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DTM: Serien-Chef Gerhard Berger sieht für DTM eher schwarz, Altfrid Heger in GT-Sport die Zukunft

Gerhard Berger,DTM Hockenheim ©DTM

Wohin geht die Reise der DTM? Nach dem Ausstieg von Aston Martin zu Beginn des Jahres und Audi zum Ende diesen Jahres, dazu die Auswirkungen der Corona-Krise in der Automobilindustrie, kämpft die DTM ums blanke Überleben.

Diese Woche hat DTM-Boss Gerhard Berger erstmals öffentlich in den Raum gestellt, dass es 2021 keine DTM mehr geben könnte.

„Die Zeit ist gekommen, über die Abwicklung der DTM nachzudenken“, sagte Berger in der TV-Live-Sendung ‚Sport & Talk aus dem Hangar 7‘ bei Servus TV. „Wenn keiner der deutschen Hersteller bereit ist, diese Plattform und diese Serie zu unterstützen, dann wird’s eng.“

Berger kämpft wie ein Löwe um den Erhalt der DTM. „Wir haben den Ausstieg von Audi zu verkraften, wir haben mit der Corona-Zeit nur Gegenwind erfahren“, so der Österreicher, dem heftiger Ostwind entgegenbläst.

In zwei Wochen erfolgt der Saisonauftakt in Spa-Francorchamps und niemand weiss so recht, wie es 2021 weitergeht. Berger versucht händeringend Lösungen zu finden. Die Suche andere Hersteller an Land zu ziehen blieb erfolglos. Die japanische Super GT, die wie die DTM das Class1-Reglement betreibt, erwies sich nicht als Heilsbringer. Kein japanischer Hersteller bekennt sich aktuell zu einem Einstieg in die DTM.

Gerade in Zeiten von Corona hat die Automobilbranche schwer mit sich zu kämpfen, da bleibt der Motorsport eher außen vor.

Was macht BMW?

Während sich Audi von der DTM zurückzieht und sich vielmehr auf die Formel E konzentriert, wartet Berger auf ein Fingerzeig von BMW.

Die Münchner haben sich zur DTM bekannt, allerdings vor Ausbruch der Coronakrise. Momentan herrscht Ruhe vor dem Sturm. BMW hat sich zu einer Entscheidung bisher noch nicht durchgerungen.

„Bei BMW ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Berger in der TV-Sendung. „Das zögert sich immer mehr hinaus. Wir sind mittlerweile eigentlich überfällig, um bei diesem Thema Klarheit zu schaffen.

Es hängen viele Arbeitsplätze an der DTM. Ich glaube, dass wir in der nächsten Zeit klar sagen müssen, was wir machen“, hofft der Österreicher auf eine baldige Entscheidung aus Richtung München.

GT-Sport die einzige Chance?

Viele Alternativen bleiben ITR-Boss Berger nicht mehr. Löst sich die DTM ganz auf oder führt die Dachorganisation ITR in anderer Weise die Tourenwagenserie fort?

Ein mögliches Szenario könnte die Fortführung im GT3-Sport sein. „Wenn wir es als ITR weiterführen, müssen wir GT3 machen, weil es das einzige technische Reglement ist, in dem viele Hersteller involviert sind“, erklärt DTM-Boss Berger. „Es sind 13 Marken, die das Thema betreiben. Es ist naheliegend, dass man auf GT3 geht. Mir tut es sehr leid, denn die heutigen DTM-Fahrzeuge haben Einheitsbauteile, sind richtige Rennautos und nach der Formel 1 eigentlich die komplexesten Rennauto, ohne irgendwelchre Performanceausgleiche“, so der Tiroler.

Dabei kommt Audi wieder ins Spiel. Trotz Ausstieg unterstützen die Ingolstädter das Vorhaben, die DTM am Leben zu erhalten. „Audi hat sich kurzfristig und schnell dem Vorschlag angeschlossen, die DTM-Plattform weiter zu pflegen und weiterzumachen und so die Historie nicht sterben zu lassen“, so der Österreicher.

Kris Nissen, Tourenwagen Classics salzburgring ©EHirsch

Kris Nissen: „Man muss die Kröte schlucken“

Der frühere DTM-Pilot Kris Nissen, der mit BMW, Alfa Romeo und Audi in der Tourenwagenserie unterwegs war und danach als VW-Motorsportdirektor fungierte, weiß um die Mammutaufgabe Bergers.

„Ich finde die Entwicklung sehr schade“, so Nissen gegenüber ‚Bildpresse2010.blog‘ am Salzburgring, wo der Däne in der Tourenwagen Classics fährt. „Gerhard Berger hat da einen sehr, sehr harten Job. Berger ist ein sehr, sehr fähiger Mann, er ist sehr korrekt, fleissig und sehr gut vernetzt. Wenn er das nicht hinbekommt, dann kann ich mir gar nicht vorstellen, wer es hinbekommt“, ist der fast 60-jährige Däne voll des Lobes über die Arbeit des Österreichers.

Welche Lösung hätte Nissen für DTM-Boss Berger parat? „Ich glaube, sie müssen das Konzept umstellen, einen Weg gehen, die Kosten reduzieren und die Autos unterschiedlicher machen.

Man muss die Kröte schlucken, dass man eine gewisse Balance of Performance (BOP), eine Einstufung, braucht“, spricht Nissen Klartext. Die aktuellen DTM-Turboautos kosten den Herstellern bis zu drei Millionen Euro pro Saison.

„Die neue DTM, die im Jahr 2000 kam, hat sich einfach nicht durchgesetzt. Da gab es  immer zwei oder drei Hersteller, es waren ganz tolle Rennen, es war toller Sport und es waren tolle Autos. Aber es ist nie gelungen, den vierten, fünften oder sechsten Hersteller zu finden. Wenn so etwas über 20 Jahre nicht gelingt, dann muss man das analysieren und einen anderen Weg finden“, erklärt der Däne.

„Berger und die ITR haben eine grosse Aufgabe vor sich, dessen sind sie sich bewusst, dass man etwas anderes braucht. Ich würde mich riesig freuen, wenn sie eine Weg finden, dass die DTM wieder wächst und da ist. Wir brauchen sie“, hofft Nissen auf eine Fortsetzung der DTM.

Altfrid Heger bei der Tourenwagen Classics Salzburgring 2020 ©EHirsch

Alfrid Heger: ‚Halte GT3 nicht für sinnvoll“

Der zweifache DTM-Sieger Altfrid Heger sorgt sich ebenfalls um den Fortbestand der DTM. „Der Motorsport hat im Augenblick schwierige Zeiten vor sich, angefangen bei der F1 bis hinunter zu den Amateuren“, so Heger.

„Dazu die DTM, sie ist in Gefahr. Da stehen schwierige Zeiten bevor. Da müssen kluge Köpfe zusammenstecken, um den Motorsport aus dieser Krise zu führen“, sagt der 62-Jährige.

Der frühere DTM-Pilot hat inzwischen die Agentur Hegersport gegründet, die hauptsächlich für Porsche arbeitet. Dabei organisiert Heger und sein Team die Porsche Sports Car-Rennen und den Porsche Carrera Cup Deutschland.

Heger weiß um die knifflige Aufgabe Bergers, die DTM zu retten. „Es wird schwierig werden. Gerhard Berger ist mit allen Entscheidungen ziemlich überrascht worden. Das tut mir persönlich leid.

Ich weiss mit welchen Anspruch er diese Serie übernommen hat. Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten. Ich habe in einem Forum schon mal Vorschläge gemacht, aber jeder hat halt da so seine Ideen“, so der frühere BMW-DTM-Pilot.

Heger ist sich bewusst, dass die Strukturen und die Reglements sich ändern müssen. Allerdings wäre der Einstieg in den GT3-Sport der falsche Weg. „In der GT3 zu fahren, halte ich nicht so für sinnvoll, da es dazu genug Serien gibt und da müsste sich die DTM schon abheben“, spricht Heger Klartext.

Welche Lösung präferiert dann der gebürtige Essener? Heger sieht die Zukunft für die DTM schon im GT-Sport. „Ich meine, der GT-Sport wäre ein Weg. Es gibt hochwertige Serien wie die Le Mans Series, wo die Porsche RSR fahren, dazu Corvette, Aston Martin, Ferrari usw. Da sehe ich vielleicht eine Chance, dass man da eine Meisterschaft kreieren kann. Eventuell besteht die Möglichkeit, die alten Klasse 1-Auto mitzuintegrieren. Zumindest im ersten Jahr, um einen Übergang zu schaffen“, erklärt Heger.

Eines ist den Beteiligten klar. Sie erhoffen sich alle den Fortbestand der DTM.

 

 

 

 

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