Zum Inhalt springen

FE: Maximilian Günther im Interview: ‚Privileg, in der Formel E zu fahren‘

Max Günther in Linz (c)EHirsch

Dragon-Pilot Maximilian Günther setzte bei seinen ersten drei Formel-E-Rennen in dieser Saison ein starkes Ausrufezeichen.

Im Dezember hatte Günther beim Saisonauftakt in Diriyya mit Platz 15 sein Formel-E-Debüt gegeben. In Marrakesch arbeitete sich der 21-jährige Allgäuer von Startplatz 21 auf Rang 12 vor, machte schlappe neun Plätze wett. Und in Santiago qualifizierte sich der Rookie vor seinem Teamkollegen Jose Maria Lopez auf Startposition 7, musste das Rennen aufgrund eines technischen Defekts jedoch vorzeitig aufgeben.

Die Kenner der Formel bescheinigten Günther seine starken Leistungen. Ab dem Mexiko E-Prix übernahm der Brasilianer Felipe Nasr (Platz 19) das Cockpit von Günther, der noch mindestens ein Rennen im Dragon-Auto Penske EV-3 in dieser Saison fahren wird.

Kürzlich gab der Deutsche im Rahmen der Präsentation des neuen Formel-E-Gen2-Autos der voestalpine in Linz einen Ausblick auf den bevorstehenden „Grand Slam“ der Formel E:  die ‚voestalpine European Races‘. 

Der erfolgreichste Pilot bei den fünf Europarennen (Rom, Paris, Monaco, Berlin und Bern) wird zum ‚Europameister‘ der Formel E gekürt. Wir sprachen mit Günther über sein bisheriges Abschneiden in der Formel E, über die ‚voestalpine European Races‘, über sein Verhältnis zum Teamkollegen Jose Maria Lopez und wie er seine Freizeit gerne gestaltet.

Max, wie bewertest du deine ersten drei Formel E-Rennen?

Maximilian Günther: „Die drei Rennen haben richtig viel Spaß gemacht.  Ich habe die Serie schon länger auf dem Radar und durfte einige Testfahrten für das Dragon-Team absolvieren. An der Entwicklung des Penske EV-3 war ich beteiligt. Natürlich ist es etwas ganz anderes, Rennen zu fahren. Es waren drei richtig coole Strecken, dazu tolle Locations und sehr abwechslungsreich

Es gab für uns vor Saisonbeginn alle ein großes Fragezeichen. Ein neues Gen2-Auto, neue Automobilhersteller wie BMW kamen in die Serie. Da wusste man nicht genau, was passieren wird. Wir sind als Privatteam das kleinste Team in der Serie. Es gab also viele Fragezeichen vor der Saison. Es stimmt uns nach dem bisherigen Saisonverlauf sehr positiv, dass wir in jedem Rennen für Aufsehen sorgen und um Punkte fahren können.

Es ist natürlich schade, dass für mich bisher keine Punkte herausgesprungen sind. Das Potential war auf jeden Fall vorhanden, wie man zuletzt in Chile gesehen hat. Ich habe schon einiges erlebt in meiner kurzen Formel E-Zeit. Die Action hat jedenfalls viel Spaß gemacht.“

Max Günther_Formel_E (c)Lou Johnson,Spacesuit

War es für dich in Santiago mit Platz 7 im Qualifying wichtig, deinen Teamkollegen Jose Maria Lopez hinter sich zu lassen?

Günther: „Das ist mir erstmalig gelungen und tut natürlich immer gut. Die ersten beiden Qualifyings in Riad und Marrakesch verliefen ein wenig unglücklich.

Ganz simpel: Ich habe zweimal gecrasht. Das war mein Fehler, ich bin ein zu großes Risiko eingegangen. Da war aber das Potential bereits vorhanden, wenn ich die Sektorenzeiten mit meinen Teamkollegen vergleiche. Es ist logisch, den Teamkollegen immer zu schlagen.

Das ist das Ziel jedes Rennfahrers. Ich habe noch die tolle Situation, dass ich mit Jose Maria Lopez einen sehr erfahrenen Teamkollegen habe, der viel Erfahrung in der Formel E mitbringt und eine große Historie besitzt. Es motiviert mich ungemein, gegen ihn eine gute Figur abzuliefern.“

Bei deinen angesprochenen Fehlern in Riad und Marrakesch im Qualifying, kommen da Vorwürfe vom Team bzw. wie fielen die Reaktionen aus?

Günther: schmunzelt… „Das kommt immer drauf an, was man gemacht hat. Das ganze Team zieht an einem Strang, egal ob wir wie zuletzt in Chile von technischer Seite ausgebremst werden oder es ein Fahrfehler ist.

Wir sitzen alle in einem Boot. Wir versuchen alle Bereiche voll auszuloten. Bei Fehlern ist man im Team natürlich nicht glücklich darüber. Man muss es jedoch akzeptieren und das Beste gemeinsam daraus machen. Es gibt keine Vorwürfe vom Team.“

Wie hat dir Jose Maria Lopez in deiner ersten Zeit geholfen, als du zu Dragon gewechselt bist?

Günther: „Wir haben das neue Auto, den Penske EV-3 so gut entwickelt, wie wir es nur konnten. Es ist immer wichtig, zwei Fahrer im Team zu haben, die unterschiedliche Rückmeldungen abgeben. Er war zu mir sehr offen und hat mir den einen oder anderen Tipp gegeben, was wichtig in der Formel E ist und was grundlegend anders ist.

Er gab mir Tipps, wie man im Rennen denken sollte und sich ein ganzes Rennen einteilt. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis miteinander, großen Respekt gegenüber dem anderen und eine sehr harmonische Stimmung im Team.“

Wie erlebst und fühlst du das Formel E-Paddock?

Günther: „Es ist sehr modern und zeitgemäß. Die Stimmung ist gut, es gibt viele junge Leute und das Konzept finde ich echt klasse. Die Fahrer sollen im Vordergrund sein, aber die Fans sollen auch ihren Anteil bekommen, mit den Piloten zu interagieren. Ich genieße den Paddock sehr und es macht alles Megaspaß und zwar auf und neben der Strecke.“

Kann ein Fahrer denn Freundschaften im Motorsport knüpfen?

Günther: „Das ist schwierig. Am Ende des Tages fährst du gegeneinander und willst alle schlagen. Freundschaften hat es für mich in der Vergangenheit nie so gegeben, speziell in den Nachwuchsklassen. Jeder Fahrer hat versucht, den anderen Fahrer auszustechen.

In der Formel E herrscht jedoch eine andere Atmosphäre. Alle Fahrer sind ganz oben im Motorsport angekommen. Da es ältere und erfahrenere Piloten in der Formel E gibt, ist die Atmosphäre im Fahrerlager freundschaftlicher. Klar, auf der Strecke fährt jeder Pilot die Ellenbogen ganz weit aus. Neben der Strecke herrscht angenehme Stimmung, wesentlich entspannter als in anderen Rennserien.“

Magst du den FanBoost?

Günther: „Der FanBoost ist eine Supersache. Durch die Interaktion führt es Fahrer und Fan noch enger zusammen. Ich versuche Stück für Stück meine Fan-Base via Social Media aufzubauen.

Es liegt auf der Hand, dass die Ex-Formel1-Fahrer Felipe Masse, Stoffel Vandoorne oder Jean Eric Verne mit ihren tausenden Followers den FanBoost erhalten.“

Wie kommst du mit dem dichtgedrängten Zeitplan eines Rennsamstags zurecht?

Günther: „Es ist klar, man muss seine Prioritäten setzen. Jeder Fahrer hat die gleichen Rahmenbedingungen, hat viele Events auf und neben der Strecke zu absolvieren. Am Ende des Tags kommt es darauf an, einen guten Job auf der Strecke zu machen und mit dem Team das Rennauto so gut wie möglich einzustellen.

Ich muss meine Energien richtig bündeln und wenn’s darauf ankommt, die Leistung abliefern. Damit komme ich ganz gut klar, aber es ist schon ein stressiger Tag und ich falle abends nur noch müde ins Bett.“

Gibt es bei Dragon Teamorder?

Günther: „“Nein, das gibt es bei uns nicht.“

Porsche sucht einen zweiten Fahrer für ihren Formel-E-Einstieg zur kommenden Saison. Gibt es Kontakt zu Porsche?

Günther: „Nein, ich habe keinen Kontakt zu Porsche. Ich bin bei Dragon glücklich und sehe dort aktuell meine Zukunft.“

Guenther_Eder_FormelE_Linz (c)voestalpine

Wie findest du die Idee, mit den ‚voestalpine European Races‘ einen ‚Grand-Slam’ der Formel E einzuführen?

Günther: „Ich finde es eine coole Sache. Im Endeffekt wollen alle Fahrer einen Wettbewerb gewinnen. Bei den 5 Europarennen kann man zusätzlich etwas gewinnen und macht die Serie nochmals spannender.

Die ‚European Races‘ sind ein großer Anreiz und es ist vergleichbar im Tennis mit dem ’Grand Slam‘. Ich freue mich sehr darauf.“

Nehmen deine Fahrerkollegen in der Formel E denn die Wertung ernst?

Günther: „Auf jeden Fall. Als Rennfahrer willst du immer vorne sein, wenn es eine Wertung und eine Ergebnisliste gibt.“

Fühlen sich für dich die Europarennen generell anders an als Rennen in Südamerika, Asien oder Afrika?

Günther: „Es fühlt sich ein bisschen heimischer an. Es ist aber grundsätzlich egal, wo sich die Rennstrecke befindet. Man muss immer mit der Strecke zurechtzukommen und so schnell wie möglich zu fahren.“

Wie schwierig ist es, ein Formel-E-Cockpit zu bekommen?

Günther: „Aktuell sind meiner Meinung nach die Formel 1, dann die Formel E und als Gegenstück die Indy-Car die drei Topserien weltweit. Da die Formel 1 politisch und finanziell beeinflusst ist und man nur mit einer entsprechenden Mitgift einen Platz bekommt, ist da die Tür ziemlich zu für den Normalsterblichen.

In der Indycar-Serie ist es nicht viel anders.  Da bleibt die Formel E übrig, die ähnlich wie in der DTM die Fahrer anhand der Qualität aussucht. Der Andrang auf ein Formel E-Cockpit ist entsprechend riesig.“

Wie sieht deine Vorbereitung für einen E-Prix aus?

Günther: „Ich mache viel körperliches Training. Ich habe meinen eigenen Fitnesstrainer, einen Sportwissenschaftler, der mir die Trainingspläne erstellt. Er trainiert mit mir zusammen in Kempten und im Simulator bereite ich mich bestmöglich auf ein Rennen vor.“

Stichwort Kempten: Bei deinem Fitnesstraining trainierst du nicht zufällig mit Audi-Pilot Daniel Abt, der in Kempten wohnt?

Günther: lacht… „Nein, er ist nicht dabei.“

Du besitzt die österreichische und deutsche Staatsbürgerschaft und fährst mit deutscher Lizenz. Gibt es da einen signifikanten Unterschied mit deutscher Lizenz zu fahren?

Günther: „Es gibt keinen Unterschied, es wäre egal. Natürlich ist Deutschland eine Automobilnation und hat viele Autohersteller. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, das ist der Grund, warum ich aktuell für Deutschland fahre.“

Wie kannst du am Besten nach einem Rennen abschalten?

Günther: „Am Rennsamstag erfolgt direkt nach einem Rennen die Aufarbeitung mit dem ganzen Team. Ich arbeite für mich selbst das Rennen nochmals auf. Am Sonntag auf der Heimreise schreibe ich im Flugzeug meinem technischen Bericht für das Team. Das wird immer nach jedem Rennwochenende gemacht. Wenn ich daheim bin, genieße ich die Zeit, andere Dinge zu machen.“

Die da wären…?

Günther: „Ich verbinde immer alles mit Sport. Ich mache Triathlon, fahre leidenschaftlich gerne Rennrad im Sommer in meiner Allgäuer Heimat und gehe im Winter Langlaufen. Dann treffe ich mich noch mit den engsten Freunden, die Zeit dafür reicht aber oft nicht aus.“

Bleibt die Formel 1 weiterhin dein großes Ziel?

Günther: „Ich habe die Formel 1 nicht im Hinterkopf. Ich sehe meine Zukunft in der Formel E. Es ist eine hervorragende Rennserie und ein Privileg, dort zu fahren.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: