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FE: Interview mit HWA-Boss Ulrich Fritz: „Formel E ein mögliches Betätigungsfeld“

Fritz und Ludwig_Boxenfunk (c)EHirsch

Mercedes geht 2018 in der DTM auf Abschiedstournee. Nach 30 Jahre langer Zugehörigkeit in der Deutschen Tourenwagen Masters lautet die zukünftige Herausforderung Formel E. In der Saison 6, also 2019/20, steigen die Schwaben als Werksteam in die Elektrorennserie ein. Bereits seit Jahren betreut HWA die Renneinsätze von Mercedes-AMG in der DTM werksseitig und dürfte auch für den Mercedes-Werkseinsatz in der Formel E eine wichtige Rolle spielen.

Ende November 2017 schloss HWA mit dem Formel-E-Team Venturi eine Partnerschaft. Zudem greifen die beiden Mercedes-Werksfahrer Maro Engel und Edoardo Mortara für die Monegassen ins Lenkrad. Und Top-Renningenieur Franco Chiocchetti, der für den Formel-E-Meistertitel von Lucas di Grassi mit verantwortlich zeichnete, wurde von Audi losgeeist und schloss sich HWA an. HWA wird aller Vorraussicht nach in der kommenden fünften Saison als elftes Team in der Formel E antreten.

Eine offizielle Bestätigung wird im Rahmen des Berlin E-Prix (19. Mai) erwartet. HWA würde als Kundenteam von Venturi mit Antrieben von ZF starten – wohl auch, um Mercedes den Weg in die Elektroserie zu ebnen. Als potenzielle Fahrer werden nicht nur die beiden aktuellen Venturi-Piloten gehandelt, sondern laut ‚e-racing365‘ auch Gary Paffett, Pascal Wehrlein, Maximilian Günther, Paul di Resta und Lucas Auer gehandelt.

Zur Zukunft von HWA habe ich mich während eines DTM-Presse-Events in München mit Mercedes-AMG Motorsport DTM-Teamchef Ulrich Fritz unterhalten. Ich  habe den CEO von HWA gefragt, ob der Einstieg in Saison 5 bereits in trockenen Tüchern ist, was er sich im Abschiedsjahr in der DTM wünschen würde, wie ihm die Events in der Formel E gefallen, weshalb Mortara im DTM-Kader verblieben ist und wie die Zusammenarbeit mit Venturi aktuell aussieht.

Herr Fritz, das DTM-Abschiedsjahr von Mercedes steht vor der Tür. Neue Abenteuer wie die Formel E warten auf HWA und Mercedes. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Fritz: Mir geht es darum, die 30 Jahre Mercedes-Historie in der DTM zu einem guten Ende zu bringen. Wichtig wäre für uns, eine erfolgreiche DTM-Saison zu haben. Und zwar nicht nur für uns als Team, sondern grundsätzlich für die DTM. Sie soll wieder einen Schritt nach vorne machen. Natürlich wünsche ich mir mit dem Team, Titeln nach Affalterbach zu holen und einen versöhnlichen Abschluss mit dieser tollen Serie zu feiern. Unsere Priorität liegt ganz klar auf der DTM, wir wollen um Titeln mitkämpfen.

Kommt HWA bereits zu Saison 5 in die Formel E?

Fritz: Natürlich schauen wir, wie wir uns als Firma zukünftig betätigen können und wollen. Die Formel E ist da sicherlich ein mögliches Betätigungsfeld und dementsprechend führen wir auch Gespräche. Eine finale Entscheidung ist noch nicht getroffen.

Sie haben mit Franco Chiocchetti den Renningenieur vom amtierenden Formel-E-Champion Lucas di Grassi verpflichtet. Kommt Chiochetti nur in der DTM zum Einsatz?

Fritz: Jeder weiß, dass wir mit Franco schon lange eine Verbindung haben und ihn immer als langjährigen Gegner geschätzt haben. Es gab die Möglichkeit mit ihm zusammenzuarbeiten. Wir haben eine Partnerschaft mit Venturi. Vor diesem Hintergrund haben wir eine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit mit Franco gefunden. Er wird sicherlich nicht in erster Linie in der DTM unterwegs sein. Vielleicht kann er in der DTM ein paar neue Ideen und neuen frischen Wind einbringen, das ist ja nicht verkehrt.

Wie gefallen Ihnen die Events in der Formel E?

Fritz: Es ist eine völlig neue Form von Motorsport. Man kann viel darüber diskutieren. Fakt ist, die Formel E ist etwas komplett Neues. Motorsport spielt sich im urbanen Umfeld ab. Es ist nicht nur eine Marketingplattform, es hat schon viel mit Technologie zu tun. Es ist echtes Racing. Vor allem, es ist eines, es ist die Demonstration und Entwicklungswettkampf im elektrischen Bereich und das ist der große Reiz.

Die beiden Venturi-Formel E-Piloten Maro Engel und Edoardo Mortara fuhren letzte Saison gemeinsam für Mercedes in der DTM. Warum durfte Mortara im Mercedes DTM-Kader verbleiben, während Engel den Hut nehmen musste?

Fritz: Wir wollen nicht mit zwei Rennfahrern diesen Stunt wagen. Das wäre in unserem letzten DTM-Jahr zu wenig Fokussierung auf die DTM gewesen. Der Edo hat ganz klar den Fokus auf die DTM. Edo wird die Rennen, die parallel zur Formel E (Anmerkung der Redaktion: Berlin und New York) stattfinden, bei uns in der DTM fahren.

Wir haben eine Partnerschaft mit Venturi. Partnerschaft bedeutet für mich nicht, dass man bei der erstbesten Möglichkeit uns beide Fahrer abzieht. Es war auf der einen Seite sicherlich ein Kompromiss, auf der anderen Seite ist Maro so viel im Kundensport unterwegs gewesen, wo er in den letzten Jahren groß wurde. Maro hat dort seine Erfolge gefeiert, von daher war die Trennung die logische Schlussfolgerung.

Wie beurteilen sie die Leistung von Edo und Maro beim letzten EPrix in Rom?

Fritz: Es ist grundsätzlich schwierig, die Fahrerperformance einzuschätzen. Aus dem Paket, das sie zur Verfügung bekamen, haben sie das Beste daraus mit zwei Top-Ten-Platzierungen gemacht. Momentan ist es für das Team Venturi schwierig, da vorne mitzufahren. Wir müssen gemeinsam mit Venturi überlegen, wie wir da weiter nach vorne kommen. Es gibt nämlich ein paar Überlegungen dazu. Viele Themen sind konzeptioneller Art und müssen einfach für das nächste Jahr behoben werden.

Mit Blick auf die Partnerschaft mit Venturi – sind ihre Leute oft bei Venturi in Monte Carlo zu Gast oder umgekehrt in Affalterbach?

Fritz: Es gibt ein Engineering-Team, das sich regelmäßig abstimmt. Meine Ingenieure sind öfters in Monaco, aber auch umgekehrt. Wir haben dazu immer Personal auf den Rennen dabei. Heutzutage darf man nicht vergessen, es gibt so viel Fernkommunikation wie Videokonferenzen, E-Mail, Telefonkonferenzen. Von daher stellt das kein Problem mehr dar.

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