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DTM: MCN-Ehrenvorstand Thomas Dill im Interview: „Maximal vier Wochen Zeit für endgültige Entscheidung“

Thomas Dill, MCN Nürnberg @EHirsch

In Deutschland sind Großveranstaltungen wegen der Coronakrise bis zum 31. August untersagt. Darunter fällt auch der Motorsport. Während das deutsche Formel-E-Gastspiel in Berlin am 21. Juni bereits offiziell abgesagt wurde, kämpft die ITR, der Dachverband der DTM und der Motorsportclub Nürnberg (MCN) als Veranstalter des Norisringrennens um den Saisonauftakt vom 10. Juli bis 12. Juli in Nürnberg.

„Wir überprüfen derzeit, wann oder wie, unser geplantes DTM-Rennwochenende durchführbar ist. Der MCN steht deshalb auch im ständigen Austausch mit den Genehmigungsbehörden und der ITR. Sobald es hierzu einen neuen Sachstand gibt, werden wir die Öffentlichkeit darüber informieren“, lautet ein Statement des Norisring auf ihrer Webseite.

Der MCN setzt also alle Hebel in Bewegung, den DTM-Klassiker tatsächlich durchzuführen. Einer der es wissen muss, wenn es um das „Fränkische Monaco“ geht, ist Thomas Dill. Der 62-jährige Franke fungierte elf Jahre lang als Rennleiter des Norisring-Rennens. Im Jahr 2018 leitete Dill zum letzen Mal das DTM-Saisonhighlight am Dutzendteich und wurde mittlerweile zum Ehrenvorstandsmitglied des MCN ernannt.

Wir haben uns mit Thomas Dill, der keine offizielle Tätigkeit mehr beim MCN ausübt, über den möglichen DTM-Saisonauftakt am Norisring unterhalten.

Herr Dill, es besteht ein Fünkchen Hoffnung, dass der DTM-Auftakt am Norisring doch noch stattfinden kann, eventuell als Geisterrennen. Wie beurteilen Sie das?

Thomas Dill: “Naja, das wäre nur möglich, wenn die ITR uns die enormen Aufbaukosten irgendwie vergütet. Wir leben ja von den Eintrittsgeldern der Zuschauer. Je mehr Besucher kommen, umso mehr Geld haben wir auf der Kante. Wir würden aber dieses Jahr auch überstehen, wenn selbst kein Rennen stattfinden sollte.

Es laufen Gespräche, dass die Serie endlich loslegen kann. Zumal es so aussieht, dass die DTM danach die Rennen im Ausland weiter fortsetzen könnte. Daher wurden Gespräche mit der Stadt Nürnberg aufgenommen. Es müssen aber auch Gespräche mit Ministerpräsident Markus Söder geführt werden.

Wir ermöglichen den Teams, Herstellern und den Leuten, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können. Es macht für uns in Zeiten von Corona Sinn, das Rennen gemeinsam mit der ITR zu veranstalten, wenn wir die Kosten erstattet bekommen und einen kleinen Obolus sozusagen als „Gewinn“ erhalten, um nicht auf unsere Kosten sitzen zu bleiben.“

Eng und Spengler Norisring 2019 ©BMW2019

Falls das Norisring-Rennen tatsächlich über die Bühne gehen würde, sind hohen Einschaltquoten im TV garantiert. DIe DTM wäre im Juli eine der ersten Motorsportserien weltweit, die wieder realen Rennsport anbieten könnte.

Dill: „Diesen Hintergrund sieht die ITR natürlich auch. Die DTM wäre in der Tat einer der ersten Serien, die live im Fernsehen zu sehen ist. Es wäre für die Serie ein Riesenboom. Die Hersteller und die ITR fahren auf den Norisring-Auftakt ab, da sie dadurch mehr Einschaltquoten erreichen würden und damit auch eine bessere Reichweite erzielen. Die Ausgaben dafür würden sich für die Hersteller und die ITR irgendwie rechnen. Die Marke bleibt im Gespräch.

Mir geht es doch genauso. Ich würde auch gerne Formel 1 oder die DTM sehen und es kommt aktuell nichts. Für einen eingefleischten Motorsportfan aktuell keine einfache Zeit, auch wenn es sicherlich größere Probleme gibt.“

Es müssen doch jetzt Verträge mit Firmen und Handwerkern abgeschlossen werden, um den Aufbau der Veranstaltung zu garantieren. Wie lange hat der MCN noch Zeit?

Dill: “Wir haben Absichtserklärungen abgegeben. Üblicherweise werden die Verträge im Januar, Februar oder März geschlossen. Bei den Tribünen haben wir schon eine längere Option, da diese sehr gefragt sind. Wir hatten bei den Tribünen eine Option auf den 30. März, die jetzt bis 30. April verlängert wurde. Die Handwerker und Firmen, die wir für den Aufbau brauchen, haben jetzt alle Kurzarbeit. Von daher ist es für uns nicht ganz so schlimm.

Der Aufbau des Norisrings (c)IKmedia

Andererseits werden wir keine Tribünen bauen, wenn wir keine Zuschauer beim Rennen haben. Dadurch senken sich auch unsere Fixkosten. Wir brauchen keine Toilettenhäuschen, keine Bratwurststände, weniger Security für die Bewachung und keine Parkplätze bewirtschaften, dazu nur einen halb so großen Zaun wie bei einer regulären Veranstaltung.“

Auf der anderen Seite besteht ein erhöhter Aufwand für Hygienevorschriften wegen der Coronakrise oder?

Dill: „Man geht davon aus, dass jedes Team ungefähr 10 Mechaniker stellt, da werden aus meiner Sicht zwei Toilettenhäuschen ausreichend sein. Die Hersteller müssen schon selbst auf ihren Arbeitsschutz achten.“

Wie lange bleibt Zeit für eine endgültige Zusage des DTM-Auftakts am Norisring?

Dill: “Zuerst müssen die Gespräche mit der Stadt Nürnberg, die erst kürzlich anliefen, erfolgreich verlaufen. Ich gehe davon aus, dass die Stadt Nürnberg großes Interesse an der Veranstaltung hat. Die Vorarbeiten müssen mindestens vier Wochen vor dem Rennen anfangen, also Mitte Juni. Man hat bis dahin noch zwei Monate Zeit, das ist sicher nicht ideal, aber machbar. Ich gehe davon aus, dass in maximal vier Wochen endgültig Klarheit herrscht, ob wir fahren oder nicht.“

Ein Norisring-Rennen vor leerer Steintribüne, wie darf sich der Motorsportfan das vorstellen?

Dill: “Eine Alternative auf der Steintribüne wären große Werbebanner von Firmen wie beispielsweise Schaeffler als ortsansässiges Unternehmen und Sponsor der Serie. Ich denke, die Marketingleute werden sich da etwas überlegen. Not macht erfinderisch, besonders in Zeiten von Corona.“

Keine Formel E am Norisring (c)Erich Hirsch

Der MCN möchte, wenn es vertretbar wäre, das Rennen unbedingt durchführen oder?

Dill:  „Ja, freilich wollen wir das Rennen veranstalten. Das Norisring-Rennen ist nach dem Krieg noch nie ausgefallen. Es stellt sich auch die Frage: Was passiert im nächsten Jahr?“

Es ist kein Nachteil, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bekennender Norisring-Fan und Mitglied beim MCN ist, sehen Sie das genauso?

Dill: „Ministerpräsident Söder gibt vor, dass es bis Ende August keine Großveranstaltungen in Bayern gibt. Für uns stellt sich die Frage: Wie bekommen wir es hin, dass das Norisring-Rennen keine Großveranstaltung wird? Wir haben guten Zugang zum Ministerpräsidenten, da wir auch einen Landtagsabgeordneten (Anmerkung der Redaktion: Jochen Kohler) in unserem Vorstand sitzen haben, der ihm sehr nahesteht.“

Wäre bei einem ‚Geisterrennen‘ am Norisring die Presse- abgesehen von den TV-Leuten- grundsätzlich ausgeschlossen?

Dill: „Über diese Frage hat man sich noch keine Gedanken gemacht. Wenn es um die Freigabe gehen sollte, sind die Personen notwendig, die für einen reibungslosen Ablauf auf und abseits der Strecke sorgen wie beispielsweise die Streckenposten. Es ist schon in unserem Sinne und auch bei der ITR besteht der Wunsch, dass die Presse über das Rennen berichtet. Wichtig ist, dass jedenfalls die Hygienevorschriften eingehalten werden.“

Würden bei einem Norisring-Rennen im Juli auch die Rahmenserien der DTM am Start stehen?

Dill: „Ich denke, es macht keinen Sinn, nur die DTM fahren zu lassen. Die neue Serie DTM Trophy, der Porsche Carrera Cup und vielleicht die W Series sind dann möglicherweise auch am Start. Es wird ein volles Programm am Samstag geben, dass um 09:00 Uhr früh startet und um 18:00 Uhr endet. Am Sonntag könnte das Programm von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr laufen. Wir wünschen uns schon ein komplettes Programm mit Live-Übertragung.“

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