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DTM/Formel E: Tausendsassa Nico Müller im Interview: ‚Versuche, positiv zu bleiben‘

Nico Müller,DTM Lausitzring 2019 ©Audi

Die Coronakrise wirbelt die komplette Sportwelt durcheinander. ‚Rien ne va plus‘ heißt es augenblicklich im Motorsport, die Startampeln stehen auf Rot.

DTM-Vizemeister Nico Müller (Audi) wartet wie seine 15 Fahrerkollegen sehnsüchtig auf den verschobenen Saisonstart, der im Juli auf dem Norisring erfolgen soll. Sicher ist das in Corona-Zeiten allerdings nicht.

Der Tausendsassa muss sich in Geduld üben. In der Schweiz herrscht aktuell ein Ausgehverbot, Reisen nach Neuburg (Audi), Kempten (Abt-Team) oder zu Dragon sind derzeit tabu.

Das Wichtigste vorab: Müller und seiner Familie geht es gesundheitlich sehr gut. Der 28-jährige Schweizer verriet erst kürzlich, dass er dieses Jahr erstmals Papa wird.

Vollgas-Müller: Der 28-jährige Schweizer, der als heißer Titelanwärter in der DTM zählt, gab dieses Jahr bereits dreimal Vollgas in der Formel E. Müller startet neben seinem DTM-Engagement für den US-Rennstall GEOX Dragon als Rookie in der Elektro-Rennserie. Der Erfolg- noch überschaubar.

Wir haben uns mit Nico Müller via E-Mail unterhalten, wie er den Alltag in der Coronakrise meistert, wie die Vorbereitungen auf die neue DTM-Saison aussehen und welches Resümee er über sein neues Abenteuer Formel-E- zieht.

Wie sehr ist dein Leben in der Schweiz wegen der Coronakrise eingeschränkt und wie meisterst du den Alltag?

Nico Müller: „Wir dürfen zum Glück, solange die Regeln des Bundesamtes für Gesundheit eingehalten werden können, noch draußen Sport machen und uns an der frischen Luft bewegen. Das ist aktuell Gold wert.

Shops und Restaurants sind geschlossen, nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken bleiben geöffnet. Ich war jedenfalls seit meiner Schulzeit nie mehr so viele Tage am Stück zu Hause.

Noch habe ich aber genug zu tun, genieße die Zeit mit meiner Freundin und unserem Hund, halte mich fit, entdecke die Welt des Simracings und erledige vieles, was die letzten Monate liegen geblieben ist.

Auch wenn es echt nicht einfach ist und ich meinen Racing-Alltag, die Rennstrecke, meine Teams und unsere Fans sehr vermisse, versuche ich positiv zu bleiben. Wir stehen auch diese Zeit zusammen durch, und geben danach wieder richtig Vollgas!!!“

DTM Homestory Nico Müller ©Audi

Wie bereitest du dich aktuell mit deinem Team Abt auf die neue DTM-Saison vor und wie sieht dein Fitnessprogramm aus?

Müller: „Leider ist die Vorbereitungszeit ja deutlich länger als geplant. Mit meinen Jungs von ABT stehe ich in regelmäßigem Austausch via Telefon und Email. Wir versuchen nun noch besser und tiefer im Detail auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet zu sein, als sowieso schon.

Wir haben hier in der Schweiz das Glück, noch draußen trainieren zu dürfen. Ich bin viel auf dem Rennrad und E-MTB, sowie beim Laufen. Das Wetter hilft aktuell sehr, diese spezielle Situation auszuhalten.

Zusätzlich habe ich einen Highend-Rennsimulator bei mir zu Hause, mit dem ich meine Reflexe optimal scharf halten – und mich sogar gegen andere Rennfahrerkollegen online messen kann.

Apropos Sim-Racing: Wie gefällt dir als Neueinsteiger die virtuelle Racingszene und welcher Unterschied besteht tatsächlich zu einem echten Simulator wie bei Audi oder Dragon?

Müller: „Im Simulator der Rennteams geht es natürlich viel mehr darum, gewisse Setupparameter auszuprobieren, den Fahrer auf die kommende Strecke vorzubereiten oder im Beispiel der Formel E, Energiestrategien auszuprobieren.

Im Sim-Racing ist Competition angesagt, Rennen und Zweikämpfe fast wie draußen auf der echten Rennstrecke. Gleichzeitig kannst Du auch hier dein Auto abstimmen oder bereits mit einfachen Tools wie der Bremsbalance oder dem Reifendruck deine Performance verbessern.

Nico Müller Sim-Racing-Fieber ©Müller,Instagram

Man merkt richtig, wie einem der Wettkampfgeist packt, Du dich nicht nur mit anderen Sim-Racern messen – sondern diese auch schlagen willst. Der Adrenalinspiegel und auch die Nervosität vor einem Rennen oder einem Qualifying kommen dem vor einer „echten Session“ verblüffend nahe!“

Themawechsel Formel E. Wie hast du die bisherigen Rennen für dich persönlich in Riad, Santiago, Mexico und Marrakesch erlebt und was stimmt dich positiv für den weiteren Saisonverlauf?

Müller: „Als einziges richtiges Privatteam mit eigenem Antriebsstrang ist die Aufgabe gegen die zahlreichen großen Werksteams natürlich eine sehr große. Doch ich bin überzeugt, dass wir diese unter Druck setzen können, wenn alles zusammenpasst.

Wir hatten bisher leider kein Wochenende, an dem wir ohne Zwischenfälle unsere Performance in Resultate umsetzen konnten.

Mein Qualifying in Mexico mit dem 7. Startplatz hat aufblitzen lassen, was aktuell etwa möglich ist. Leider hatten wir aber noch kein reibungsloses Rennen und stehen aktuell mit einem 12. Platz (Santiago) als bestes Ergebnis ohne Punkte da, was natürlich nicht zufriedenstellend ist.

Wir machen von Wochenende zu Wochenende Schritte in die richtige Richtung und ich bin überzeugt, dass uns bald auch das nötige Quäntchen Glück hold ist.“

Nico Müller (CHE), GEOX Dragon, Penske EV-4 ©courtesy by FormulaE

Wie kommst du mit dem Ein-Tages-Format der Formel E zurecht?

Müller: „Die Formel E macht Spaß und ist eine echt große Herausforderung – gerade wegen ihres Formates und der Strecken. Du hast gerade als Rookie extrem wenig Zeit, dich auf die neuen Strecken einzuschießen, das Auto abzustimmen und dich ans Limit heranzutasten.

Die Stadtkurse – welche erst am Renntag zum ersten Mal richtig befahren werden – verzeihen null Fehler und treiben das Adrenalin in die Höhe. Ich liebe diese Herausforderung!“

Abschließende Frage: Wie verbringst du Ostern?

Müller: „Zu Hause, und wahrscheinlich bei der aktuellen Wettervorhersage vor allem auf dem Rad und auf der Terrasse…“

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