Zum Inhalt springen

Formel E: Audi-Teamchef Allan McNish vor Saisonfinale:“Kleiner Vorteil für Lucas“

Allan McNish Audi ©Audi

Es ist eine Premiere im internationalen Motorsport: Innerhalb von nur neun Tagen trägt die Formel E im August ihre letzten sechs Saisonrennen aus und kürt damit ihre Champions in der Fahrer- und Teamwertung.

Audi Sport ABT Schaeffler ist bereit für das Sixpack auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin.

Lucas di Grassi als Gesamtfünfter besitzt noch alle Trümpfe, seinen zweiten Formel-E-Titel für die Ingolstädter einzufahren. Der Rückstand auf den Führenden Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) beträgt 29 Punkte, bei noch sechs auszutragenden Rennen nicht uneinholbar.

Seit dem ersten Rennen im September 2014 ist das Team Audi Sport ABT Schaeffler in der Formel E am Start und hat neben Fahrer- und Teamtiteln sowie mehr als 40 Pokalen schon viel erlebt. Aber sechs Rennen in neun Tagen am selben Ort – das hat es im internationalen Motorsport noch nie gegeben.

Vom 5. bis 13. August wird es Realität: Mit drei sogenannten Double-Headern beendet die Elektrorennserie ihre sechste Saison, die wegen der Pandemie nach dem fünften Saisonlauf Ende Februar in Marrakesch unterbrochen werden musste.

„Normalerweise haben wir sechs Rennen in vier Monaten – jetzt fahren wie sie in neun Tagen. Das bedeutet eine Menge emotionaler, mentaler und körperlicher Herausforderungen“, sagt Teamchef Allan McNish. „Es ist eine große Aufgabe, aber auch eine tolle Chance: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Reihenfolge in der Meisterschaft am Ende ganz anders aussieht als jetzt.

Dieses Sixpack in Berlin erinnert mich ein bisschen an den Neustart nach einer Gelbphase im letzten Rennen der Saison, wenn nur noch wenige Runden zu fahren sind.“

Lucas di Grassi, René Rast,Testfahrten Formel E, Lausitzring 2020 ©Audi

Pause zwischen Marrakesch und Berlin: 159 Tage

Seit dem letzten Rennen in Marrakesch und Berlin werden 159 Tage oder 5 Monate und 5 Tage vergehen, ehe die Elektro-Motoren in Berlin-Tempelhof wieder surren. Eine sehr lange Pause hat die Corona-Zeit den Teams verordnet. Ob es für Audi sogar ein kleiner Vorteil war, solange zu pausieren?

„Wir kamen vom Marrakesch zurück, dann realisierten wir die gelbe Flagge der Meisterschaft“, so McNish. „Wir sahen uns genau die bisherige Saison-Performance an, wussten nicht, ob wir noch ein Rennen, sechs Rennen oder gar kein Rennen mehr fahren werden. Es gab uns die Gelegenheit zu verstehen, worauf wir bis Saisonende hinarbeiten müssen. Bis dahin haben wir ganz gut ausgesehen.

In Saudi-Arabien hatten wir bezüglich der Punkte eigentlich ein gutes Wochenende. Seitdem hatten wir eine magere Punkte-Ausbeute, die Performance aber passte. Wir konnten ganz leicht bestimmte Dinge feststellen und die Pause gab uns ein klein wenig Zeit zum Verschnaufen. Jedes Team, jeder Fahrer und jeder Ingenieure haben seitdem ihre Autos verbessert. Die Frage lautet: Haben wir den größeren Schritt als die anderen gemacht? Das werden wir erst am ersten Rennwochenende in Berlin herausfinden und nicht vorher“, erklärt der Schotte.

Streckenlayout Berlin: Hellseher McNish

Seit gestern Abend ist das Geheimnis des Streckenlayouts der drei „Double-Headers“ beim Berliner Sixpack bekannt. Bis dahin gab es auch keine Infos für die Teams. „Wir haben darüber von Seiten der FIA keine Kommunikation erhalten“, so der 50-jährige Schotte.

Immerhin kann McNish hellsehen, denn noch vor der Bekanntgabe der Streckenführungen in Berlin war sich der Audi-Verantwortliche sicher, dasss zumindest eines der drei Layouts dem aus dem Vorjahr ähnelt. „Ich würde davon ausgehen, dass eines davon das gleiche sein wird wie letztes Jahr“, so McNish.

Der zweite „Double-Header“ am 8. und 9. August wird gegen den Uhrzeigersinn in der gleichen Richtung wie im Vorjahr befahren. Sieger im Vorjahr übrigens kein Geringerer als McNishs Schützling Lucas di Grassi.

Der Start der ersten beiden Rennen gleicht dem gleichen Layout wie beim Berlin E-Prix 2019, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Beim großen Showdown der Formel E wartet auf di Grassi & Co eine besondere Herausforderung. Der Kurs wird zusätzlich mit sechs weiteren Kurven ausstaffiert. Statt zehn sind dadurch 16 Kurven gegen den Uhrzeigersinn zu durchfahren.

Lucas di Grassi: Holt er die Kastanien aus dem Feuer?

In der Tabelle liegt Lucas di Grassi – Champion der dritten Saison und mit 31 Pokalen erfolgreichster Pilot der Serie – auf Rang fünf. An der Seite des Brasilianers gibt der zweimalige DTM-Champion René Rast sein Debüt im Team Audi Sport ABT Schaeffler. „Lucas liegt 29 Punkte zurück in der Fahrerwertung. Er liebt die Strecke und hat dort mit Audi in der Vergangenheit große Erfolge gefeiert. Das bedeutet nicht, dass es einfach so weitergeht. Aber man kommt natürlich mit einem ganz anderen Gefühl nach Berlin“, sagt McNish.

Auf Nachfrage von ‚Bildpresse2010.blog‘ sieht McNish beim Saisonfinale einen kleinen Vorteil seines Titelaspiranten di Grassi, dass er als einziger Fahrer der vor ihm liegenden Titelkandidaten bereits einen Formel-E-Titel auf sein Konto verbucht hat.

„Ich glaube, es könnte ein kleiner Vorteil für Lucas sein“, so der Schotte. „Wir sprechen aber über Fahrer, die eine Menge Renn-Erfahrung gesammelt haben und überhaupt verdammt gut sind. Alle Fahrer in den Top Ten sind sehr begabt. Sie haben auch in anderen Serien bereits Meisterschaften gewonnen, sind alle nicht unerfahren“, ergänzt der Audi-Verantwortliche.

Den Vorteil seines Schützlings glaubt McNish im Charakter des Brasilianers zu finden. „Er ist ziemlich geduldig, wir können das in Rennen beobachten, wo er bei Vor-und Unfällen meistens nicht involviert ist. Er ist im allgemeinen sehr ruhig und geduldig, zwar mit brasilianische Emotionen, manchmal gespannt, aber das gehört zu seinen Charakter. Er ist für Berlin gut vorbereitet“, erklärt der Audi-Teamchef gegenüber ‚Bildpresse2010.blog‘.

René Rast,Testfahrten Formel E, Lausitzring ©Audi

Rene Rast: Schwierige Aufgabe für den DTM-Champion

Bekanntlich gab es im Audi-Team während der Corona-Zwangspause einen Fahrerwechsel. Rene Rast ersetzt in berlin Daniel Abt, der bei den Ingolstädtern vor die Tür gesetzt wurde. „Für René wird es natürlich eine schwierige Aufgabe“ weiß McNish. „Wir werden alles tun, um ihn optimal zu unterstützen, damit er so schnell wie möglich ins Spiel kommt.“

Die Vorbereitungen auf das Berlin-Saisonfinale verliefen für Audi wie gewohnt. „Die Autos wurden zunächst in Valencia geparkt. Erst Ende Juni haben wir sie wieder erhalten, die dann zu Abt nach Kempten transportiert wurden“, sagt McNish. „Die Mechaniker checkten die Autos. Alles war OK, keine Probleme während der Ruhepause in Valencia. Wir haben die Autos so vorbereitet, als wäre nie eine Saisonunterbrechung gewesen“, erklärt der Schotte gegenüber ‚Bildpresse2010.blog‘.

„Wir konnten das Testauto am Lausitzring einsetzen, da wir ja das Rennauto nicht verwenden dürfen. Der Test war definitiv für Rene. Aber wir haben auch die ganze Zeit einen Blick in Richtung Saison 7 geworfen“, so der Audi-Boss.

Strenge Regeln und Hygienemaßnahmen in Berlin

Um die Formel E zurück auf die Strecke zu bringen, haben die Organisatoren ein knapp 80-seitiges Hygienekonzept ausgearbeitet, das mit den örtlichen Behörden abgestimmt ist und genaue Vorgaben zum Schutz der Gesundheit aller Akteure enthält.

Allan McNish lobt die Anstrengungen hinter den Kulissen: „Die Restriktionen wegen der Pandemie spielen eine große Rolle. Natürlich lässt sich die erforderliche Distanz in einem geordneten Büroalltag leichter gewährleisten als in einem Fahrerlager. Die Formel E hat einen tollen Job mit ihrem Hygienekonzept gemacht, das es uns ermöglicht, endlich wieder Rennen zu fahren.“

Ein wesentlicher Punkt der Restriktionen: Es gilt ein Maximum von 1.000 Menschen auf dem Veranstaltungsgelände – normalerweise sind es fast fünfmal so viele. Das bedeutet: natürlich keine Zuschauer, aber auch keine Medien, keine VIP- und Sponsorengäste, weniger Personal bei Dienstleistern, Streckenbauern, Formel E und der FIA. Auch die Teams sind betroffen.

„Wir sind limitiert auf 19 Personen plus unsere beiden Fahrer“, erklärt Allan McNish. „Das bedeutet, dass jeder von uns mehrere Aufgaben übernehmen muss. Das gilt für unsere Ingenieure, die sich die Arbeit anders aufteilen, genauso wie für mich: Ich bin verantwortlich für PR und Marketing, unterstütze unseren Teammanager bei den FIA-Dokumenten und kümmere mich um einige weitere Dinge, die sonst von anderen Teammitgliedern erledigt werden.“

Allan McNish,Formula E, Hong Kong E-Prix 2017 (c)Audi

Berlin ruft: Hallo Neuburg – hören Sie uns?

Die Mannschaft in Tempelhof, wo die drei Double-Header jeweils auf einer anderen Streckenvariante ausgetragen werden, kann sich auf Unterstützung aus Neuburg verlassen, wo das Hauptquartier von Audi Sport beheimatet ist: Zusammen mit Audi Motorsportchef Dieter Gass und Formel-E-Projektleiter Tristan Summerscale begleitet ein Ingenieursteam jeden Meter von Lucas di Grassi und René Rast in Berlin.

„Unsere sogenannte Mission Control in Neuburg bekommt für Berlin eine noch größere Bedeutung als bei anderen Rennen“, sagt Allan McNish. „Die Ingenieure dort analysieren ganz genau alle Daten, die sie von der Strecke erhalten, und unterstützen bei allen Entscheidungen. Und das nicht nur für unser Werksteam, sondern auch für unser Kundenteam Envision Virgin Racing.“

Teamwork ist in Berlin wichtiger denn je. Allan McNish: „Die Schlüssel zum Erfolg sind eine bestmögliche Vorbereitung und volle Konzentration – egal, was passiert. Natürlich betrachten wir jedes Rennen einzeln, aber wir müssen auch den gesamten Zeitraum im Blick behalten: Wenn andere müde werden, mental oder körperlich, dann wollen wir umso stärker sein.“

Bekanntlich kann McNish hellsehen …

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: