Zum Inhalt springen

FE: BMW-Testpilot Bruno Spengler: ‚Qualifying-Format der Formel E wäre klasse für die DTM‘

Spengler mit Erich Hirsch (c)Ehirsch

BMW-Werkspilot Bruno Spengler hatte die ehrenvolle Aufgabe, zum allerersten Mal den neuen BMW iFE.18 in Calafat auszuführen und zu testen. Der DTM-Champion von 2012 schnupperte bereits Formel-E-Luft, als er den Rookie-Test für das Andretti-Team in Marrakesch Mitte Januar bestritt.

Spengler ist Testpilot des Gen2-Autos des Münchner Herstellers, der ab Saison 5 als Werksteam in die Formel E einsteigt. Am Wochenende feiert der 34-Jährige für BMW den DTM-Saisonauftakt in Hockenheim. 15 DTM-Siege gehen auf das Konto des erfahrenen Kanadiers, der sich von der Formel E ganz begeistert zeigt.

Im Interview spricht Spengler über die Unterschiede der beiden Fahrzeug-Generationen, ob für ihn ein Formel-E-Einstieg in Betracht käme und welche Ideen der Elektrorennserie der DTM gut täte.

Bruno Spengler, kannst du uns die Unterschiede zwischen dem aktuellen Formel E-Boliden  und dem neuen Generation2-Auto erklären?

Spengler: Ich habe mich riesig gefreut, den Rookie-Test in Marrakesch zu bestreiten. Es war für mich ein sehr interessantes Thema. Ich habe mir die Rennen am Fernseher angesehen und fand sie sehr spannend. Da passiert ja relativ viel im Rennen.  Das ist eine andere Form von Racing. Die Formel E macht mich sehr neugierig. Wenn du als Fahrer in der DTM oder im GT-Sport gefahren bist, da gibt es in der Formel E eine Ungewissheit. Ich bin halt sehr neugierig wie die Formel E läuft.

Dann kam die Gelegenheit mit dem Rookie-Test. Es war eine sehr schöne Erfahrung für mich. Ich habe dabei viel gelernt. Es gibt in der Formel E viele Sachen die man anders machen muss als in der DTM oder im GT-Sport.

Das neue Formel E Auto wird ein ganzes Rennen ohne Fahrzeugtausch durchhalten. Es ist schon etwas Besonderes als erster Fahrer mit einem ganz neuen Auto, dem BMW iFE.18 auf die Strecke zu gehen. Es ist eine große Herausforderung. Ich habe mich riesig gefreut, beim ersten Test des neuen Autos dabei zu sein und seine Eindrücke zu schildern, was man machen kann und mit den Ingenieuren zusammen zu arbeiten. Ende 2011, Anfang 2012 war die Entwicklung des neuen BMW DTM-Autos etwas Ähnliches. Als Rennfahrer ein neues Auto mitzuentwickeln ist immer etwas ganz Besonderes.

Die Unterschiede der beiden Formel-E-Autos sind nicht so riesig. Was man merkt ist die Power. Das neue Auto hat einfach mehr Power. Es wird deutlich schneller sein, besonders beim Drehmoment entfaltet es mehr Kraft.  Die Unterschiede im Fahrverhalten sind nicht so enorm. Das Gen2-Auto hat einen Tick mehr Aerodynamik als das aktuelle Auto.

Es ist aber ganz schwer zu unterscheiden, da das Niveau der Aerodynamik in der Formel E ziemlich niedrig ist.  Den größten Unterschied, den man wirklich spürt, ist definitiv die Power. Aber man muss beim Gen2-Auto ebenfalls darauf achten, sparsam mit der Energie umzugehen.  Beim Fahren, wann man lupfen soll und darauf zu achten, dass die Energie nicht zu schnell verbraucht ist. Das ist nur ein Teil der Formel E. Das wird noch ein sehr interessantes Thema.

Calafat (ESP) 19th April 2018. BMW iMotorsport, BMW i, Bruno Spengler (CAN) BMW iFE.18, ABB FIA Formula E Championship. (c)BMW

Wird man mit dem neuen Auto noch stärker darauf achten müssen, keine Fehler zu begehen, um nicht abzufliegen?

Spengler:  Klar, mit mehr Power ist die Gefahr größer, abzufliegen. Meine Erfahrung in der Formel E ist relativ niedrig, aber vom Gefühl her ist die Power zwar mehr, aber nicht so wahnsinnig viel mehr, dass gleich alle Rennstrecken geändert werden müssen. Man wird mit dem Auto schneller in der Kurve angekommen, das ist für uns Fahrer ein geiles Thema. Marrakesch würde zum Beispiel kein Problem mit dem neuen Auto darstellen, andere Strecken bin ich nicht gefahren. Daher wäre diese Frage für die Fahrer interessanter, die schon länger in der Formel E unterwegs sind.

Wie gefällt dir das Generation2-Auto und die Events in der Formel E?

Spengler:  Ich war beim ePrix in Marrakesch zum ersten Mal überhaupt bei der Formel E und habe mir das ganze Wochenende angesehen.  Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen.  Es war sehr gut organisiert, es waren viele Leute dabei und es gab eine große Show drum herum. Es gibt bei einem Formel E-Wochenende immer Action.

Der Look des neuen Autos gefällt mir sehr gut.  Auf den Bildern sieht das Gen2-Auto schon klasse aus und wenn man selbst im Cockpit sitzt, dann merkst du, dass du in einem starken Auto sitzt. Es ist eine Mischung aus Formel E- und GT-Auto für die Zukunft. Es ist so ein ‚Batmobil’, aggressiv, ein komplett neuer Look. Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Das neue Auto gefällt mir ehrlich sehr gut.

Calafat (ESP) 17th April 2019. BMW i. Testing. Bruno Spengler (CAN) BMW iFE.18, ABB FIA Formula E Championship.,Spengler im Gen2 in Calafat(c)BMW

Und wie empfandest du das Fahren im Gen2-Auto mit dem neuen Cockpitbügel ‚Halo‘ ?

Spengler: Als ich die Bilder sah und das Halo auch in der Formel 1 im TV sah, dachte ich mir, das stört bestimmt ein bisschen. Aber wenn du fährst, stört es ehrlich gesagt überhaupt nicht. Als Fahrer guckst du selten wirklich geradeaus, du schaust immer ein bisschen nach links oder nach rechts, wo die nächste Kurve kommt. Das Halo siehst du daher kaum. Das Halo liegt ja in der Mitte. Aber du schaust immer im Winkel, du antizipierst die Kurven, daher stört es nicht wirklich.

Falls du ein Angebot von BMW oder einem anderen Hersteller für ein Cockpit in der Formel E bekommen würdest, nimmst du es an?

Spengler: Ehrlich gesagt, ist die Formel E für uns als Fahrer ein sehr interessantes Thema. Wenn man sich nur anschaut, wie sich die Formel E in den letzten Jahren entwickelt hat. Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich mir es sehr stark überlegen.

Ich bin auf die DTM sehr fokussiert und begeistert von der Serie.  Ich bin jetzt das 14. Jahr in der DTM, fühle mich aber so, wie wenn es das erste Jahr wäre. Die Nervosität ist da, die Lust ist da und die DTM gefällt mir wirklich sehr gut.  Ich habe da viel Spaß. Die Autos machen Mega-Spaß zu fahren.  Und mit BMW in der DTM zu fahren, ist klasse.

Sehen die Formel-E-Fans dich in Saison 5 im BMW-Cockpit oder bei einem anderen Hersteller?

Spengler: Ich kann das momentan nicht beantworten. Ich bin auf die DTM sehr fokussiert und mache das Testprogramm des BMW iFE. 18 so gut wie es halt geht.  Die Formel E und BMW sind ein sehr interessantes Thema. Man müsste schauen, ob man es mit dem DTM-Kalender kombinieren könnte, ob es passt oder nicht. Heute ist es noch zu früh, um etwas Konkretes zu sagen. Da werden wir die nächsten Monate abwarten müssen, was 2019 kommt. Erstmals liegt der Fokus auf die DTM-Saison 2018 und die Formel-E-Tests mit BMW und dann sehen wir weiter.

Ihr habt ja ab der neuen Saison einen neuen Fernsehpartner. Was könnte man von der Formel E in die DTM transportieren, um die Serie noch attraktiver zu machen?

Spengler: Social Media, ganz klar. Ich bin erst mal ganz gespannt auf unseren neuen DTM-TV Partner Sat1. Ich finde die Sportreportagen bei SAT1 sehr interessant und spannend. Sie waren bei den DTM-Testfahrten sehr präsent und haben schon viele Sachen gemacht. Es geht mit SAT1 in die richtige Richtung. Fernsehen ist selbstverständlich für unsere Serie sehr sehr wichtig, die DTM lebt davon. Wenn das schön gezeigt wird, die Kommentare passen und die Rennen im TV spannend sind, da bin ich mal sehr gespannt und freue mich darauf.

Noch andere Ideen aus der Formel E für die DTM?

Spengler: Ja, das Qualifying-Format der Formel E in der DTM wäre klasse. Das Format ist wirklich sehr gut. Manche Piloten müssen am Anfang fahren und andere Piloten am Ende. Manche Piloten haben eine saubere Strecke, andere eben nicht. Das ändert sich bei jedem Rennen.  Jeder Fahrer fährt seine Runde und es gibt keinen Verkehr. Es gibt keinen Fahrer, der dich einbremsen kann und du hast nur eine Runde. Es ist natürlich maximaler Druck auf den Fahrer. Wenn du einen Fehler machst, hast du keine Chance mehr, dich zu verbessern.  Es ist gut für die Show. Für die Außenstehenden ist es schön und einfach zu verstehen und zu verfolgen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: