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Formel E: XXL-Interview: Max Günther über das verlorene Podest, BMW und Simulator-Arbeit

Max Günther und Alex Sims BMW ©courtesy by FormulaE

Das deutsch-amerikanische Team BMW i Andretti Motorsport hat mit Maximilian Günther einen neuen Piloten zur Saison 6 verpflichtet. Beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien zeigte der 22-jährige Deutsche bei seinem Debüt für BMW eine vielversprechende Leistung.

Besonders das zweite Rennen mit Platz 2 lief ganz nach dem Geschmack des jungen Allgäuers. Der BMW-Doppelsieg wurde zwar durch die nachträgliche Zeitstrafe für Günther vereitelt, doch die Art und Weise, wie der Kemptener sein ersten Rennwochenende für BMW absolvierte, beeindruckte die Szene.

Wie Günther seine Premiere auf dem Formel-E-Podium empfand, den Kampf um Platz 2 gegen Lucas di Grassi erlebte und wie die Zusammenarbeit mit Auftaktsieger Alexander Sims läuft, verrät Günther hier im großen Bildpresse2010-Interview.

Maximilian Günther, Sie standen in Saudi-Arabien zum ersten Mal auf dem Siegerpodest der Formel E. Mit welchen Gefühl?

Es war ein Mega-Gefühl für mich und hoffentlich sehr bald wieder. Dann nehme ich auch die Punkte im Gepäck mit und muss sie nicht wieder hergeben (lacht…).

Es war ein cooles Podium und ein sehr spezieller Moment für mich, wenn man in der Formel E auf dem Podium stehst. Ich kenne das Gefühl noch zu Zeiten aus den Nachwuchsklassen und da war es schon immer ein tolles Gefühl. In so einer hochkarätig besetzten Serie wie der Formel E ganz oben zu stehen, ist schon etwas ganz Besonderes.

Siegerehrung Diryya E-Prix 2019 ©BMW

Wie haben Sie das Rennen mit Platz 2 erlebt?

Insgesamt war es ein sehr gutes Rennen. Ich bin ja von Startplatz 9 ins Rennen gegangen und habe mir die Energie sehr gut eingeteilt. Ich machte Platz für Platz gut und überquerte schlussendlich als Zweiter die Ziellinie. Besonders beim ersten Rennwochenende für BMW war das schon sehr cool.

Es ist natürlich sehr schade, dass ich die Punkte wegen der Strafe verloren habe. Wir müssen das akzeptieren und im Endeffekt unsere Lehren daraus ziehen, was wir in Sachen Kommunikation für das nächste Rennen besser machen können. Wir haben es intern aufgearbeitet. Ich nehme dennoch das positive Gefühl vom ersten Rennwochenende für das kommende Rennen in Chile mit.

Im weiteren Rennverlauf in Diryya haben Sie sich erfolgreich gegen den heranstürmenden Formel-E-Champion von 2016/2017 Lucas di Grassi verteidigt. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Die letzten Runden waren für mich sehr kompliziert, weil ich im rechten Spiegel gar nichts mehr sah. Es gab davor mit Stoffel Vandoorne  (Mercedes) eine Kollision, bei der meine ganze rechte Frontseite beschädigt wurde. Es fehlte sehr viel an der Verkleidung und deswegen gab es auch keinen Anpressdruck mehr. Das Auto hat stark untersteuert und es war ein Handicap für mich mit dem rechten Spiegel nichts mehr zu sehen. Ich möchte schon erkennen können, was der Kollege hinter dir macht.

Es war eine erschwerte Situation, aber trotzdem hatte ich eine ganz gute Pace und ein bisschen mehr Energie als er, da ich in den Runden zuvor gut mit der Energiemenge haushaltete. Ich wusste genau, wo ich die Lücke zu machen und aus welchen Ecken ich gut rauskommen musste, da er im Gegensatz zu mir noch den ‚Attack Mode‘ hatte.

An den wichtigen Stellen habe ich das Spiel ganz gut gespielt und ihn hinter mir halten können. Ab dem Moment, wo er keinen ‚Attack Mode‘ mehr hatte, war er dann keine direkte Gefahr mehr für mich. Ich konnte ein wenig wegfahren und als Zweiter das Rennen beenden.

Max Günther Diryya E-Prix 2019 ©BMW

Wie wichtig ist es für Sie zu wissen, einen zuverlässigen und vor allem effizienten Antriebsstrang mit dem BMW iFE.20 unter der Haube zu haben?

Für mich ist es mit BMW insgesamt eine tolle Situation. Es passt alles gut zusammen, wir haben gute Arbeit bei den Testfahrten geleistet und stehen gut da. Wie gut das sein mag, wird man über die Saison hinaus natürlich sehen.

Insgesamt war es für mich primäres  Ziel, in eines der Topteams der Formel E zu kommen und BMW ist ganz klar eines davon. Es ist ein tolles Gefühl, im Rennen die Chance zu haben, mit den Topleuten zu fighten, da man eben Waffen hat, die mindestens genauso gut sind.

Maximillian Günther (DEU), BMW I Andretti Motorsports, BMW iFE.20 ©courtesy by FormulaE

Wie hat sich die Qualität gegenüber der vergangenen Saison verändert?

Die Competition ist sowas von enorm hoch. Man hat es schon bei den Testfahrten gesehen und auch jetzt am ersten Rennwochenende. Nahezu jedes Team ist in der Lage, um die ersten Plätze mitzufahren. Natürlich waren die Teams, die in Saudi-Arabien vorne standen, sehr stark.

Es ist typisch Formel E, dass man von Wochenende zu Wochenende das Kräfteverhältnis am Durchmischen hat. Man kann sich auf nichts ausruhen. Wir hatten ein sehr gutes Rennwochenende hinsichtlich der Pace, vor allem am zweiten Renntag. Wir werden jetzt weiter hart arbeiten, um diese gute Form in die nächsten Rennen mitzunehmen.

Wie groß ist die Vorfreude auf das nächste Rennen in Santiago Chile ?

Ich freue mich sehr auf das Rennen. Mir hat dort die Location in Saison 5 schon gut gefallen. Es ist eine coole Strecke. Es herrschen sehr heiße Bedingungen, im Rennen macht es daher schon einen Unterschied, da man auf die Batterie mehr achten muss. Die Überhitzung der Batterie wird sicherlich ein großes Thema werden. Ich erwarte ein heißes Rennen, zumal es leichte Streckenkorrekturen gibt.

Verfolgen Sie als Fahrer das politische Geschehen in Chile, wo aktuell große Unruhen in der Hauptstadt herrschen?

Das ist für mich kein Thema. Ich konzentriere mich zusammen mit meinem Team auf meinen Job.  Wir versuchen in den kommenden Wochen die bestmögliche Vorbereitung zu machen und ein klasse Rennwochenende abzuliefern. Das ist für uns der einzige Fokus, alles andere liegt nicht in unserer Entscheidungskraft. Ich freue mich auf das Rennen in Chile genauso wie auf jedes andere Rennen auch.

Wie kam es für Sie zum Wechsel von Dragon zu BMW?

Gegen Ende von Saison 5 entstand der Kontakt zu BMW, nachdem ich ein paar ganz gute Ergebnisse und Qualifyings ablieferte. Wir setzten uns zusammen und sprachen über Möglichkeiten für Saison 6. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Deal konkret. Ich bin dann meine ersten Tests gefahren, arbeitete im Simulator und war dann ab August offizielles Teammitglied.

Für mich ging ein Traum in Erfüllung, mit so einem großen Team und tollen Hersteller wie BMW in der Formel E zu fahren. Es ist schon ein Hammer, vor allem als Bayer beim bayerischen Automobilkonzern zu arbeiten. Es passt alles zusammen und ich fühle mich sehr wohl im Team.

Max Günther und Alex Sims BMW ©courtesy by FormulaE

Arbeiten Sie mit ihren Teamkollegen Alexander Sims, der das zweiten Rennen in Diriyya gewann, gemeinsam am Setup zusammen oder macht das jeder Fahrer für sich?

Das ist komplett transparent. Es ist unsere Philosophie: Wir arbeiten als ein Team. Das war schon bei den Testfahren so und auch bei den Rennwochenenden. In Saudi-Arabien versuchten wir unser Packet so gut wie möglich zu schnüren und dann macht jeder Fahrer für sich das Beste daraus. Natürlich kämpft jeder Fahrer im Rennen und Qualifying für sich, aber bis dahin sind wir ein Team.

Viel Vorbereitungszeit auf ein Rennen läuft mittlerweile im Simulator ab. Haben Sie zu Hause einen Simulator mit mehreren Monitoren stehen?

Meine Philosophie lautet, dass ich mich ausschließlich auf den Simulator meines Teams vorbereite. Es ist der Simulator, der am Rennauto am nähesten dran ist. Wie sagt man so schön zu anderen Dingen: zu viele Köche verderben den Brei.

In diesem Sinne, zu viele Simulatoren verderben den Brei. Für mich habe ich den Weg gefunden, dass ich mich nur mit dem Team-Simulator vorbereiten möchte. Der Simulator von BMW ist übrigens sehr, sehr gut und ein wichtiger Bestandteil unserer Vorbereitung.

Verspürten Sie beim Debüt für BMW einen besonderen Druck?

Ich bin das Rennen wie jedes andere Rennwochenende angegangen. Natürlich ist es etwas besonders, BMW zu präsentieren, aber die Herangehensweise auf das Rennwochenende verändert sich nicht. Ich konzentriere mich auf mich selbst, aus mir, aus meinen Job, aus dem Team und aus dem Auto alles herauszuholen, Session für Session. So wird es auch in Chile sein. Ich mache Stück für Stück meine Arbeit und versuche das optimal zusammenzusetzen.

Das Generation-3-Auto der Formel E soll ab dem Jahr 2022 sagenhafte 450 kW Leistung spendiert bekommen. Wie beurteilen Sie das als Fahrer?

Für uns Fahrer gilt sowieso: Je mehr Leistung, umso besser, weil es einfach mehr Spaß macht. Die aktuellen Autos sind jetzt schon richtig schnell, vor allem die Beschleunigung vom Elektroantrieb ist sehr beeindruckend.

Wenn man solche Werte hört, dann geht das Rennfahrerherz auf. Ich weiß noch nicht, wieviel davon konkret ist, aber ich freue mich jedenfalls auf die Zukunft. Vermutlich gibt es noch schnellere Autos. Die Herausforderung Formel E wird dadurch sicherlich nicht einfacher werden.

Saison 6 hat gerade begonnen, 12 E-Prix stehen im neuen Jahr noch auf dem Programm. Auf welche Location sind Sie denn besonders gespannt?

Unabhängig von Berlin, das Heimrennen ist für mich ein Highlight, ist  New York etwas besonders und ich freue mich extrem auf das Saisonfinale in London. Dort gibt es eine tolle Kulisse. Ich habe schon eine ungemeine Vorfreude auf die Rennen in Jakarta und Seoul, da ich diese beiden Länder noch nie gesehen habe. Das sind besondere Ziele.

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