgin Racing unter Vertrag, spulen das gleiche Programm ab. Da wären doch Anregungen in Sachen Formel E der beiden Audi-Abt-Piloten für Rast prädestiniert.

„Wir sind gerade dabei, die ganze Tour zu starten“, erklärt Rast auf Nachfrage von ‚bildpresse2010.blog‘. „Heute ist im Grunde mein erster Tag meiner 23-Tage-Tour. Wenn ich irgendeine Hilfe benötige, bin ich mir sicher, Nico und Robin sind so offen, mir Tipps zu geben.

Ich fühle schon jetzt, dass es ein anspruchsvolles Programm wird. Man kann es vielleicht so vergleichen, wenn du anstatt ein Kind drei Kinder hast. Es ist keine doppelte Arbeit, auf die man sich einlässt, es ist die dreifache Arbeit.

Du bekommst nicht nur doppelte oder noch mehr E-Mails, du führst zwei- oder dreimal mehr Gespräche mit Leuten, die notwendig sind. Man nimmt ja zwei Programme in Angriff. Es ist sehr herausfordernd, das muss ich schon zugeben. Du mussst dich schon ziemlich gut organisieren, um keine Medien- oder auch Renntermine zu versäumen.

Es ist also mit sehr viel Arbeit verbunden und hoffentlich sind Nico und Robin so offen, mir Hilfestellung zu geben“, führt der zweifache DTM-Champion weiter aus.

Rast: kein Rookie in der Formel E

Rene Rast hat bereits Formel-E-Luft in Berlin geschnuppert. 2016 als Gaststarter für das damalige Team Aguri als Ersatz für den in der DTM bei BMW engagierten Antonio Felix da Costa- jetzt bei DS Techeetah unter Vertrag.

Rene Rast©EHirsch

Entsprechend prall gefüllt waren die vergangenen Wochen für den DTM-Titelverteidiger. „Ich habe alles getan, was ich konnte. Neben Testfahrten habe ich stundenlang Daten analysiert, Videos angeschaut und enorm viel Zeit mit den Ingenieuren verbracht“, sagt Rast. „Erwartungen für mein Debüt mit Audi sind schwierig zu formulieren, aber eines ist klar: Ich möchte perfekt vorbereitet nach Berlin kommen und ein gutes Ergebnis abliefern.“

Lucas di Grassi: Titel im Visier

Sportlich haben es die neun Tage in Berlin in sich: 180 Punkte gibt es – inklusive der Zähler für die schnellste Zeit im Qualifying, die Pole-Position und die schnellste Rennrunde – für jeden der 24 Fahrer maximal zu holen. Bei gerade einmal 38 Punkten, die zwischen dem Spitzenreiter und dem Zehntplatzierten liegen, ist damit klar: Die Meisterschaft ist noch absolut offen.

Lucas di Grassi, Formula E, Marrakesh E-Prix 2020 ©Audi

Mitten im Titelkampf liegt Lucas di Grassi. Der Brasilianer liegt als aktuell Tabellenfünfter nur 29 Punkte hinter Tabellenführer Felix da Costa. Während di Grassi die Meisterschaft bereits 2016/2017 in einem dramatischen Finish für sich entscheiden konnte, haben alle seine vor ihm liegenden Titelanwärter (neben Felix da Costa noch Mitch Evans, Alexander Sims und Maximilian Günther) bisher keine Fahrermeisterschaft in der Formel E gewinnen können. Ein Vorteil für den 35-jährigen Audi-Piloten?

„Schwierig zu sagen. Das Niveau der Formel E ist ziemlich hoch. Felix da Costa, Evans, Vandoorne, Sims, Günther sind alle sehr stark“, erklärt di Grassi auf Nachfrage von ‚bildpresse2010.blog‘.

„Um ehrlich zu sein, jeder ist schon wegen den 180 Punkten, die es zu holen gibt, konkurrenzfähig. Jeder von ihnen kann die Meisterschaft gewinnen, sogar die Fahrer, die hinter mir liegen.

Jean-Eric Vergne ist immer gefährlich, DS Techeetah hat ein großartiges Auto. Buemi ist ein Fahrer, der zum Ende der Meisterschaft, immer vorne mitmischt, also viele Fahrer können den Titel noch holen. Wenn ich zwei oder drei Rennen gewinnen kann, zähle ich zum Titelanwärter.

Meine Gedanken kreisen aber nicht um die Anderen, meine Gedanken liegen zu 100 Prozent bei mir selbst und bei meinem Team. Ich muss das Bestmögliche aus dem Auto, vom Team und von mir selbst herauszuholen. Das Ziel lautet die Meisterschaft zu gewinnen, das wäre großartig. Wenn es nicht klappt, gebe ich zumindest mein Bestes. Ich behalte meine gleiche Strategie bei, ich fokussiere nur auf mich selbst“, führt der Wahlmonegasse weiter fort.

Familienmensch Lucas di Grassi

Lucas di Grassi ist heiß auf den Neustart der Saison. „Die Pause hatte auch ihre guten Seiten, weil ich viel Zeit mit meinem Sohn und meiner Familie hatte.

Ich habe auch eine Menge Sport gemacht, mich gesund ernährt und viele Tage mit den Daten der ersten Saisonläufe verbracht – aber irgendwann reicht es auch, und man möchte endlich wieder Rennen fahren“, sagt der Brasilianer.

Obwohl di Grassi in den ersten fünf Rennen nur einen Podiumsplatz geholt hat, gibt er sich kämpferisch: „Wir fahren nach Berlin, um den Titel zu holen – das ist mein klares Ziel.“

Berlin war immer ein gutes Pflaster für den mit 31 Podiumsplätzen erfolgreichsten Formel-E-Piloten: Fünfmal stand di Grassi bisher in Deutschlands Hauptstadt auf dem Podium – so oft wie kein anderer Fahrer – und holte dabei im Vorjahr den Sieg.

„Wir haben schon sehr viele schöne Momente in Berlin erlebt, und natürlich gibt das ein gutes Gefühl“, sagt di Grassi. „Trotzdem ist es dieses Mal ein völlig anderes Spiel: Neue Streckenlayouts, keine Fans und Gäste, viele Rennen in kurzer Zeit – es wird auch darauf ankommen, wer damit am besten umgehen kann.“

Audi-Teamchef Allan McNish: Reihenfolge durcheinandergewürfelt

Teamchef Allan McNish hofft natürlich, dass seine beiden Schützlinge das Heimrennen für Audi erfolgreich betreiten können.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Reihenfolge am Ende ganz anders aussieht als jetzt“, sagt der Schotte. „Dieses Sixpack in Berlin erinnert mich ein bisschen an den Neustart nach einer Gelbphase im letzten Rennen der Saison, wenn nur noch wenige Runden zu fahren sind.“

Als zusätzliche „Ereigniskarte“ trägt die Formel E ihre drei sogenannten Double-Header in Berlin auf drei unterschiedlichen Streckenlayouts aus: Nur am 8. und 9. August kommt der bekannte Kurs aus den vergangenen Jahren zum Einsatz. Zum Auftakt am 5. und 6. August wird dieses Layout in entgegengesetzter Richtung gefahren, und für die Finalrennen am 12. und 13. August wird die Strecke dann völlig anders gestaltet. Wie für die Formel E typisch, haben die Teams die Daten erst vergangene Woche erhalten, sodass nicht viel Zeit für eine intensive Beschäftigung mit den Varianten bleibt.

Vieles ist anders, wenn sich die 24 Piloten aus aller Welt ab der kommenden Woche in Berlin zum Showdown der sechsten Saison treffen:

Ein strenges Hygienekonzept muss eingehalten werden, die Anzahl der Teammitglieder ist stark reduziert, Fans oder Sponsoren dürfen nicht auf das Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof im Süden der deutschen Hauptstadt, Pressekonferenzen werden virtuell abgehalten, die Podiumszeremonie wird auf ein Minimum reduziert.

Die Rennen in Berlin werden in drei Double-Headern am 5. und 6., 8. und 9. sowie am 12. und 13. August ausgetragen. Start ist jeweils um 19 Uhr, Eurosport überträgt live im FreeTV alle sechs Rennen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: