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WTCR: Hyundai-Pilot Luca Engstler ohne Druck vor seiner Premierensaison

Luca Engstler mit Vater und Teamchef Franz Engstler_WTCR ©Hyundai

Wenn die Tourenwagenweltmeisterschaft (WTCR) im September ihre neue Saison am Salzburgring einläutet, steht mit dem 20-jährige Luca Engstler der einzige deutscher Pilot am Start im Nesselgraben.

Die deutsche Nachwuchshoffnung aus Wiggensbach im Allgäu steht erstmals als Werkspilot beim südkoreanischen Hersteller Hyundai unter Vertrag und pilotiert einen Hyundai i30 N TCR.

Im Team Engstler Hyundai N Liqui Moly tritt der Youngster an der Seite seines erfahrenen niederländischen Teamkollegen Nicky Catsburg an.

„Ich lächle immer noch von Ohr zu Ohr, wenn ich darüber nachdenke, denn ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass ich dort bin“, so Engstler über sein Engagement in der WTCR.

Der junge Allgäuer zeigte in den letzten Jahren sein großes Ausnahmetalent in den nationalen TCR-Meisterschaften. Zuletzt verteidigte der Bayer seinen Titel in der TCR Malaysia 2020 erfolgreich, die er bereits 2019 für sich entschied. Ende Februar gewann Engstler beide Rennen auf dem Sepang International Circuit und kürte sich neuerlich zum Champion.

Dann folgte die lange Zwangspause auf Grund der Coronavirus-Pandemie, der Motorsport weltweit legte eine Vollbremsung hin. Das wirbelte auch die Vorbereitungen auf Engstlers erste komplette WTCR-Saison komplett durcheinander. Lockdown, Reisebeschränkungen, Testfahrten abgesagt- ein umfangreiches Vorbereitungsprogramm wurde einfach zunichte gemacht.

Einfach etwas Neues lernen

Engstler nutzte die Zwangspause anders. Mehr Zeit für sich selbst, als Sportler in sich zu gehen, sich an Neues heranzuwagen, neue Sportarten auszuprobieren.

Eine gesunde Ernährung bekam einen viel höheren Stellenwert. „Ich habe immer versucht, mich gesund zu ernähren, aber ich habe mich vorher nicht so sehr darauf konzentriert“, sagt Engstler. Daher widmete sich der junge Allgäuer mehr dem Kochen, verbesserte seine Kochkünste.

„Wenn ich ein schlechtes Wochenende habe, mache ich mir immer eine To-Do-Liste mit dem, was ich ändern muss, und analysiere, was ich besser machen kann“, sagt der Hyundai-Pilot. „In den Wochen davor esse ich immer gut, und dann an den Wochenenden hat man an den Rennstrecken eine begrenzte Auswahl, und es ist schwieriger – man hat beispielsweise nicht die Zutaten für eine fruchtige Acai-Bowl zum Frühstück.

Ich weiß, dass das ein Schlüsselfaktor für den Erfolg ist, aber für mich gab es auch noch andere Dinge, die ich zuerst auf der Rennstrecke erledigen musste, wie zum Beispiel Rennen gewinnen, um mich für ein Cockpit in der WTCR zu empfehlen. Jetzt habe ich etwas mehr Zeit, um mich auf andere Bereiche zu konzentrieren, die ich verbessern kann“, erklärt Engstler.

Luca Engstler_WTCR_Hyundai ©Hyundai

Höchste Konzentration angesagt

Neben der gesunden Ernährung kam der Sport nicht zu kurz. Fit bleiben für die kurze, aber umso intensivere WTCR-Saison lautet die Zauberformel. Innerhalb von nur neun Wochen verlangen die ausschließlich in Europa ausgetragenen 16 Saisonrennen höchste Konzentration.

„Ich treibe viel Sport, um gesund zu bleiben und um mehr über meinen Körper zu lernen“, so Engstler. „Ich lese viel und schaue mir Videos an, um zu verstehen, wie ich meine Fitness und meine Mentalität verbessern kann. Ich halte es für sehr wichtig, sich auf den Rennsport zu konzentrieren“, weiß Engstler, der alles dransetzt, in der WTCR Ausrufezeichen zu setzen.

Der Allgäuer gewann in der Motorsport-Zwangspause die Liebe zum Rad, die Nähe seines Heimatortes Wiggensbach zu den Alpen spielte da eine entscheidende Rolle. „Wir wohnen sehr nahe an den Alpen, so dass es für mich einfach ist, hier zu trainieren. Jetzt kann ich einen Trainingspartner oder meinen Physiotherapeuten mitnehmen und wir können in die Berge Rad fahren oder wandern. Normalerweise wäre ich nicht sehr oft auf dem Rad unterwegs, aber jetzt fahre ich wirklich gerne ein paar Trails, wobei ich natürlich darauf achte, mich nicht zu verletzen“, so Engstler.

Der 20-jährige ordnet dem Rennsport alles unter. Engstler ist unglaublich diszipliniert und zielgerichtet, mit großer Hingabe geht der Deutsche seine erste komplette WTCR-Saison an. In der letzten Saison durfte Engstler schon einmal ein bisschen die große WTCR-Luft schnuppern. Der Hyundai-Pilot gab ein Gastspiel am Slowakiaring und in Macau.

Engstler war zuletzt am Salzburgring mit einem VIP-Auto auf der Strecke, dass bei der TCR Germany für Hyundai Deutschland eingesetzt wird. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Ob vor dem Saisonstart in Österreich noch Testfahrten mit den WTCR-Auto Hyundai i30 N TCR stattfinden, steht derzeit nicht fest.

Hyundai i N30 TCR ©Hyundai

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Hyundai i30 N TCR in nationalen Meisterschaften nutzen Engstler vor seiner neuen Aufgabe in der WTCR, die er mit Startnummer 8 angehen wird. „Sicherlich wird es mir helfen, es ist dasselbe Auto, das ich auch in anderen Meisterschaften gefahren bin, also komme ich nicht in die Serie und habe keine Erfahrung mit dem Auto“, sagt der Bayer.

„Aber wir haben hier andere Reifen und andere Rennformate, also ist fast alles neu für mich. Ehrlich gesagt, ich freue mich wirklich darauf, in das Auto zu springen“, sehnt sich Engstler der anstehenden WTCR-Saison entgegen.

Der Rennsport liegt Engstler in den Genen. Vater Franz Engstler fuhr Anfang der 90er-Jahren in der DTM, ebenso jahrerlang in der WTCC. Inzwischen ist der 58-jährige Engstler Teamchef des Engstler Hyundai N Liqui Moly WTCR-Team, das erstmals als Werksteam fungiert.

Kein Druck für Engstler

„Mein Ziel für diese Saison ist es, zu lernen“, ist oberste Priorität des Hyundai-Piloten. „Ich habe starke Teamkollegen und es gibt für mich eine Menge zu verbessern und von ihnen zu lernen, wie sie ein Rennwochenende angehen.

Aber ich versuche, nicht zu viel Druck auf mich auszuüben – niemand erwartet von mir, dass ich mein erstes Rennen gewinne! Es gibt viele neue Strecken, die ich nicht kenne, und man muss vor jeder Veranstaltung super fit sein.

Der Simulator ist ein großer Teil davon, ebenso wie die Streckenbegehungen. Ich möchte ein paar Tage vorher anreisen, um mit dem Fahrrad die Strecke zu erkunden, sie onboard anzusehen und mich mit den Ingenieuren vorzubereiten. Das ist so ziemlich alles, was ich tun kann, um bereit zu sein. Ich glaube, ich habe einen coolen Rhythmus und einen guten Plan dafür – es ist nicht neu für mich, auf eine Strecke zu kommen, auf der ich noch nie zuvor war“, gibt sich Engstler optimistisch.

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