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DTM: Stop or Go? – Reifenflüsterer Rockenfeller siegt bei Reifen-Krimi in Assen

Mike Rockenfeller, Audi ©Hankook,DTM

Die Niederlande sind für Audi-Pilot Mike Rockenfeller ein gutes Pflaster. Der DTM-Champion von 2013 gewann am Sonntag im holländischen Assen den zehnten DTM-Lauf der Saison 2019 und beendete damit eine lange Durststrecke.

Schlüssel zum Erfolg: Der sorgsame Umgang mit und die clevere Einteilung der Hankook-Reifen. Rockenfeller absolvierte die Renndistanz in Assen mit nur dem einen Pflichtstopp – und entschied das Rennen für sich. Reifenflüsterer Rockenfeller feierte seinen insgesamt 6. DTM-Sieg in seiner Karriere.

Start DTM Assen 2019 ©Hankook, Hoch Zwei

Reifenflüsterer 1: Mike Rockenfeller

„Es war heute beim trockenen Rennen entscheidend, die Hankook Reifen gut zu managen“, sagte Rockenfeller nach seinem insgesamt 6. DTM-Sieg in seiner Karriere. „Wir haben ungefähr nach der Hälfte der Distanz gewechselt und gegen Ende bin ich auf der Hinterachse am Limit gefahren. Aber wir wusste vorher, dass der Reifenverschleiß in Assen hoch sein wird. Bei uns ist alles gut gelaufen, so dass ich mit einem Stopp sauber durchfahren konnte“, freute sich ‚Rocky‘ diebisch über seinen Triumph.

Zum letzten Mal konnte der 35-Jährige im Jahr 2017 über einen Erfolg in der DTM jubeln, als er im niederländischen Zandvoort triumphierte. Dort gelang Rockenfeller 2011 auch der erste Sieg in seiner DTM-Karriere. Im Gegensatz zum Regenrennen am Samstag herrschten beim Sonntagslauf in Assen trockene Bedingungen. Bei Streckentemperaturen von 30 Grad und teilweise langen Stints wurden vor allem die Reifen stark belastet.

Siegerehrung,DTM Assen 2019 ©Hankook,Hoch Zwei

Rockenfeller war in Assen als Dritter ins Rennen gegangen. Nach einem guten Start verbesserte sich der Audi-Pilot auf Platz 2, während Pole-Setter Rast seine Spitzenposition behaupten konnte. In Runde 17 holte sich Rockenfeller an der Box neue Slicks und wurde damit immer schneller. Schließlich überholte er seinen in Führung liegenden Markenkollegen Rast und überquerte nach 37 Runden als Erster die Ziellinie.

Für manchen Piloten wurde der Reifenkrimi zum Verhängnis- Tabellenführer Rene Rast oder BMW-Pilot Philipp Eng mussten gar zweimal die Box ansteuern, um sich frische Slicks abzuholen.

Reifenflüsterer 2: Marco Wittmann

Ein weiterer Reifenflüsterer war Samstagsieger Marco Wittmann (BMW), der vom Assen-Wochenende die meisten Zähler einstreichte. Der zweifache DTM-Champion sicherte sich mit einer fantastischen Leistung den zweiten Rang. Nach technischen Problemen im Qualifying (Turbolader) musste der BMW-Pilot das Rennen vom letzten Platz aus in Angriff nehmen. Der 29-Jährige fuhr von Anfang an die schnellsten Zeiten und startete eine grandiose Aufholjagd. Bereits in Runde 13 absolvierte er seinen Pflicht-Boxenstopp, fuhr mit dem neuen Satz Rennreifen auf Rang 2 vor und verteidigte diese Position trotz eines sehr langen zweiten Stints bis ins Ziel.

Marco Wittmann, Schaeffler BMW M4 DTM, Assen1 ©Schaeffler

„Wir hatten am Samstag ein Regenrennen, heute war es trocken und Neuland für uns. Deshalb war es extrem schwierig, den Reifenverschleiß einzuschätzen“, so der Franke. „Ich habe von Anfang an gepusht und alles aus den Reifen herausgeholt, um mich von Platz 18 nach vorne zu kämpfen. Das ist mir mit unserer Ein-Stopp-Strategie auch gelungen, obwohl es gegen Ende mit den abbauenden Reifen ziemlich schwierig war. Wenn man bedenkt, dass die Last auf den Reifen hier in Assen so brutal hoch ist wie auf keiner anderen DTM-Strecke, haben die Rennreifen gut gehalten“, so der BMW-Pilot, der sich in der Meisterschaft auf Platz 3 verbesserte.

Dessen Markenkollege Philipp Eng verlor einen Platz in der Gesamtwertung, der mit einer Zwei-Stop-Strategie auf Platz 13 kam und keine Punkte einstreichen konnte. Der Salzburger hat als Viertplatzierter aber immer noch realistische Chancen, im Titelkampf eingreifen zu können.

Nico Müller: Kein unnötiges Risiko

Dritter wurde Rasts Markenkollege Nico Müller, der rundenlang Wittmanns Platz 2 streitig machte, aber am BMW-Piloten einfach nicht vorbeikam. Müller packte nicht die Brechstange aus und setzte zu einem waghalsigen Überholmanöver an – Nein, der Schweizer war so intelligent und sicherte sich stattdessen Platz 3. Ganz wichtige Punkte für die Meisterschaft.

„Heute war es ein echter Reifen-Krimi“, so Müller. „Man hat gesehen, dass die Belastung vor allem auf der Hinterachse sehr groß ist und einige Fahrer deshalb eine Zwei-Stopp-Strategie verfolgt haben. Diese DTM-Saison ist bemerkenswert. Heute war das Reifenmanagement der Schlüssel zum Erfolg. Und auch bei mir war es hart am Limit, hat aber funktioniert. Am Ende hätte ich gern etwas mehr attackiert und härter mit Marco Wittmann gekämpft. Doch hinten rechts habe ich Reifendruck verloren und bin deshalb kein Risiko eingegangen, habe die Kerbs gemieden. Ich wollte zwar den Druck hochhalten, aber gleichzeitig auch nicht zu viel wagen. Am Ende bin ich mit Platz drei sehr zufrieden“, resümierte der 27-jährige Audi-Pilot. Müller machte auf Rast, der Fünfter wurde, einige Punkte in der Meisterschaft gut und liegt in der Gesamtwertung auf Platz 2.

Jubiläum Rast:

Apropos Rast: In Assen feierte der DTM-Champion von 2017 ein Jubiläum. Der Audi-Fahrer absolvierte am Rennsonntag in Assen sein insgesamt 50. Rennen. Beeindruckend seine Erfolgsbilanz: 13 Siege und damit ein Triumph in jedem vierten Rennen – bessere Werte hat keiner der aktuellen Fahrer zu bieten. Allein in den vergangenen 16 DTM-Läufen schnappte sich Rast neunmal den größten Pokal.

Aston Martin: Punkte gesammelt

 Jonathan Aberdein und Rene Rast (beide Audi) belegten die Plätze 4 und 5. Daniel Juncadella war als Siebter bester Pilot von DTM-Neueinsteiger Aston Martin. Die starke Pace von Aston Martin im Rennen setzte Juncadella in einen beachtenswerten siebten Platz um. Der Spanier profitierte auch vom schonenden Umgang mit den Reifen und nur einem Boxenstopp im Rennen. Kurz vor dem Fallen der Zielflagge sah es sogar so aus, als könne er nach Rang 5 greifen – Juncadella setzte sich neben Lokalmatador Robin Frijns (Audi, Platz 6), konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Beide musste sich zudem dem heranstürmenden Rast wenige Kurven vor Schluss geschlagen geben.

Aston Martin in Assen ©R-Motorsport

Paul di Resta sorgte mit Platz 8 für weitere Punkte im Hause Aston Martin. Die Top Ten komplettierten Jamie Green mit Platz 9 und Pietro Fittipaldi (beide Audi) mit Platz 10.

Assen: gelungene Premiere

Alles in allem war Assen ein Reise wert. Die DTM-Premiere war ein sehr erfolgreiches Event, wie DTM-Boss bestätigte. „Ich bin zum ersten Mal in Assen und sehr beeindruckt“, sagte der Österreicher. „Ich habe am Samstagabend eine Runde um die Strecke gedreht und ich muss sagen: Ich verstehe nicht, warum die Formel 1 hier nicht fährt.

Es ist eine der besten Rennstrecken, die ich je gesehen habe: Hochgeschwindigkeits-Kurven, hohe Sicherheitsstandards, eine moderne Anlage, ein großes Fahrerlager, große Tribünen, große Parkplätze mit guter Infrastruktur und eine gute Organisation – einfach perfekt. Ich bin wirklich positiv überrascht. Der Veranstalter hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Das hat sich ausgezahlt. Wir haben eine tolle DTM-Premiere in Assen erlebt“, freute sich der ehemalige Formel-1-Fahrer.

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