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FE: Rauf und runter: Bird brillant, Frijns rausgekickt

Sam Bird Formula E, Bern E-Prix 2019 ©FIAFormulaE, Virgin

Erfolgserlebnis für Sam Bird beim Swiss E-Prix in Bern: Der 32-jährige Brite meldete sich mit einer bärenstarken Leistung im Spitzenfeld zurück und überquerte als Fünfter die Ziellinie – nachträglich wurde er sogar als Vierter gewertet, weil Andre Lotterer (DS Techeetah) eine Strafe erhalten hatte. Zudem kassierte Bird mit der schnellsten Rennrunde auf der 2,75 Kilometer langen Strecke in Bern einen weiteren Meisterschaftspunkt.

„Ich habe das Rennen genossen“, sagt Bird, der schon im Qualifying mit dem Einzug in die Super-Pole eine erste Duftmarke setzte.

„Es ist wieder schön, vorne im Spitzenfeld zu landen, wo wir auch hingehören“, so der Brite. Im Rennen gelang dem Virgin-Piloten ein sehenswertes Manöver gegen Maximilian Günther (Dragon), als er in der schnellen Bergab-Passage den Deutschen außen herum überholte. Es war eines der spektakulärsten und gewagtesten Manöver der bisherigen Saison.

Doch die Freude darüber währte nicht lang, denn von hinten machte kurze Zeit später Günthers Landsmann Lotterer mächtig Druck auf Bird. „Es ist schade, dass mich Andre noch überholen konnte. Er hatte beim Manöver den Attack-Mode, und ich leider nicht“, kommentiert Bird die erfolgreiche Attacke des Deutschen. „Wir hatten mit dem Auto heute im Rennen schon einige Probleme, aber wir haben es gut gemeistert“, zeigte sich der Virgin-Pilot zufrieden mit dem Rennausgang. „Platz 4 und die schnellste Runde sind wertvolle Punkte.“

Die heiß diskutierte Entscheidung der Rennleitung, den Re-Start in der ursprünglichen Reihenfolge zu starten, unterstützte der Virgin-Pilot. „Das war absolut fair“, sagte Bird. „Es war eine korrekte Entscheidung, dass sie (Rennleitung) Wehrlein und Günther in ihren ursprünglichen Positionen 4 und 5 erneut starten ließen. Ich glaube, der Renndirektor entschied das Beste und es war das einzig richtige, was er machen konnte. Für mich war es absolut perfekt“, fügte der Vierplatzierte hinzu.

Formel E-Titel ausgeträumt

Von etwaigen Titelträumen musste sich Bird in Bern trotz gutem Ergebnis in der Schweiz endgültig verabschieden, denn der Rückstand auf Tabellenführer Jean-Eric Vergne (DS Techeetah), der in der Schweiz gewann, ist beim Saisonfinale in New York trotz zweier Rennen nicht mehr aufzuholen. „Es war für mich ein sehr schwieriges Jahr“, gibt Bird offen zu. „Platz 5 oder 6 in der Meisterschaft wäre am Ende sehr schön“, so der 32-Jährige, der seit der Formel-E-Premiere 2014 ununterbrochen für Virgin fährt.

Dabei galt Bird vor Saisonbeginn als heißer Titelkandidat. Nach anfänglichen Hoffnungen auf die Titelkrone im ersten Saisonviertel- unter anderem gewann er in Santiago – ging es nach dem Hongkong E-Prix für Bird stetig bergab. Eine Rolle spielte das heiß diskutierte Duell mit Lotterer in Hongkong, als er den Deutschen mit einer sehr grenzwertigen Attacke den Hinterreifen aufschlitzte und damit den Premierensieg des Deutschen verhinderte. Bird wurde der Sieg nachträglich aberkannt.

Seit dem Sanya E-Prix leistete sich Bird vier „Nullnummern“ in Folge. Erst beim Berlin E-Prix schaffte der Virgin-Pilot mit Platz 9 die Wende. Die Meisterschaft war bis dahin aber bereits außer realistischer Reichweite. Bird liegt aktuell auf Rang 9 in der Meisterschaft. Für New York hat sich Bird dennoch einiges für einen versöhnlichen Saisonausklang vorgenommen: „Ich werde versuchen, was mir dort in Saison 3 gelang.“ Damals (2017) feierte der Brite beim Premierenrennen im „Big Apple“ einen Zweifachsieg beim ersten „Double-Header“ in den USA. „Ich hoffe, wir kommen gut durch das New-York-Wochenende, und dann fokussiere ich mich auf die neue Saison“, so Bird.

Robin Frijns unverschuldet ausgeschieden

Während es für Bird langsam wieder bergauf geht, erlebt Teamkollege Robin Frijns derzeit eine schier unglaubliche Pechsträhne. In Bern musste der Niederländer eine „bittere Pille“ schlucken, als er schon kurz nach dem Start Feierabend hatte. Der 27-jährige Virgin-Pilot wurde bei der Massenkarambolage in der Anfangsphase von Jerome d’Ambrosio (Mahindra) ins Aus befördert.

 Robin Frijns (NLD), Envision Virgin Racing, naps by the harbourRobin Frijns , Envision Virgin Racing, ©FiaFormulaE

Während Frijns und die Fahrer vor (Daniel Abt) und neben ihm (Andre Lotterer) auf die erste Schikane zusteuernd abbremsten, fuhr ihm d’Ambrosio ungebremst ins Heck. Dabei drehte sich das Virgin-Auto um 180 Grad, und Frijns blieb entgegen der Fahrtrichtung stehen. Den Restart erlebte der Virgin-Pilot von der Box aus, denn ein Weiterfahren war unmöglich. Die Hinterradaufhängung war gebrochen. „Die ganze rechte hintere Seite war hinüber“, ärgerte sich Frijns.

Frijns schildert den Unfall wie folgt. „Ich fuhr hinter Daniel und neben Andre, die ähnlich wie ich bremsten. Dann kam der Schlag von hinten, ich konnte nichts machen.“ Dabei hatte sich der 27-Jährige für Bern viel vorgenommen: „Ich hatte den Plan, um Punkte zu kämpfen. Wir hatten das Auto und die Pace dafür. Und dann passiert so etwas in der ersten Kurve. Das liegt nicht in meiner Hand“, so Frijns. Für den Vorfall gab es noch während des E-Prix mächtig Ärger für d’Ambrosio. Der Belgier bekam als Verursacher der Kollision mit dem Niederländer eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt.

Frijns zeigte nichtsdestotrotz den ganzen Tag über eine starke Pace im Virgin. Er beendete die ersten Trainingssessions auf den Plätzen 4 und 5 und qualifizierte sich für das Rennen aussichtsreich auf Platz 9. Es hätte einen starken Frijns-Auftritt geben können, denn der Kurs lag dem Niederländer nach eigener Aussage. „Die Strecke in Bern ist schön zu fahren, wenn du allein unterwegs bist. Das Überholen ist hier jedoch schwierig. Ich mag die Strecke. Ich war sehr glücklich über mein gutes Qualifying.“

Der Zug Richtung Meisterschaft ist realistisch betrachtet allerdings auch für Frijns abgefahren. Nach seinem glanzvollen Premierensieg in Paris leistete er sich drei „Nullnummern“ in Serie. Sowohl in Monaco als auch in Berlin blieb Frijns, der zwischenzeitlich sogar mal die Meisterschaft anführte, punktlos. Er liegt aktuell auf Platz 6 in der Meisterschaft. Sein Rückstand auf Tabellenführer Vergne beträgt 49 Punkte bei zwei noch verbliebenen Rennen. 58 Punkte kann ein Fahrer maximal beim „Double-Header“ in New York erreichen – rechnerisch wäre es für Frijns also noch möglich. Aber mit dem Pech, das derzeit an Frijns klebt, ist dies eher unwahrscheinlich.

Willkommene Abwechslung: Kommendes Wochenende kann sich der Niederländer Selbstvertrauen beim DTM-Saisonhighlight auf dem Norisring holen. In Nürnberg stehen Saisonrennen 7 und 8 auf dem Programm. Im Audi RS5 DTM versucht Frijns, der aktuell Platz 6 in der Meisterschaft belegt, Boden auf Tabellenführer Rene Rast gutzumachen, ehe es über den großen Teich nach New York geht.

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