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In Memoriam: Formel-1-Pilot Roland Ratzenberger aus Salzburg

Roland Ratzenberger_Formel_1(c)privat Ulrich

Das ‚Schwarze Wochenende’ von Imola ist 24 Jahre her und kostete zwei Formel-1-Piloten das Leben. Am Samstag den 30. April 1994 starb der Salzburger Roland Ratzenberger beim Abschlusstraining zum Großen Preis von San Marino. Einen Tag später ereilte das gleiche Schicksal den dreifachen Weltmeister Ayrton Senna aus Brasilien.

Ich war damals glühender Verehrer der Formel 1 und fuhr zu Rennen nach Hockenheim, Budapest, Monza, Monte Carlo oder Imola, als Fan wohlgemerkt. Niki Lauda, Alain Prost, Gerhard Berger oder Michael Schumacher kannte zu der Zeit die gesamte Sportwelt. Und Roland Ratzenberger? Ich habe Ratzenberger selbst nie persönlich kennengelernt, doch die Rennstrecke von Imola Autodromo Enzo e Dino Ferrari kannte ich aus nächster Nähe. Als ich kürzlich im Netz auf die Webseite von Peter Levay stieß, kam ich auf die Idee, einen Artikel über Roland Ratzenberger zu verfassen.

Der Mythos Senna hat auch 24 Jahre danach nichts von seiner Strahlkraft verloren. Der Unfalltod des Brasilianers überschattete den Tod des Österreichers. Die ganze Sportwelt trauerte um den Formel-1-Superstar. Imola 1994 veränderte die Welt des Motorsports. Die Wenigsten wussten aber damals mit dem Formel-1-Neuling Roland Ratzenberger etwas anzufangen. Dabei hatte Ratzenberger schon 15 Jahre lang Motorsporterfahrung hinter sich.

Peter Levay und Rudolf Ratzenberger,Vater von Roland Ratzenberger (c)Levay

Der Videojournalist Peter Levay aus Nürnberg (links im Bild mit Roland Ratzenbergs Vater Rudolf) fertigte eine private Dokumentation über das Leben von Roland Ratzenberger an, die er für dessen Familie erstellte. Als autorisierter Biograph arbeitet Levay derzeit an einem Buch und einer offiziellen Filmdokumentation über Roland Ratzenberger, die zum 25. Todestag 2019 erscheinen soll.

53 Tage lang dauerte der ganz große Traum von Roland Ratzenberger. Mit Hilfe von Sponsorengelder ergatterte Ratzenberger das heiß ersehnte Cockpit im neu gegründeten Formel-1-Team Simtek-Ford. Ratzenbergers Teamkollege war der Australier David Brabham. Den einzigen und letzten Formel 1-Test bestritt Ratzenberger am 8. März 1994 genau auf jener Grand Prix Strecke, auf dem er sein Leben auf tragische Weise verlor.

Hier seht ihr ein Trailer von Peter Levay, der Aufnahmen in Memoriam für Ayrton Senna und Roland Ratzenberger in Imola drehte:

Formel 1

Die Premiere in Brasilien fiel ins Wasser, da sich Ratzenberger wegen technischer Probleme am Auto nicht für das Rennen qualifizieren konnte. Viel besser lief es für ihn beim zweiten Rennen in Japan, als Ratzenberger in seinem ersten Grand Prix auf Platz elf kam. Nächste Station war Imola. Das schicksalhafte Wochenende fing zunächst mit dem schweren Unfall des Brasilianers Rubens Barrichello an. Der Jordan-Pilot überschlug sich, landete wie ein Katapult in den Fangzäunen und kam mit gebrochenen Arm und lädierter Nase relativ glimpflich davon.

Beim Abschlusstraining ging für Ratzenberger der Traum zu Ende. An der schnellsten Stelle der Rennstrecke brach ein Teil seines Simtek-Frontflügels. Mit einem Schlag waren 200 kg Anpressdruck weg. Ratzenberger war nur noch Passagier und hatte gegen den seitlichen Einschlag in die Betonmauer keine Überlebenschance.

Roland Ratzenberger_salzburg(c)EHirsch

Auf seinem Grabstein auf dem Friedhof Salzburg-Maxglan steht: „Er lebte für seinen Traum“. Für seine Familie, Freunde und viele Weggefährten ist der einzige Trost zu wissen, dass Roland Ratzenberger als glücklicher Mensch, der seinen Traum gelebt hat, gestorben ist.

Aufstieg in die Königsklasse:

Wer war Roland Ratzenberger? Der 33-Jährige Salzburger war Formel-1-Rookie beim britischen Neueinsteiger-Team Simtek-Ford und besaß einen Vertrag über fünf Rennen, ein sechstes Rennen war in Planung. Ohne finanzielle Mittel schaffte Ratzenberger den Einstieg in den professionellen Motorsport und arbeitete sich peu a peu durch die verschiedensten Motorsportserien bis in die Königsklasse des Motorsports hoch. Sein langer Weg führte ihn nach Deutschland, England und Japan, wo er in Sport- und Tourenwagen, sowie im Formelsport sein großes Talent unter Beweis stellte.

Es gab keinen anderen Rennfahrer als Ratzenberger in der Formel 1 zu seiner Zeit, der so vielen Rennen, in so zahlreichen und unterschiedlichen Rennklassen in so kurzer Zeit absolvierte. Bis zu 25 Rennen in einem Jahr bestritt Ratzenberger damals. Zu seinem Debüt in die Königsklasse des Motorsports sagte Ratzenberger: „Ich hatte Glück und es waren die richtigen Leute, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Ratzenberger Roland (c) privat ,Ulrich

Ratzenberger begann in der Werkstatt von Walter Lechner zu schrauben, um sich erste Testfahrten in einem Rennwagen zu finanzieren. Er wurde 1985 Meister in der Formel Ford, gewann das Formel-Ford-Festival 1986 und war sogar Werkspilot beim Freilassinger BMW-Team Schnitzer in der Tourenwagen-WM 1987.

Die ganz großen Erfolge feierte Ratzenberger in Japan. 1989 übersiedelte er ins ‚Land der aufgehenden Sonne’ und bestritt für Toyota die dortige Sportwagen-Meisterschaft. Ratzenberger gewann die zwei wichtigsten Sportwagenrennen. 1990 die 1000 km von Fuji und 1991 die 1000 km von Suzuka. Die Japaner verehrten den Salzburger, der als einer der ersten Europäer seine Karriere in Japan voranzutreiben versuchte. Von 1989 bis 1993 tritt der Österreicher mit Toyota beim härtesten Sportwagenrennen der Welt, den 24h von Le Mans, an. 1993 steht er mit seinen Teamkollegen auf dem Siegespodest und gewann das Rennen in seiner Klasse.

Die Bilanz des Österreichers konnte sich wahrlich sehen lassen. Ratzenberger bestritt insgesamt 186 Rennen, davon gingen 33 Siege, 29 zweite Plätze und 26 dritte Plätze auf sein Konto.

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