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Formel E: Porsche und Mercedes: Einstand nach Maß zum Saisonauftakt

Andre Lotterer, Porsche ©Porsche

Was für ein Einstand für die beiden Newcomer Porsche und Mercedes in der Formel E.

Beim Saisonauftakt in Diriyya (Saudi-Arabien) gelang den beiden neuen deutschen Automobilherstellern in der Elektro-Rennserie ein Einstand nach Maß. Die ‚Stuttgarter Stadtmeisterschaft‘ entschied Porsche knapp für sich.

Der deutsche Porsche-Pilot André Lotterer erreichte in seinen Porsche 99X Electric mit der Startnummer 36 Platz 2 und bescherte der Porsche-Truppe ein glänzendes Debüt.

„Ein Mega-Debüt für uns alle: Platz zwei“, grinste Lotterer bis über beide Ohren. „Als ich dem Team vor ein paar Wochen gesagt habe, dass ich aufs Treppchen möchte, haben mich alle angeschaut, als ob ich verrückt sei. Jetzt haben wir es geschafft. Harte Arbeit und etwas Glück. Das Qualifying war mit Platz 7 ganz okay.

Dann bin ich das Rennen ruhig angegangen, habe auf das Energie-Management geachtet und konnte dank der früh eingesetzten ‚Attack Modes‘ an einigen Konkurrenten vorbeiziehen. Am Ende dachte ich, dass wir das Rennen vielleicht sogar gewinnen könnten. Aber ich wollte nicht zu viel riskieren. Ein zweiter Platz ist für den Anfang doch nicht schlecht“, resümierte der 38-jährige Duisburger.

Lotterer im Porsche, Diriyyah ©Porsche

Der dreimalige Gewinner des 24-Stunden-Rennen von Le Mans und FIA-Langstrecken-Weltmeister 2012 (WEC) ging von Startposition 7 in das Rennen auf dem 2,494 Kilometer langen Kurs nordwestlich der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.

Lotterer arbeitete sich Position um Position nach vorn und sicherte sich dank klug eingesetzten Energiemanagement in Runde 30 den zweiten Platz hinter Sieger Sam Bird (Virgin Racing). Nachdem Audi-Pilot Daniel Abt nach einem Unfall eine Safety-Car-Phase auslöste, bestand die Möglichkeit einer weiteren Attacke auf den Führenden Bird.

Mit dem Briten hat Lotterer noch eine Rechnung aus der Vorsaison offen, als Bird den Premierensieg des Deutschen (damals noch im DS Techeetah) in Hongkong mit einem unfairen Manöver in letzter Sekunde verhinderte. Doch der Duisburger ließ sich nicht zu einen risikoreichen Attacke hinreißen und fuhr stattdessen abgeklärt Platz 2 für seinen neuen Arbeitgeber nach Hause.

Damit belegt der Deutsche nach dem ersten Saisonrennen mit 18 Zählern auch den zweiten Platz in der Fahrermeisterschaft hinter Bird (26 Punkte).

Porsche-Jubel zum FE Auftakt ©Porsche

Ganz aus dem Häuschen waren nicht nur Pascal Zurlinden (Gesamtprojektleiter Werksmotorsport Porsche) und Porsche-Technikchef Malte Huneke (siehe Foto), sondern auch Michael Steiner, seines Zeichen Mitglied des Vorstandes Forschung und Entwicklung bei Porsche.

„Wahnsinn, was heute passiert ist. Das hätte ich nicht erwartet. Wir sind stolz, bei unserem ersten Rennen gleich aufs Podium gefahren zu sein. Und morgen greifen wir wieder voll an.“, so Steiner.

Ins gleiche Horn bließ Fritz Enzinger, Leiter Porsche Motorsport: „Die Erkenntnis von Riad: Porsche kann‘s auch elektrisch“, so der Österreicher, der ergänzte „Unglaublich – unser erstes Rennen und gleich auf dem Podium. Die Arbeit der vergangenen anderthalb Jahren hat sich gelohnt.

André Lotterer ausgezeichnet, Neel Jani auch gut unterwegs. Ein großes Danke an alle, die bei dem Projekt involviert sind, und die Porsche-Kolleginnen und -Kollegen, die uns die Daumen gedrückt haben. Jetzt heißt es volle Konzentration auf das zweite Rennen.“

Für Lotterers Teamkollege Neel Jani lief die Porsche-Premiere weniger erfolgreich. Nachdem der Schweizer wegen einer Gelbphase am Ende des Qualifyings von Startplatz 20 ins Rennen gehen musste, konnte er im Rennen nicht viel ausrichten. Dennoch überwiegt bei Jani die Freude ob des gelungen Einstands seines Freundes Lotterer.

„Zunächst einmal Gratulation an André und das gesamte Team“, freute sich Jani für die Porsche-Mannschaft. „Das Podium beim ersten Rennen zeigt, dass unsere Entwicklungsarbeit gut war. Bei mir lief es leider im Qualifying nicht ideal und ich musste dann von weit hinten ins Rennen gehen. Mitte des Rennens habe ich aber meine Pace und meinen Rhythmus gefunden. Darauf werde ich morgen aufbauen“, fasste der Schweizer sein Porsche-Debüt zusammen.

Mercedes: Platz 3 für Stoffel Vandoorne

Das Mercedes-Benz EQ Formel-E-Team startete bei seiner Rennpremiere erfolgreich in eine neue Ära: Unter den Augen von Mercedes-Motorsportboss Toto Wolff erkämpfte Stoffel Vandoorne im ersten E-Prix in der Geschichte von Mercedes-Benz mit Platz 3 der erste Podestplatz des Teams.

Stoffel Vandoorne,Mercedes ©Mercedes,LAT Images

„Erstes Rennen, erstes Podium: das ist eine unglaubliche Leistung des gesamten Teams“, strahle der Belgier. „Hinter uns liegt eine ereignisreiche Saisonvorbereitung, in der es nicht einfach war, alles auf den Punkt hinzubekommen. Jetzt mit einem Podestplatz in die Saison zu starten, ist fantastisch für uns alle“, so der Tenor des Ex-Formel-1-Piloten.

Teamkollege Nyck de Vries zeigte ebenfalls eine bärenstarke Leistung und erreichte bei seinem Debüt in der Elektro-Rennserie auf Anhieb Platz 6.

„Was für ein erster Renntag: Pole in der Qualifying-Gruppe, Platz 3 in der Super Pole, Platz 6 im Rennen und Stoffel stand auf dem Podium – mit diesem Ergebnis können wir zufrieden sein“, freute sich der junge Niederländer über seinen gelungenen Einstand.

Erste Führungskilometer von Vandoorne:

Im Qualifying ließen beide Mercedes-Piloten gewaltig aufhorchen. Vandoorne verpasste knapp die Pole-Position und kam auf Platz 2, einen Platz dahinter psitionierte sich Teamkollege de Vries auf Platz 3.

Vandoorne führte den Diriyya E-Prix im letzten Renndrittel sogar zwischenzeitlich an. Damit sammelte der Belgier die ersten Führungskilometer mit dem neuen Mercedes-Benz EQ Silver Arrow 01.

Wenige Minuten vor Rennende hatte der Mercedes-Pilot großes Pech. Vandoorne überfuhr gerade die Aktivierungsstreifen für den Attack-Mode und büßte abseits der Ideallinie einen Platz ein, als das Safety Car in Folge eines Unfalls von Audi-Pilot Daniel Abt auf die Strecke ging. Dadurch verlor der Belgier den Vorteil des Attack-Modes und beendete das Rennen schlußendlich  auf Position 3.

„Herzlichen Glückwunsch an jeden Einzelnen, der dabei mitgeholfen hat“, so Vandoorne. „Mit einem Jahr Erfahrung in der Formel E konnte ich ebenfalls meinen Teil dazu beitragen und ich bin sehr stolz auf alle Beteiligten.

Das gute Qualifying war natürlich ein großartiger Weg, um in unser erstes Rennwochenende zu starten. Wir hatten mit unseren späteren Gruppen vielleicht einen kleinen Vorteil, aber wir mussten diese Leistung auch erst einmal abrufen und das ist uns gelungen. Es war kein perfektes Rennen, aber das ist gut. Es gibt noch viele Dinge, die wir verbessern können, aber dies war ein besseres Ergebnis, als wir es beim Debüt erwartet hätten“, resümierte Vandoorne.

Für Mercedes war es der erste Podestplatz im ersten Rennen in der Elektrorennserie, für Vandoorne war es bereits das zweite Podium in der Formel E. Das erste Podium mit Platz 3 gab es mit Mercedes-Vorhut HWA in der letzten Saison beim Rom E-Prix.

Nyck de Vries,Diriyah ePrix 2019 ©Mercedes,Sebastian Kawka

Sein Teamkollege Nyck de Vries lag für zwei Renndrittel ebenfalls auf einem Podestplatz und beendete sein Debütrennen in der Formel E nach 34 Rennrunden mit seinen ersten Zählern auf Platz 6.

„Im Qualifying hatten wir einen leichten Vorteil, da wir in den Gruppen 3 und 4 an den Start gegangen sind“, sagte de Vries. „Aber ich freue mich trotzdem für das Team, dass wir unser Abenteuer auf diese Weise positiv beginnen konnten. Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht, dass ich im Rennen nicht hinter Stoffel ins Ziel gekommen bin.

Ohne die Berührung mit Andre Lotterer und dem verpassten Attack-Mode wäre es vielleicht möglich gewesen. Dadurch habe ich 1,8 Sekunden verloren, den Attack-Mode nicht nutzen können und musste es erneut versuchen. Aber alles in allem können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein. Jetzt werden wir weiter hart arbeiten, denn dies war erst der Anfang“, fasste de Vries sein Renndebüt im Mercedes-Auto zusammen.

Bei den Racing-Fans sind die beiden Mercedes-Piloten gut angekommen. Sowohl de Vries als auch Vandoorne erhielten den FanBoost, der für das Rennen jedoch nicht entscheidend war.

Teamchef Ian James feierte damit einen gelungen Einstand mit dem neugegründeten Mercedes-Team. „Wow, was für ein Debüt! Die Plätze 3 und 6 in unserem ersten Rennen sind weit mehr, als wir erwartet hatten“, sagte der Brite. „Das ist eine riesige Belohnung für das gesamte Team. Das Rennen hat gezeigt, dass wir in den zurückliegenden Monaten mit unseren Autos ein gewisses Niveau an Konstanz erreicht haben.

Aber der Rennverlauf hat ebenfalls gezeigt, dass zwischen allen Teams eine hohe Wettbewerbsdichte herrscht. Das Feld hatte eine schnelle Pace und lag das gesamte Rennen über sehr eng zusammen.

Ich bin überzeugt, dass wir morgen ein ganz anderes Rennen erleben werden. Dann geht es für alle von Neuem los. Deshalb müssen wir weiter konzentriert bleiben und dürfen uns nicht von diesem sehr schönen Ergebnis heute ablenken lassen“, fügte der Mercedes-Verantwortliche hinzu.

Rennen Nummer 2:

Der zweite Saisonlauf findet bereits am morgigen Samstag statt. Dann wird erneut auf der 2,494 km langen Strecke in Diriyah gefahren. Die Renndistanz beträgt wie bei jedem E-Prix 45 Minuten plus eine Runde.

Im Gegensatz zum Freitag steht den Fahrern vor dem Qualifying am Samstag jedoch nur ein 45-minütiges Freies Training zur Vorbereitung zur Verfügung.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die beiden Newcomer erneut stark in Szene setzen können.

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