Zum Inhalt springen

Formel E: Tabellenführer Alex Sims (BMW) im Interview: „In der Formel E immer oben zu bleiben, ist ganz ganz schwierig“

Alex Sims BMW, Sieger in Diriyyah ©Sims,BMW

BMW-Pilot Alexander Sims führt aktuell die Formel-E-Meisterschaft an. Nach seinen Premierensieg beim Diriyya E-Prix Ende November schwebt der 31-jährige Brite auf Wolke 7 und kann ganz entspannt den Jahreswechsel angehen. Zur Premiere des BMW Sim-Racing-Events Anfang Dezember kam Sims höchstpersönlich in die BMW-Welt nach München, um den Teilnehmern über die Schulter zu schauen und Tipps zu geben.

Für Bildpresse2010.blog nahm sich der Tabellenführer ausgiebig Zeit, um über den Saisonauftakt in Saudi-Arabien und seine schwierige Phase im ersten Formel-E-Jahr zu sprechen und was er über Weihnachten und den Jahreswechsel unternimmt.

Herr Sims , Gratulation zu ihrem Premierensieg in der Formel E. Verraten Sie uns bitte das Geheimnis Ihrer beiden Poles und Ihren Premieren-Sieg zum Formel-E-Auftakt?

Sims und Günther BMW i Andretti Motorsport jubeln ©courtesy by FormulaE

Alexander Sims: „Die beiden Poles waren das Ergebnis des ersten Freien Trainings, die ganz reibungslos verliefen. Wir brachten den BMW iFE.20  in einer guten Balance und haben es verstanden, die Reifen für Riad in ein ziemlich gutes Arbeitsfenster zu bekommen.

Für das Qualifying gab es eine klare Strategie. In meiner Qualigruppe (3 und 2) waren wir ganz gut, nicht ganz die Besten. In der Superpole war ich in der Lage, eine wirklich saubere Runde hinzuzaubern. Ich verlor nicht wirklich Zeit, egal wo ich unterwegs war. Im Qualifying ist es normal, dass du keine perfekte Runde hinbekommst. Das Auto lief sehr gut, für mich war die Bestzeit schon überraschend. Damit war ich sehr zufrieden.

Das Wochenende löste bei mir unterschiedliche Gefühle bei beiden Rennen aus. Das erste Rennen war eine ziemliche Enttäuschung für mich. Ich beging etliche kleine Fehler, die Kommunikation zwischen meiner Boxencrew und mir war alles andere als perfekt. Glücklicherweise hatten wir ein ‚Double-Header‘-Wochenende, da konnten wir die Fehler vom Freitag vermeiden.“

Worin lag das Hauptproblem?

Sims: „Es lag an ein paar Dinge. Eines davon war die Balance im Auto, die wir nicht wirklich perfekt auf den Punkt brachten. Ich war in den Kurven nicht gut genug und habe auf den Geraden einfach zu viel Energie verbraucht. Die Situation im Auto habe ich mit dem Team nicht sehr gut kommuniziert.

Zur Rennhälfte lag ich auf einer ziemlich schlechten Position, ich habe dann einfach zu viel Energie verbraucht. Die Autos hinter mir kamen immer näher, Vandoorne (Mercedes) setzte mich gehörig unter Druck. Am Ende des Rennens beging ich einen weiteren kleinen Fehler, der mich auf Platz 8 zurückwarf. Aus mehreren Gründen war es von mir kein gutes Rennen.“

BMW hat einen der effizientesten Antriebsstränge im gesamten Feld. Warum der Energieverbrauch dennoch zu hoch?

Sims: „Rennen 1 hatte nichts mit dem Antriebsstrang zu tun. Es lag ausschließlich an mir, wie ich das Rennen fuhr und mit dem Energiemanagement umging. Das war einer der großen Fehler, die ich beging.“

Alexander Sims vor Sebastien Buemi ©BMW

Ihre Premierensaison in der Formel E war von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Wie gingen Sie mit der ganzen Situation um?

Sims: „Letzte Saison hatten wir zahlreiche Lernmomente, etliche schwierige Rennen und schwierige Wochenenden. Wir fühlten, dass die Performance zwar vorhanden war, doch die guten Ergebnisse blieben aus. Daher arbeiteten wir kontinuierlich weiter, um uns zu verbessern und verloren den Glauben an uns nicht.

Zum Saisonabschluss in New York hatten wir ein sehr gutes Rennwochenende. Es bestätigte uns, dass die Performance stimmte.

Da ich bei BMW im Sommer weiterhin unter Vertrag stand, gingen die Testarbeiten für die neue Saison kontinuierlich weiter. Ich blieb immer noch Teil des ganzen Teams und das änderte sich auch bis heute nicht. Klar wartete ich auf die Vertragsunterzeichnung für die nächste Formel-E-Saison und schon bald gab es mit BMW Gespräche darüber. Dann erfolgte auch sehr rasch eine Einigung.“

War es ein großer Vertrauensbeweis von BMW, Sie weiterhin zu behalten?

Sims: „Ich hatte von Tag 1 an immer das Vertrauen zu BMW, auch während der ganzen Saison durch. Die Beziehung wurde immer besser. Ich habe es sehr genossen, mit ihren zusammenzuarbeiten.

Daher wollte ich nirgendwo anders hin, ich wollte bei BMW bleiben. In den letzten zwei, drei Rennen konnte ich mich enorm steigern, dass sich in den Ergebnissen wiederspiegelte. Mit der Pole in New York, meinen ersten Podestplatz (Platz 2) und dem insgesamt starken Rennwochenende habe ich BMW Vertrauen zurückgegeben.“

Sie reisen als Tabellenführer zum Santiago E-Prix. Wie sieht ihre Vorbereitung darauf aus?

Sims: „Die Vorbereitung ändert sich nicht allzu sehr. Für jedes Rennen versuchen wir, uns in der Vorbereitung weiter zu verbessern. Wir werden für Chile den Simulator nutzen, denn das Streckenlayout hat sich gegenüber dem Rennen in der Vorsaison ein wenig geändert. Es gibt die Schikanen nicht mehr, da wird es ziemlich schnell abgehen. Das macht uns sicherlich viel Spaß. Wir versuchen, möglichst viel von der Strecke zu verstehen, vom Energiemanagement und der Strategie, also all die üblichen Sachen.“

Sims und Bildpresse2010.blog ©EHirsch

Wie schafft man es, ganz oben in der Formel E zu bleiben?

Sims: „Erstens: in der Formel E immer ganz oben zu bleiben, ist wirklich sehr, sehr schwierig. Ich bin insgesamt mit dem Qualifying-Format einverstanden. Aber natürlich ist es für die Besten, die im Qualifying in Gruppe 1 starten, schwieriger, sich eine gute Ausgangsposition für das Rennen wegen der sich ändernden Streckenbedingungen zu schaffen.

Die Regeln wurden entworfen, um die Meisterschaft spannend zu machen. Ich erwarte nicht, dass ich weiterhin ganz oben stehe. Ich bin mir sicher, wir werden auch wieder Rückschläge hinnehmen und müssen uns dann wieder herankämpfen.  Es wird eine Saison mit Höhen und Tiefen. Mein großer Fokus wird sein, mir keine allzu großen Schwächephasen während der laufenden Saison zu leisten. Ich versuche Punkte zu sammeln, eben wenn es mal nicht so läuft.“

Was machen Sie über Weihnachten und den Jahreswechsel?

Sims: „Die Weihnachtszeit widme ich vollständig meinen Kindern, ich habe drei Jungs, 5 Jahre alt und jünger. Sie sind schon sehr auf Weihnachten gespannt. Ich werde die Familie sehen, nehme mir eine Auszeit von den Rennen. Die Formel-E-Saison ist ziemlich hektisch, man ist ziemlich beschäftigt. Wir fangen wieder früh an im Januar, daher ist sehr sehr wichtig, zwei, drei Wochen komplett abzuschalten, um danach mit ganzer Frische an die neuen Aufgaben heranzugehen.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: