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FE: Pleiten, Pech und Pannen für Audi und BMW beim Monaco E-Prix

Audi e-tron FE05 #11 (Audi Sport ABT Schaeffler), Lucas di Grassi ©Audi

Rabenschwarzes Wochenende für die beiden deutschen Formel-E-Werkteams Audi und BMW beim prestigeträchtigen Monaco E-Prix. Sowohl die Ingolstädter als auch die Münchner fahren mit leeren Händen heim, kein einziger Punkt gelang im Kampf um die enge Meisterschaft.

Und dennoch: die Titelchancen für die beiden bayerischen Hersteller sind vier Rennen vor Saisonende weiter intakt.

Audi:

Kein Rennglück hatten Daniel Abt und Lucas di Grassi im Fürstentum Monaco. Beide Audi-Piloten blieben trotz starker Leistungen im Rennen ohne Punkte.

Auch auf der kürzesten Strecke der Formel-E-Saison spielte das Qualifying eine vorentscheidende Rolle. Erneut waren die Top 5 der Gesamtwertung deutlich benachteiligt, da sie als Erste auf die Strecke gehen mussten. Keiner der ersten Gruppe schaffte es in die „Super Pole“ der besten sechs.

Lokalmatador Lucas di Grassi, der nur paar Meter unweit der Strecke wohnt, musste sich mit Startplatz 13 begnügen. Daniel Abt erging es noch schlechter, der mit Startplatz 16 vorliebnehmen musste– und das auf einer Strecke, auf der das Überholen extrem schwierig ist.

Trotzdem arbeiteten sich beide Piloten des Teams Audi Sport ABT Schaeffler im Rennen nach vorn. Lucas di Grassi konnte einige Positionen gutmachen und lag in den Top Ten. Auf Position 8 liegend wurde der Brasilianer von BMW-Pilot Alexander Sims in die Leitplanken gedrückt und musste aufgeben.

„Bei den Stewards hat er nach dem Rennen gesagt, dass er mich nicht gesehen hat“, ärgerte sich di Grassi. „Wenn er beim Bremsen seine Linie verlässt, muss er sich vergewissern, dass dort niemand ist. Der Ausfall ist extrem ärgerlich, denn es wären heute wichtige Punkte im Titelkampf gewesen“, so der Champion von 2017.

Ganz anderer Meinung ob des Unfalls war DTM-Champion Bruno Spengler, der in der ARD als Co-Kommentator fungierte. „Sims musste aufmachen, da ein paar Autos vor ihm stark gebremst haben. Da kam di Grassi mit Überspeed“, so der Kanadier, der für BMW die Ersatzfahrerrolle einnimmt.

Ungeschoren kam Sims allerdings nicht davon. Die Rennleitung brummte dem 31-jährigen Briten jedenfalls für diese Kollision – eine weitere Kollision folgte später mit Sam Bird – eine Strafversetzung um 5 Startplätze für den Berlin E-Prix als Verursacher auf. Dazu gab es drei Strafpunkte für den BMW-Piloten.

Di Grassis Teamkollege Abt zeigte eine kämpferische Leistung, die ihn auf Rang 8 nach vorn brachte. Und trotzdem keine Punkte für den Allgäuer. Da laut Rennleitung Abt eine Kollision mit Nio-Pilot Oliver Turvey verursachte, bekam der Bayer eine Durchfahrtsstrafe (umgewandelt in eine 33-Sekunden-Strafe nach Rennende) aufgebrummt und rutsche dadurch auf Platz 15 zurück.

„In Monaco so viele Plätze gutzumachen, ist fast unmöglich“, sagte Daniel Abt. „Deshalb ist die Zeitstrafe für mich und das Team besonders enttäuschend. Beim Start der Full-Course-Yellow-Phase hat ein Auto vor mir so hart abgebremst, dass ich einfach machtlos war.“

Das enttäuschende Ergebnis sorgte für lange Gesichter bei Teamchef Allan McNish und Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „Wir wussten, dass es von diesen Startpositionen für uns auf einer so engen Strecke ein extrem hartes Rennen werden würde“, sagte McNish. „Dass Lucas so ausgeschieden ist, ist bitter. Er wäre ganz sicher in die Top Sechs gekommen. Daniels achter Platz wäre zumindest ein kleiner Trost gewesen. Dass wir heute sehr enttäuscht sind, steht außer Frage“, so der Schotte.

Und wenn schon Audi punktelos in Monaco blieb, setzte Audis Kundenteam Envision Virgin Racing noch einen drauf. Sowohl Robin Frijns als auch Sam Bird fielen beide durch Kollisionen mit BMW-Pilot Alexander Sims in der Schlussphase aus den Punkterängen. Frijns bekam von der Rennleitung für den Zwischenfall mit Sims nachträglich drei Strafpunkte aufgebrummt und muss zusätzlich eine Strafversetzung um 5 Startplätze für den Berlin E-Prix in Kauf nehmen. Besonders ärgerlich für den Niederländer, der im Titelkampf seine Tabellenführung verlor und hinter den beiden DS Techeetah-Piloten Jean-Eric Vergne und Andre Lotterer auf Platz 3 zurückfiel.

Di Grassi bleibt weiterhin mit 70 Punkten auf Platz 5 in der Meisterschaft, in Schlagdistanz zum neuen Leader Vergne, der 87 Punkte aufweist. Abt belegt Platz 9 mit 59 Zähler eine Position vor Bird, der bisher 54 Punkte erzielte. In der Teamwertung bleibt Audi auf Platz 3, hinter Virgin und dem überlegenen Tabellenführer Techeetah.

Weiter geht es in der Formel E in 14 Tagen in Berlin. Beim Heimrennen holte das Team Audi Sport ABT Schaeffler im vergangenen Jahr mit einem Doppelsieg, der Pole-Position und der schnellsten Rennrunde die maximale Punktzahl. Ein Revival wäre in der heißen Phase des Titelkampfs vorteilhaft.

Da Costa und Sims in Monaco ©BMW

BMW:

Lange Gesichter herrschte auch im BMW-Lager. Titelaspirant Antonio Felix da Costa kam beim Monaco E-Prix  in seinem BMW iFE.18 zwar als Sechster ins Ziel, Punkte gab es trotzdem keine. Die Rennleitung disqualifizierte den Portugiesen nachträglich wegen erhöhter Energienutzung. Statt der erlaubten 200 kW nutzte die BMW-Speerspitze in den letzten beiden Runden 228 kW.

„Der Auslöser war ein Kontakt, den Antonio im Rennen mit Mitch Evans hatte“, sagte Teamchef Roger Griffiths. „Beim folgenden Griff ans Lenkrad wechselte er aus Versehen in einen höheren Energiemodus. Das bemerkte er zunächst nicht, und da wir als Team keine Einsicht in die Telemetrie haben, konnten wir ihn auch nicht sofort darauf hinweisen.

So fuhr er für kurze Zeit mit zu viel Energie und wurde für diesen Regelverstoß nachträglich bestraft. Auch wenn es sich um ein Versehen handelte, war diese Strafe folgerichtig. Natürlich sind wir als Team enttäuscht über diesen Ausgang, aber wir respektieren die Entscheidung der Rennleitung“, so der Brite.

„Angesichts der Umstände ist Platz 6 ein ganz gutes Ergebnis“, sagte da Costa unmittelbar nach Rennende, der zu diesem Zeitpunkt von seiner nachträglichen Bestrafung noch nichts wusste. „Ich war in meiner Qualifying-Gruppe der Schnellste, aber aufgrund des Formats hat das leider nur für Startplatz acht gereicht. Im Rennen gab es dann harte Zweikämpfe, einige davon vielleicht etwas zu hart. Generell war es fast unmöglich, auf diesem Kurs zu überholen“, so der BMW-Titelkandidat.

Felix da Costa bleibt mit 70 Punkten auf Platz 4 in der Meisterschaft. In der Teammeisterschaft liegt BMW auf Platz 6.

Teamkollege Alexander Sims scheint das Pech am Lenkrad zu kleben. Der Brite lag lange Zeit sicher in den Top Ten, ehe er durch eine Kollision mit Virgin-Pilot Frijns (siehe oben) kurz vor Rennende noch auf Position 13 zurückfiel – erneut keine Punkte für Sims.

„Eigentlich war ich heute gut unterwegs, und es fehlt nicht viel, um ein gutes Ergebnis einzufahren“, sagte Sims. „In der ersten Rennhälfte hatte ich einen guten Rhythmus und konnte meine Position innerhalb der Top-10 sicher behaupten. Danach wurden die Zweikämpfe härter. Der Zwischenfall mit Robin war dann sehr schade. Ich habe mich beim Anbremsen in Kurve 1 verteidigt und denke, dass Robin eine Lücke gesehen hat, die meiner Meinung nach nicht da war“, so der BMW-Pilot.

„Alexander hat vor dem Zwischenfall mit Robin Frijns einen guten Job gemacht, der leider nicht mit Punkten belohnt wurde“, sagte Teamchef Griffiths. „Jetzt konzentrieren wir uns auf unser Heimspiel in Berlin“, so der Brite.

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