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FE: Berlin E-Prix: Ein ganz „besonderes“ Wochenende für DS Techeetah, Vergne bleibt Spitzenreiter

Berlin E-Prix 2019 ©EHirsch

Der Berlin E-Prix hat für das Formel-E-Team DS Techeetah Höhen und Tiefen. Formel E-Journalist Erich Hirsch berichtet von den Erfahrungen eines ganz „besonderen“ Wochenendes in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin.

Es wird ein besonderes und historisches Wochenende – das steht schon vor der Zugfahrt von München nach Berlin fest. Auf Einladung von DS Deutschland kann ich mit Unterstützung von ‚e-Formel.de‘ den Berlin E-Prix aus nächster Nähe beiwohnen. Das französisch-chinesische Team DS Techeetah kommt als erstes Formel-E-Team nach Deutschland, dass mit beiden Fahren die Plätze 1 und 2 in der Fahrerwertung belegt und zugleich souverän die Teammeisterschaft anführt. Das hat es in der knapp fünfjährigen Formel-E-Historie in dieser Konstellation noch nie gegeben. Verantwortlich dafür sind die beiden Erfolgspiloten Jean-Eric Vergne und Andre Lotterer.

DS Techeetah: Platz 1 und 2 in der Meisterschaft

Und noch eine bemerkenswerte Randnotiz: In neun Rennen gibt es bisher acht unterschiedliche Sieger, nur der amtierende Champion Jean-Eric Vergne tanzt aus der Reihe. Der Franzose feierte als einziger Fahrer bisher zwei Saisonsiege – zuletzt den prestigeträchtigen Monaco E-Prix. Damit angelte sich Vergne, der überall nur mit JEV angesprochen wird, die Tabellenführung.

Andre Lotterer liegt dem 29-jährigen Franzosen dicht auf den Fersen, ein Punkt Rückstand hat der Deutsche auf seinen Teamkollegen, der seine zweite Saison im Rennstall von DS Techeetah absolviert. Und in Berlin strebt Lotterer seinen Premierensieg in der Formel E an. Zweimal stand der gebürtige Duisburger dicht davor, in Hongkong wurde er zum tragischen Helden. Als Führender die Zielflagge schon vor Augen, entriss ihm Sam Bird mit einem unfairen Manöver den Sieg, schlitzte Lotterer regelrecht die Reifen auf. Im Regen von Paris schnappte ihm Mitch Evans vom Jaguar-Team den Sieg weg, der Deutsche folgte knapp dahinter auf Platz 2.

DS Techeetah bei der PK ©EHirsch

JEV und Lotterer: Eine besondere Beziehung

Männerfreundschaft im Motorsport-ein schwieriges Unterfangen. Jeder Fahrer will ganz oben auf dem Podest stehen, giert nach der Titelkrone. Das Ego steht im Mittelpunkt. Da bleibt kein Platz für Freundschaften. Nicht so bei Vergne und Lotterer. Auch in dieser Hinsicht bilden beide Piloten eine Ausnahme. Sie verstehen sich sportlich und privat ganz ausgezeichnet, auf und abseits der Strecke harmonieren sie bestens.

Bei den Filmfestspielen in Cannes zeigen sich Vergne und Lotterer gemeinsam in charmanter Begleitung ihrer Partnerinnen. Der Dokumentarfilm über die abgelaufenen Saison 2017/2018 mit dem Titel „And We Go Green“ feierte Filmpremiere an der Cote d’Azur. Beide Fahrer spielen darin eine wichtige Rolle, zusammen ins Kino gehen machen gleich doppelt Spaß.

DS Deutschland Berlin E-Prix ©EHirsch

DS Automobiles in Berlin

Bestens gelaunt präsentiert sich das Erfolgsduo auch am Freitag Nachmittag am Stand von DS Deutschland im E-Village . Eine Pressekonferenz steht auf dem Programm. DS Deutschland hat 70 Gäste geladen, darunter 20 Medienvertreter, dazu kommen 50 weitere Kunden, Geschäftspartner und Stakeholder. Die Franzosen präsentieren ihren Premium-SUV (Sport Utility Vehicle) und das Team DS Techeetah hilft bei der Promotion kräftig mit.

Der DS 7 Crossback E-Tense 4×4 kombiniert zwei Elektromotoren und einen Allradantrieb mit einer Systemleistung von 220 kW (300 PS), den Kunden ab sofort vorbestellen können. DS Automobiles meint es Ernst in Sachen Elektromobilität, den in Kürze soll mit dem kleineren DS 3 Crossback E-Tense dann auch das erste rein elektrische DS-Modell verfügbar sein. „Im Jahr 2025 werden 35 Prozent der verkauften DS-Modelle elektrisch angetrieben sein“, sagt CEO Yves Bonnefont voraus. Fünf weitere Modelle der zweiten Generation von DS Automobiles kommen bis 2022 auf den Markt.

Vergne begrüßt die anwesenden Journalisten und eingeladenen Gäste auf Deutsch. Der Franzose weiß genau, wie man die Sympathien des Publikums gewinnt. Eurosport-Kommentator Oliver Sittler moderiert eloquent und unterhaltsam die Veranstaltung. Die Techeetah-Piloten plaudern über den bisherigen Saisonverlauf und ihren Abstecher nach Cannes. Auch Teamchef Mark Preston und Xavier Mestelan Pinon, Direktor DS Performance, kommen zu Wort, strahlen um die Wette. Es ist ja auch kein Wunder, der Erfolg des Werksteams schweißt zusammen.

Mit Arnaud Ribault, SVP Marketing und Communications, Nathalie Dumas, Pressereferentin DS Performance und Sandra Rojas Munoz, Press Manager DS Automobiles aus Paris sind weitere hochrangige Gäste bei der DS-Präsentation anwesend.

Team DS Techeetah in Berlin 2019 ©EHirsch

Boxenführung: Pedro de la Rosa

Während sich Lotterer & Co auf dem Weg zum ersten Freien Training machen, dürfen wir einen Blick in die Techeetah-Box werfen. Der frühere spanische Formel-1-Pilot Pedro de la Rosa zeigt den interessierten Journalisten die Funktion des Formel-E-Lenkrads. Eines vorweg: es ist eine Wissenschaft für sich. Die Fahrer müssen zahlreiche verschiedene Regler, Knöpfe, Kippschalter und Wippen bedienen und beherrschen können.

Schon allein das Zählen aller Bedienungselemente bereitete Kopfzerbrechen. De la Rosa, der für DS Techeetah im Hintergrund die sportlichen und technischen Geschicke leitet, beantwortet in seiner charmanten und sehr ruhigen Art die zahllosen Fragen.

Pedro de la Rosa ©EHirsch

Lotterer mit Bestzeit

Auf der Strecke setzt Lotterer eine erste Duftmarke, gewinnt das 2.Freie Training mit neuem Rundenrekord. Es sieht gut aus für den Deutschen, der vor heimischer Kulisse auf seinen Premierensieg hofft. Doch es kommt anders. Am Abend treffen wir erneut Teamchef Mark Preston und Xavier Mestelan Pinon, den Direktor von DS Performance. DS Deutschland hat zum Abendessen in einem Berliner Innenstadtlokal nahe des Friedrichstadtpalast eingeladen.

Mit von der Partie sind auch Arnaud Ribault, Nathalie Dumas und Sandra Rojas Munoz. Dabei verrät Pinon, dass er einen Tag nach dem Berlin-Rennen seinen 48. Geburtstag im Kreise seiner Familie feiert. Das schönste Geburtstagsgeschenk, ein Sieg beim E-Prix, erfüllen ihm die Fahrer nicht.

Qualifying: Desaster für Lotterer

Im Qualifying am frühen Samstagmorgen erzielt der amtierende Champion Vergne die achtbeste Zeit, Teamkollege Lotterer dagegen erlebt ein Desaster. Der Deutsche überquert gut eine halbe Sekunde nach Ablauf der Zeit die Ziellinie, um seine schnelle Quali-Runde mit maximal 250 kW zu starten – zu spät. Somit konnte der Lokalmatador keinen Versuch mehr auf die Spitzengruppe starten und muss das Rennen aus der letzten Startreihe in Angriff nehmen. Ein Sieg aus den hinteren Reihen scheint fast aussichtslos. Lotterer ist ein Kämpfer, lässt sich nicht unterkriegen.

Das Rennen: JEV klettert aufs Podium, Lotterer mit Ausfall

Im Rennen gelang dem 37-Jährigen Lotterer eine imposante Aufholjagd, der von Startplatz 21 bis auf Rang 11 durch das halbe Feld pflügt. Doch ein mögliches Top-Ten-Resultat bleibt dem Deutschen verwehrt. Eine überhitzte Batterie an seinem Arbeitsgerät beendet vorzeitig sein Heimrennen. In der Meisterschaft verliert Lotterer eine Position, liegt jetzt auf Platz 3, aber immer noch in Schlagdistanz zu Tabellenführer JEV.

Rennen Berlin E-Prix 2019 ©EHirsch

„Ich hatte in meiner Karriere als Rennfahrer schon bessere Tage“, zeigte sich der Deutsche enttäuscht. „Das Wochenende fing gut an, im Freien Training habe ich die beste Rundenzeit erzielt. Leider ist mir im Qualifying ein Fehler unterlaufen und ich musste aus der letzten Reihe starten. Im Rennen konnte ich bis auf den elften Platz vorfahren, musste dann aber aufgrund einer überhitzen Batterie aufgeben. In der Fahrerwertung stehe ich auf Platz drei − eine gute Ausgangslage für das kommende Rennen in Bern“, gibt sich der Deutsche optimistisch für die verblieben drei Saisonrennen. Bern steht als nächste Station vor der Tür (22.Juni), danach folgt der krönende Saisonabschluß mit einem ‚Doubleheader‘ – zwei Rennen – in New York (13.7/14.7.).

Teamkollege Vergne ist voll aus dem Häuschen. Der Franzose zeigt neuerlich eine championswürdige Leistung, der von Startplatz 8 noch bis auf das Podium vorfährt. Daniel Abt (Audi), die beiden HWA-Fahrer Stoffel Vandoorne und Gary Paffett, Alex Lynn (Jaguar) und BMW-Speerspitze Antonio Felix da Costa ließ JEV allesamt links liegen und klettert schließlich auf Platz 3.

Damit sichert sich der Franzose 15 wertvolle Punkte und baut seinen Vorsprung an der Spitze der Meisterschaft weiter aus. „Mit meinem dritten Platz in Berlin führe ich die Fahrerwertung weiterhin an“, sagt Vergne. „Mein Dank gilt dem gesamten Team, das bis spät in die Nacht hart daran gearbeitet hat, die im Qualifying aufgetretenen technischen Probleme zu lösen. Mein DS E-Tense FE 19 war unglaublich stark. Es war ein tolles Gefühl, vom achten Startplatz bis auf den dritten Rang vorfahren zu können“, freut sich der Tabellenführer.

Die ersten Drei Berlin E-Prix 2019 ©EHirsch

Meisterschaftsstand und ‚voestalpine European Races‘

Mit der Podiumsplatzierung von Vergne verteidigt DS Techeetah seine Spitzenposition in der Teamwertung − der Vorsprung beträgt satte 25 Punkte auf Audi. In der Europa-Wertung der ‚voestalpine European Races’ übernimmt jetzt Vergne die Führung vor seinem Teamkollegen Lotterer.

Teamchef Mark Preston zieht ein positives Fazit nach dem Rennen. „Unsere Rennfahrer haben erneut ihr großes Potenzial unter Beweis gestellt. Wir sind sehr stolz auf die erbrachte Leistung. Jean-Eric und unser Team haben die Führungsposition in der Fahrer- und in der Teamwertung gefestigt. Andre war auf einem guten Weg, musste aber leider zwischenzeitlich aufgeben. Wir fahren dennoch voller Zuversicht zum nächsten Rennen nach Bern“, freut sich der Australier auf die anstehenden Aufgaben.

DS Performance Direktor Pinon sagt nach Rennende: „Wir haben einmal mehr ein sehr spannendes Formel E-Rennen erlebt. Dank seiner fantastischen Aufholjagd feiert Jean-Eric seinen nächsten Podiumsplatz. Wir freuen uns, weiterhin an der Spitze der Fahrer- und der Teamwertung zu stehen − ein hervorragendes Ergebnis für DS Automobiles und für unser Team hier in Deutschland.“

Nach der obligatorischen Medienrunde, bei der sich alle 22 Piloten den Fragen der Journalisten stellen müssen, machen sich Vergne und Lotterer auf dem Heimweg. Im Schlepptau Dragon-Pilot Jose Maria Lopez. Zusammen geht es im DS-Shuttle Richtung Flughafen Berlin-Tegel, wo ein Privatjet auf das Trio wartet. Berlin war mal wieder eine Reise wert. Ein ganz „besonderes“ E-Prix-Wochenende geht zu Ende.

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